Burgspiele und Kultursommer sollen eins werden. Verhandlungen starten. Güssings Vizebürgermeister Alois Mondschein will ein gemeinsames Theater- und Kulturprojekt Güssing. Burgspiele und Kultursommer zeigen sich verhandlungsbereit.

Von Carina Fenz. Erstellt am 05. Oktober 2018 (18:38)
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Burgspiele Obfrau Hilde Kollar: „Wenn die Bedingungen passen, kann ich mir ein gemeinsames Projekt sehr wohl vorstellen.“


 
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Die Dramaturgie des Stücks hätte nicht spannender sein können: Hoffmann gegen Koller, Burg gegen Festwiese, Rot gegen Schwarz. Die Rede ist von den Burgspielen Güssing und dem Güssinger Kultursommer, die das Kulturleben der Stadt Güssing bereichern, jeder auf seine Weise.  Organisatorische Probleme und Interessensverlagerungen der Verantwortlichen führten vor 13 Jahren zu einem vorläufigen Ende der „gemeinsamen“ ursprünglichen Burgspiele. Daraus entwickelten sich die Burgspiele Güssing, die seit zehn Jahren auf der Festwiese beheimatet sind und der Güssinger Kultursommer, der auf der Burg Güssing seine Spielstätte hat.

Güssings Vizebürgermeister Alois Mondschein will ein gemeinsames Theater- und Kulturprojekt Güssing.
 
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Güssings Vizebürgermeister Alois Mondschein (ÖVP) prescht jetzt mit dem Plan, wieder ein gemeinsames Theater- und Kulturprojekt Güssing unter einer gemeinsamen Führung zu schaffen, nach vorne. Er will als Vermittler auftreten und die verhärteten Fronten lösen, „auch wenn das möglicherweise mein politisches Ende bedeuten würde. Das ist ein Mega-Projekt wo man verlieren kann, aber es ist auch ein Herzensprojekt, also gehe ich das Risiko ein“, so Mondschein. Vorgespräche zwischen Mondschein und dem Güssinger Kultursommer und den Burgspielen gab es bereits. „Ich will als Moderator auftreten und nicht die Fäden ziehen. Es geht darum wieder eine gemeinsame Identität zu finden, die gab es ja schon einmal. Mir ist es wichtig, das beide ‚Parteien‘ gesprächsbereit sind und diese Zusage habe ich“, erklärt Mondschein. „In welche Richtung sich die Verhandlungen bewegen kann ich nicht sagen und will ich auch nicht beeinflussen, aber es ist wichtig die Kräfte zu bündeln, sowohl finanziell, als auch personell“, meint Mondschein, dem es ein großes Anliegen ist, die Güssinger Kultur zu „entpolitisieren.“

Hintergrund ist, dass es nach dem Bruch der ursprünglichen Burgspiele zwei politische Lager gegeben hat. Die ÖVP-lastigen Burgspiele und der Kultursommer, dem eine Nähe zur SPÖ nachgesagt wurde. Auch die Fördersituation seitens des Landes und der Gemeinde war dadurch eine Besondere. Die Burgspiele wurden von der damals „schwarzen“ Gemeinde Güssing gefördert, bekamen aber von „roten“ Land jahrelang keine Unterstützung, während der Kultursommer von der Gemeinde einige Jahre nicht unterstützt wurde, aber dafür vom Land Förderungen bekam. In dieser Causa haben sich die Wogen bereits seit einigen Jahren geglättet. Die Stadt Güssing fördert mittlerweile alle Güssinger Kulturprojekte mit demselben Zuschuss. Seit dem Vorjahr bekommen die Burgspiele auch von Kulturlandesrat Hans Peter Doskozil eine Förderung.

Gemeinsamer Marketingauftritt der Kulturvereine

Ein ersten Schritt in Richtung „Versöhnung“ ist der gemeinsame Marketingauftritt von allen Güssinger Kulturvereinen seit dem Vorjahr. „Das war mir besonders wichtig und ich bin froh, das uns dieser Schritt gelungen ist“, heißt es von Bürgermeister Vinzenz Knor (SPÖ), der den Vorstoß seines Vizebürgermeisters „befürwortet“.

Der nächste Schritt von Mondschein ist es jetzt mit den Burgspielen und dem Güssinger Kultursommer intensive Gespräche aufnehmen. Die Beteiligten zeigen sich dazu bereit. „Wir sind offen zu verhandeln. Wenn die Bedingungen passen, kann ich mir ein gemeinsames Projekt sehr wohl vorstellen. Ein Generationenwechsel in beiden Vereinen wird ebenfalls in den kommenden Jahren noch dazu aktuell werden“, erklärt Hilde Koller, Obfrau der Burgspiele.  

Kultursommer-Intendant Frank Hoffmann: „Kultur hat kein rotes und auch kein schwarzes ‚Mascherl‘. Wir geben uns gesprächsbereit.“

 
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Frank Hoffmann, Intendant des Güssinger Kultursommers, zeigt sich ebenso gesprächsoffen. „Diese Trennung, die nicht diplomatisch vollzogen wurde, war nie meine Absicht. Wir können darüber reden, wieder eine Gemeinsamkeit herzustellen. Unter welchen Voraussetzungen das allerdings passiert, kann ich jetzt nicht sagen, denn Konzept habe ich aktuell keines“, so Hoffmann, dem auch die Entpolitisierung des Themas sehr wichtig ist. „Kultur hat kein rotes und auch kein schwarzes ‚Mascherl‘“, vertritt Hoffmann seinen Standpunkt.

Frank Hoffmann wurde im Jahr 1999 als Intendant auf die Burg geholt, damals noch zu den Burgspielen, Hilde Kollar war bereits Obfrau der Burgspiele. Unterschiedliche Auffassungen der Beteiligten zum Stück „Ritter Baumkirchner“, das in der Nazi-Zeit einen Literaturpreis bekommen hat, waren der Grund für das Zerwürfnis, das bis heute wie ein Damoklesschwert über der Güssinger Kultur schwebt. „Irgendwann muss man beginnen diese Gegnerschaft zu lösen. Es darf keinen Sieger und keinen Verlierer geben“, setzt sich Alois Mondschein das Ziel.