„Batman“ im Zollhaus Neustift bei Güssing

Wenn es einen ersten Preis für die größte Fledermauskolonie in Österreich gäbe, er stünde bei Manfred Vötter. Besser gesagt bei ihm und 8.000 Tierchen.

Silke Katschner
Silke Katschner Erstellt am 18. September 2021 | 05:04

Als würde ein „Blechmann“ und ein Amateur-Radiofunker mit meterhohen Antennen im Garten (die BVZ berichtete) für eine Ortschaft nicht ausreichen, darf ich Ihnen nun den Dritten im Bunde vorstellen: Manfred Vötter, der ‚Batman‘ im Zollhaus!

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Manfred Vötter vor dem Zollhaus. Ganz oben beim Giebel sieht man das Einflugsfenster. „Der Schutz der Tiere war und ist mir sehr wichtig“.
Silke

Einheimische werden das Haus auf der Anhöhe kennen; aber die wenigsten wissen, dass dort Mensch und Fledermaus in Symbiose leben. „Vor circa 17, 18 Jahren lebten schon an die 300 Fledermäuse am Dachboden. Als ich das Haus dann erwarb, lebte mit 2.000 Tieren die zweitgrößte Kolonie im Burgenland unter meinem Dach. Das war 2005.“ Die Jahre vergingen, die Fledermäuse wurden immer mehr – und ein Plan musste her. Manfred Vötter erzählt begeistert weiter: „Hier hat sich eine weibliche Kolonie einquartiert, die das Haus sozusagen als Geburtenstation nutzt. Zugang haben die Fledermäuse durch das Einflugsfenster, dann gehts durch den Flugtunnel, der extra dafür gebaut wurde und im Dachraum finden sie dann genügend Ziegellatten zum Abhängen. Wenn sie am Abend ausfliegen, wuselt da alles! Bis alle draußen sind, dauert das etwa eine Stunde; und zwischen drei und vier Uhr früh kommen sie zurück. Im Winter beziehen die Tiere ihr Quartier in der Hermannshöhle, um dann Ende April wieder heimzukommen“.

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‚Großes Mausohr‘. Diese Fledermausart ist auf dem mittel-, süd-, südost- und westeuropäischen Kontinent weit verbreitet. Auf dem Speiseplan dieser nach der Bundesartenschutzverordnung nach streng geschützten Tiere stehen Großlaufkäfer, Spinnentiere und Hundertfüßler.
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Von der Art ‚Großes Mausohr‘ gibt es etwa 14.000 im Burgenland – und mehr als die Hälfte ist bei Vötter im Zollhaus. Dass gegen die Mengen an Fledermauskot – „jährlich etwa 1300 Kilo trockene Kotpillen“ – eine Lösung her musste, war auch bald klar. Mit dem Verein als unterstützende Instanz und der Naturschutzabteilung des Landes, die das überzeugende Projekt ebenso fördert, wurde der Dachboden angepasst. Die Bodenflächen wurden mit Stahlblech wannenförmig ausgekleidet, das erleichtert einerseits die Reinigung; gleichzeitig sind sie auch ein geruchsdichter Abschluss zu den unteren Wohnungen. Vötter stolz ob seiner niedlichen Untermieter: „Im Juli haben wir erstmals die 8.000er Marke geknackt!“