Enorme Schäden nach Unwettern

In den Bezirken Güssing und Jennersdorf wurde die letzte Woche zu einem Marathon. Fast durchgehend heulten die Sirenen auf.

Erstellt am 20. August 2020 | 06:01
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In den beiden südlichsten Bezirken waren die Freiwilligen Feuerwehren praktisch im Dauereinsatz. Forstschäden, versperrte Straßen und überflutete Keller waren nur einige der Probleme, mit denen sich Anrainer durchschlagen mussten. Starkregen und Hagel verwüsteten vor allem im Burgenland, in Kärnten und in der Steiermark Agrarflächen von rund 7.000 Hektar, so die Hagelversicherung (ÖHV). Geschädigt wurden Wein-, Obst- und Gemüsekulturen sowie Acker- und Grünlandflächen. Der Gesamtschaden dürfte laut ÖHV bei 2,5 Millionen Euro liegen.

Bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag wurde Jennersdorf unfreiwillig zur Regenhochburg. Der Regen und die daraus resultierenden Überschwemmungen, gesperrten Straßen, Hangrutschungen und Feuerwehreinsätze erinnern an das Jahrhunderthochwasser im Jahr 2014. Damals stand das ganze Ortszentrum unter Wasser. Durch die mittlerweile umgesetzten Hochwasserschutzmaßnahmen und die günstige Lage, im „Schatten“ des Tafelberges, ist das Ortszentrum diesmal allerdings glimpflich davongekommen. „Wir sind am Samstag alle Rückhaltebecken abgefahren. Ein großer Dank gilt den Feuerwehren und allen ehrenamtlichen Helfern“, erklärte Bürgermeister Reinhard Deutsch.

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Am Montagnachmittag erwischte es dann den Bezirk Güssing mit voller Wucht. „Ein Szenario, das sich keiner wünscht. 80 Liter Regen pro Quadratmeter in nicht einmal 40 Minuten. Der Boden total eingeweicht, nicht mehr in der Lage, diese Wassermengen aufzunehmen“, beschreibt Andreas Popofsits, Bezirksreferent für Öffentlichkeitsarbeit.

Besonders dramatisch war die Lage in Ollersdorf . Die Rückhaltebecken wurden rasch von den Wassermassen aufgefüllt. Die Strem weitete sich bis zur B57 aus. Innerhalb kürzester Zeit waren mehr als 30 Einsatzadressen gemeldet. Sehr zum Ärger der Feuerwehr hielten sich einige Verkehrsteilnehmer nicht an die Straßensperren. „Einige Unbelehrbare fuhren in die Sperren ein“, hieß es vonseiten der Feuerwehr. Schwer getroffen wurde auch die Wallfahrtskirche Ollersdorf, wo das Wasser westseitig eindrang und Schlamm ablagerte. Die Kapelle blieb von den Wassermassen verschont. Ebenso überflutet wurde der Keller des Pfarrhofes.

Besonders große Schäden richtete das Unwetter auch in Olbendorf an. Jener Gemeinde, in der erst im Vorjahr der Hochwasserschutz Rückhaltebecken mit einem Schutzdamm am Dürrebach und am Haxbach – um 1,3 Millionen Euro fertiggestellt wurde. Seitens der betroffenen Haushalte blieb da die Frage, wie es sein könne, dass trotzdem alles überflutet wurde, nicht aus. Bürgermeister Wolfgang Sodl: „Das Rückhaltebecken am Haxbach mit 20.000 Kubikmeter ist angesichts der enormen Regenmassen übergelaufen. Das Dürrebachbecken mit 314.000 Kubikmeter Fassungsvermögen war ebenfalls hoch gefüllt. Auch zwei Stunden nachdem es zu regnen aufgehört hat, ist der Wasserstand noch immer gestiegen“, erklärt Sodl, der von einem mehr als 100-jährigen Hochwasser spricht.

„Hätten wir diesen Hochwasserschutz nicht gehabt, dessen Konzeption einmalig ist, dann wären die Ortsteile Dorf, Haxbach, Mittermühl und Untermühl wohl versunken“, schildert Sodl die Dramatik. Für die Zukunft gebe es aber Handlungsbedarf. „Wir haben entlang des Haselbaches einen Hotspot. Hier wurde damals kein Hochwasserschutzbecken genehmigt. Unser Bestreben ist es jetzt, mit linearen Maßnahmen den Schutz für die Bevölkerung herbeizuführen“, versichert Sodl. Die Schäden im Ortsgebiet sind jedenfalls enorm. Die Mehrzweckhalle ist unter Wasser gestanden, rund 20 private Haushalte waren betroffen, es gibt Hangrutschungen und Ausschwämmungen auf Straßen und dem Wegenetz.

In Stinatz mussten nach den starken Regenfällen 22 Einsätze durchgeführt werden. Im Feuerwehrhaus wurde gleich zu Anfang eine Einsatzleitung eingerichtet, die in Zusammenarbeit mit dem mobilen Einsatzleiter, der LSZ und dem Bezirksführungsstab, die Einsätze koordinierte. Während der letzten Arbeiten war das Rüstlöschfahrzeug der örtlichen Feuerwehr zur Unterstützung in Ollersdorf im Einsatz, wo zwei Adressen abgearbeitet wurden. Außerdem wurde zur Unterstützung die Feuerwehr Wörterberg alarmiert, welche unter anderem beim Auspumpen des Kellerbereiches im Gemeindeamt behilflich war.

Von der Feuerwehr Stegersbach kam Unterstützung in Form einer vorsorglichen Lieferung von Sandsäcken..