Kostenexplosion bei Rathaus-Bau?

Das Rathaus wird voraussichtlich schon ab Juni 2019 saniert, die Kosten dafür sind bereits um fast ein Viertel gestiegen.

Erstellt am 29. Mai 2019 | 04:25
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Die Pläne liegen bereits auf dem Tisch, die Umbauarbeiten sollen bis 2020 fertiggestellt sein.
Foto: BVZ

Bereits im Herbst 2018 hat der Gemeinderat das Projekt „Barrierefreies Rathaus“ beschlossen.

Der Einbau eines Aufzugs, barrierefreie Zugänge vom Hauptplatz und der Grabenstraße, die Errichtung eines Parkplatzes und die Erneuerung der Installationen standen unter anderem auf dem Arbeitsplan. Die dafür veranschlagten Kosten betrugen rund 2 Millionen Euro. Nun ist von rund 2,5 Millionen die Rede.

Indexanpassung und zusätzliche Anlagen

In der Gemeinderatssitzung in der Vorwoche gingen die Wogen hoch, als der Tagesordnungspunkt über die Vergabe von Arbeiten und Leistungen im Rahmen des Projektes Umbau/Sanierung Rathaus Güssing an der Reihe war. Nach den neuesten Berechnungen sind die Kosten dafür gestiegen.

Für Bürgermeister Vinzenz Knor ist dies eine logische Schlussfolgerung: „Die Kostenschätzung ist bereits 2017 erfolgt, durch die Indexanpassung ist daher eine Erhöhung absehbar gewesen. Außerdem wurde noch nach einer Lösung für die Burgenländische Gemeinschaft gesucht, die, wie jetzt beschlossen wurde, ein Büro im Dachgeschoss beziehen wird.

Deshalb sind dort auch Sanitäranlagen zu installieren genauso wie im ersten und zweiten Stock und beim Standesamt. Weiters werden einige Parkplätze überdacht, und zum Schluss sind auch noch die Brandschutzmaßnahmen zu berücksichtigen, die immer erst wenn alle Pläne auf dem Tisch liegen festgesetzt werden.“

Eine weitere Überraschung hielt die Außenwand des Rathauses bereit: Bei Probebohrungen entdeckte man, dass das Gebäude auf der alten Stadtmauer steht. Zur statischen Sicherheit muss deshalb eine Spritzbetonwand zur Sicherung der Grabenstraßenseitigen Außenwand errichtet werden.

Vorwurf der schlechten Planung von ÖVP

Vizebürgermeister Alois Mondschein sieht die Sachlage anders: „Aus meiner Sicht ist das Ganze ein finanzielles Desaster, wenn sich bereits vor Baubeginn die Kosten gegenüber der ursprünglichen Planung um 600.000 Euro erhöhen, und das innerhalb von nur sechs Monaten. Am 22. Oktober 2018 war noch von zwei Millionen die Rede. Nun stehen wir bei zweieinhalb Millionen, und da fehlen noch die Planungskosten, die 318.000 Euro ausmachen. Das Thema ist außerdem, dass es keine wesentliche Verbesserung gibt, es ist nach dem Umbau nur die rechtlich vorgegebene Barrierefreiheit gegeben. Im Vergleich zu anderen Rathäusern, die renoviert werden, ist dann hier nichts Großartiges passiert. Der abgelehnte Architektenwettbewerb war eine vergebene Chance, für das Rathaus eine bessere Lösung zum gleichen Preis zu finden. Man kann davon ausgehen, dass sich im Rahmen der tatsächlichen Umsetzung die Kosten nochmals erhöhen werden. Unter dem Strich ist jetzt schon von einer schlechten, dilettantischen Planung auszugehen.“