Pendler sollen schneller nach Graz kommen. Eine eigens gegründete Landesgesellschaft nimmt den Busbetrieb nach Graz auf. Bedienen wird man damit bis zu 300 Personen aus dem Bezirk Güssing.

Von BVZ Redaktion. Update am 23. Oktober 2020 (13:41)
Projektpräsentation: Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Landesrat Heinrich Dorner.
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Um auch Pendlern aus den Bezirken Güssing und Oberwart die Möglichkeit zu bieten, wochentags mit dem Bus nach Graz zu pendeln, wurde letztes Jahr der Prozess zur Initiierung einer Buslinie Güssing – Graz beziehungsweise Oberwart – Graz gestartet. Im Rahmen des EU-Projektes „Connect2CE“ wurden Fahrgastpotentiale erhoben. Im Bezirk Güssing sind das rund 250 Erwerbspendler und rund 60 Studenten, die täglich nach Graz pendeln.

In einem ersten Schritt wurde Anfang März die Verbindung Oberwart – Hartberg – Graz und Güssing – Fürstenfeld – Graz als Verlängerung zweier bestehender steirischer Postbuslinien ins Leben gerufen. Diese Linien sind, aufgrund der Bedienung steirischer Haltestellen, für burgenländische Fahrgäste nicht die optimale Lösung, da die Fahrzeiten 1,45 Stunden und mehr in eine Richtung betragen.

Um den Betrieb für burgenländische Fahrgäste effizienter zu gestalten und zu optimieren, will das Land eine möglichst direkte geführte Kursführung verwirklichen.

„Dadurch sollen Fahrzeiten von 90 Minuten in eine Richtung ermöglicht werden. Oberstes Ziel: Rascher in die Steiermark kommen – und Stärkung des Südburgenlands“, erklärt Landesrat Heinrich Dorner. „Aus diesem Grund wurde eine eigene Landesgesellschaft gegründet, die die Busverkehrsleistung ausübt. Dadurch ist eine wesentlich einfachere Adaptierung und Anpassung von Fahrplänen an die sich ändernden Bedürfnisse der Fahrgäste möglich“, erklärt Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Die zu gründende Gesellschaft „Verkehrsbetriebe Burgenland GmbH“ wird ihren Sitz in Güssing haben. Vorgesehen ist die Anschaffung von vier 20-Sitzerbussen und die Beschäftigung von zehn LenkerInnen. Der Fahrplan sieht fünf Kurspaare Güssing – Oberwart an Werktagen beziehungsweis fünf Kurspaare als Zubringer Oberwart– Ilz vor. Zusätzlich sind auch je ein oder zwei Kurspaare an Sonn- und Feiertagen vor Werktagen vorgesehen.

Planmäßiger Start des Busbetriebes ist der 12. Dezember als Ersatz für die an die Post übergebene Linie und mit 12. Jänner 2021 der Vollbetrieb.

Kritik der Wirtschaftskammer

„Wir begrüßen die Ausweitung des Öffentlichen Verkehrs und bessere Angebote für die Bevölkerung. Aber warum das Land Burgenland dafür selbst ein Unternehmen gründet, ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar und kommt gerade jetzt in der Unzeit“, sagt Martin Horvath, Obmann der Sparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Burgenland.

Spartenobmann Martin Horvath
WK Burgenland

„Aufgrund der Corona-Krise stehen viele Busunternehmen vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen und viele Autobusse stehen still. Wir könnten diese Buslinien sofort selbst betreiben, da ja die Infrastruktur vorhanden ist. Nun erleben unsere Busunternehmen, dass das eigene Bundesland ihnen Fahrer abwirbt.“ Horvath verweist auch auf rechtliche Fragen: „Normalerweise muss eine neue Buslinie im Auftrag einer Gebietskörperschaft ausgeschrieben werden, offenbar gelten für das Land Burgenland andere Gesetze.“