Bezirke Güssing/Jennersdorf: Kiloweise Cannabis angebaut?

Drogenproduzent behauptet: „Das meiste liegt im Kompost!“

Erstellt am 06. Januar 2022 | 04:42
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Cannabis
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Foto: NOEN, Symbolbild

1200 Cannabispflanzen und zwei Kilo Cannabis wurden im Mai 2021 am Nebenwohnsitz eines 61-jährigen, aus dem Bezirk Güssing stammenden Frühpensionisten gefunden.

Angeklagt wurde er wegen des Anbaus von 36 Kilogramm Cannabis.

Für die professionell ausgestattete Indoorplantage mit mehr als 50 leistungsstarken Lampen hatte der Angeklagte den Stromzähler im Nebenwohnsitz im Bezirk Jennersdorf überbrückt und Strom abgezweigt, wodurch die Energie Burgenland einen hohen Schaden erlitt.

Der Angeklagte, der bereits zweimal wegen Drogendelikten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden war, bekannte sich vor dem Schöffensenat nur teilweise schuldig.

Eigentlich seien seine Anbauversuche keineswegs von Erfolg gekrönt gewesen.

„Ich habe es versucht“, sagte er. „Es ging komplett in die Hosen.“

Das Ergebnis seiner Experimente liege in den Kompostkübeln, dort könne man nachschauen.

Zu verkaufen seien die Cannabis-Ernten nicht gewesen.

„Das war schlechte Ware“, behauptete der Untersuchungshäftling.

Bei der Polizei hatte er noch zugegeben, zwölf Kilogramm Cannabis pro Jahr geerntet zu haben.

„Wie oft warfen Sie zwölf Kilogramm weg?“, wollte Richterin Birgit Falb wissen.

„Ich weiß es nicht“, antwortete der Angeklagte.

„Wie viel ernteten Sie ab?“, fragte die Richterin.

„Das weiß ich nicht“, antwortete der Hanfbauer.

Er habe sich gar nicht die Arbeit gemacht, die Blüten abzupflücken, als er gesehen habe, dass die Ernte „unverkäuflich war“.

„Mich würde interessieren, wie Sie als Frühpensionist zu einem Bankguthaben von 108.000 Euro kommen“, stellte Staatsanwalt Christian Petö in den Raum.

Der Angeklagte argumentierte mit einem „Hausverkauf“ und einer „Erbschaft.“

Ist Guthaben am Konto in Wahrheit „Drogengeld“?

„Ab 2018 zahlten Sie lauter Kleinstbeträge ein“, gab die Richterin bekannt. „Glauben Sie, wenn man ein Haus verkauft, hat man den Betrag in Zehn-Euro-Scheinen zuhause?“ Die Stückelung der Kontoeinzahlungen sei „szenetypisch für den Suchtgiftverkauf.“

Sowohl die Richterin als auch der Staatsanwalt hielten die Behauptungen des Angeklagten für unglaubwürdig.

Der Staatsanwalt dehnte während des Prozesses die Anklage aus und warf dem Frühpensionisten vor, nicht nur 36 Kilogramm, sondern von 2019 bis 2021 in sechs Anbauzyklen 72 Kilogramm Cannabis erzeugt und davon 70 Kilogramm verkauft zu haben.

Über seine Plantage soll der Angeklagte in einem Stehkalender und einem Taschenkalender akribisch Buch geführt haben.

Trotz dieser Indizien blieb der Frühpensionist dabei: Er habe „Schädlinge gehabt“ und eine Ernte „nach drei Wochen wegwerfen müssen.“

Übrig geblieben seien nur jene zwei Kilogramm Cannabis, die bei der Hausdurchsuchung gefunden wurden. „Das habe ich nicht verkauft, das war schlechte Qualität!“

Ein halbes Jahr lang sei er von Kriminalbeamten observiert worden, dabei sei kein Drogenverkauf beobachtet worden, brachte der Angeklagte vor.

Der Prozess wurde vertagt. Die Richterin will eine Kontoöffnung durchführen lassen, um zu klären, woher das Geldvermögen des Angeklagten stammt.

Hinsichtlich des Antrags des Verteidigers auf Untersuchung des Komposts am Anwesen des Angeklagten behielt sich die Richterin die Entscheidung vor.