Bezirk Güssing: 41 Betriebe sind in Kurzarbeit

Corona hat den Arbeitsmarkt vor besondere Herausforderungen gestellt. AMS-Leiterin Sonja Marth über die Lage im Bezirk und Kurzarbeit für 3.100 Arbeitnehmer.

Erstellt am 26. November 2020 | 05:39
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Sonja Marth ist bereits seit 29 Jahren beim AMS Stegersbach beschäftigt, seit 1. Jänner ist sie mit der Leitung betraut worden.
Foto: BVZ

BVZ: Wie gestaltet sich die Lage derzeit am Arbeitsmarkt im Bezirk Güssing?

Sonja Marth: Derzeit ist die Lage aufgrund der Maßnahmen der Regierung und der behördlich angeordneten Betriebsschließungen sehr angespannt. Die bereits geschlossenen Unternehmen sind zum Teil noch in der Abklärungsphase, ob das Instrument Kurzarbeit die wirtschaftlich günstigere Variante für sie ist. Bis Ende November kann rückwirkend der Antrag auf Kurzarbeitsbeihilfe gestellt werden. Bei den vorgemerkt Arbeitsuchenden nimmt mit den steigenden Covid Fallzahlen die Verunsicherung zu, vor allem bei den Personen mit Betreuungspflichten. „Was, wenn ich einen Job annehme und der Kindergarten sperrt zu?“, „Wie bringe ich Job und Homeschooling unter einen Hut?‘, sind die meist gestellten Fragen. Es gestaltet sich aktuell schwierig.

BVZ: Welche Branchen sind besonders von der Corona-Krise betroffen?

Marth: Am stärksten betroffen ist die Tourismusbranche inklusive Gastgewerbe- und Beherbergungsbranche sowie der Zulieferfirmen, gefolgt vom Handel. Das Bau-und Baunebengewerbe, welches zu Beginn der Krise fast zum Erliegen gekommen ist, ist nochmals mit einem blauen Auge davon gekommen.

BVZ: Gibt es auch Branchen, in denen jetzt offene Stellen angeboten werden?

Marth: Mit Stand Ende Oktober haben wir 147 offenen Stellen gemeldet, ein Plus von 10,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Arbeitnehmer werden in fast allen Bereichen gesucht, in der Metall- und Handelsbranche und auch in den traditionellen Handwerksberufen, wie Tischler, Elektriker, Zimmerer, Installateure. Sogar im Gastgewerbe bereitet man sich schon auf die Zeit nach dem Lockdown vor und gibt laufend Stellenangebote bekannt.

BVZ: Wie ist das Verhältnis der Arbeitslosenzahlen zwischen Frauen und Männern?

Marth: Mit Stand 31. Oktober sind 715 Personen im Bezirk Güssing arbeitssuchend vorgemerkt, 55 Prozent (absolut 393 Personen) davon sind Frauen.

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Quelle: AMS; Foto: Lumen Photos/Shutterstock.com; Grafik: Bischof

BVZ: Stichwort Kurzarbeit: Wie viele Anträge sind im vergangenen halben Jahr eingelangt? Gibt es seit November dazu vermehrt Anfragen?

Marth: Seit 16. März 2020 haben 248 Betriebe für über 3.100 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im Bezirk Güssing einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt. Seit Beginn der behördlichen Schließungen der Gastronomiebetriebe ab 3. November haben 41 Betriebe für 217 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen die Kurzearbeitsphase 3 beantragt. Aufgrund der Attraktivität der Kurzarbeitsphase 3, sprich einer Umsatzrückerstattung von bis zu 80 Prozent, gehe ich davon aus, dass der Großteil der Betriebe die Kurzarbeitsbeihilfe in Anspruch nehmen wird .

BVZ: Wie haben Sie das AMS Stegersbach „corona-konform“ gestaltet?

Marth: Die Öffnungszeiten wurden auf 8 bis 12 Uhr geändert. Arbeitslose habe die Möglichkeit, einen kontaktlosen Antrag auf Arbeitslosengeld sowie eine Arbeitslosmeldung per eAMS Konto, online über die AMS-Website, per Mail und auch telefonisch zu stellen. Der persönliche Kontakt findet natürlich auch weiterhin unter Einhaltung der erforderlichen Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen in eingeschränkter Form statt. Wir haben ein Krisenteam eingeführt, welches wochenweise im Homeoffice arbeitet. Im „Worst Case“ können fast alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Homeoffice arbeiten.

BVZ: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten?

Marth: Aufgrund der neuerlich gesetzten Maßnahmen der Regierung und der behördlichen Schließung von zusätzlichen Betrieben werden in den nächsten Tagen vermehrt Anträge auf Kurzarbeit eingebracht werden. Hinzu kommt im Bau-und Baunebengewerbe die Saisonarbeitslosigkeit in den Wintermonaten, welche die Zahl der Vorgemerkten noch markant erhöhen wird. Ich rechne in den Wintermonaten mit einer wesentlich höheren Arbeitslosigkeit wie im Jahr 2019. Die Corona Pandemie zeigt jedoch eine positive Entwicklung im digitalen Bereich. Viele AMS-Kursmaßnahmen wurden bereits auf Distance Learning umgestellt. Unsere erste Ausbildungsmaßnahme, die zu 100 Prozent online am 5. Oktober gestartet hat, war ein voller Erfolg und wurde sehr positiv von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen aufgenommen.