Erinner‘ dich: Erinnerungsmahnmale in Güssing

Güssing verlegt als Vorreiter im Burgenland Erinnerungsmahnmale.

Erstellt am 11. November 2021 | 05:59

Mit der ersten Verlegung der sogenannten ‚Stolpersteine‘ in der Innenstadt am Dienstag, dem 9. November, möchte die Güssinger Historische Gesellschaft die Gedenkkultur in der Region beleben. Insgesamt erinnern nun zehn Messingplatten an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie wurden barrierefrei in der Innenstadt verlegt.

In ganz Europa wurden vorwiegend in größeren Städten bereits über 70.000 dieser Steine verlegt. Im Burgenland ist diese Form eines Erinnerungsmahnmals derweil noch einzigartig.

Die Innenstadt soll damit nicht nur zum Gedenk-, sondern ebenso zum Lernort für Schulen und Interessierte werden. Am Rathaus wurde bereits im Jahr 1995 eine Gedenktafel zum Zweck der Erinnerung angebracht. Außerdem sind die Überreste des ehemaligen jüdischen Friedhofs, der an eine einst rege jüdische Gemeinde in Güssing erinnert, unweit der Landwirtschaftlichen Fachschule zu finden.

Vier Steine der Erinnerung vor der Diana Apotheke

Auch vor der Apotheke in der Stadt verlegte man vier dieser Stolpersteine; für Apothekerin Michaela Stipsits haben diese eine große Bedeutung.
Sie erinnert sich an die Geschichte, die sie selbst als Kind oft von ihrer Großmutter erzählt bekam: „Unsere Familie hatte sehr gute Freunde, die haben meinen Vater, Aladar Latzer, wirklich geschützt. Er war der Einzige, der nicht eingesperrt wurde. Wir waren die Einzigen, die nicht an die Grenze getrieben wurden.

Der Miki (Nikolaus) Latzer, der Cousin meines Vaters, wurde geschlagen und war im Gefängnis, Papa nicht. Aber die Freunde von meinem Vater konnten ihn nicht mehr schützen und haben gesagt, sie werden uns nach Wien bringen mit unserem eigenen Lastwagen, bei Nacht.“

Michaela Stipsits erzählt: „Der Fahrer des Lastwagens war mein Urgroßvater Michael Fumics. Nach Ende des Krieges und der temporären Rückkehr von Aladar Latzer nach Güssing wollte dieser das Haus in der Pater-Gratian-Leser-Straße 4 verkaufen und entschied sich dabei für den Freund, der in die Flucht der Familie involviert war, meinen Urgroßvater.
Ich habe Alice Latzer bei ihren Besuchen aus ihrer Wahlheimat Amerika zweimal getroffen. Bei ihrem letzten Besuch übergab ihr mein Vater, Fritz Burits, Briefe meines Urgroßvaters Michael Fumics an ihren Vater Aladar Latzer aus diesen schicksalhaften Tagen!“