Öffnungen: zwischen Hoffen und Bangen. Güssinger Unternehmer aus verschiedenen Sparten berichten, wie das Geschäft anläuft und mit welchen Schwierigkeiten sie kämpfen

Von Dorothea Müllner-Frühwirth. Erstellt am 29. April 2021 (05:49)

GÜSSING „Alles öffnet“ hat die Regierung als Devise für die Zeit ab dem 19. Mai ausgerufen. Doch die Katerstimmung bei den Unternehmern ist damit nicht vom Tisch.

Gastronomen sorgen sich um Haftungen

Verordnungen, Maßnahmen, neue Richtlinien – vom Gastronom bis zum Frisör war jeder von einer Vielzahl von Neuerungen betroffen. Ein großer Kritikpunkt der Unternehmer richtet sich dabei an die Auszahlung der Förderungen, die manchmal spät oder sogar bis heute nicht stattgefunden hat. Mariana Solinas-Moser, die eine Mischbetrieb führt, hat seit vielen Monaten mit diesen Problemen zu kämpfen: „Die Ausgleichszahlungen für mein Kaffeehaus sind zwar langsam eingetroffen, aber es hat funktioniert. Jedoch für meine Boutique fehlen nach wie vor die Hilfen für November und Dezember 2020.“ Lob gibt es von der Unternehmerin für das AMS und den Härtefallfonds der Wirtschaftskammer. Von der letztgenannten Stelle wünscht sich Mariana Solinas-Moser mehr Unterstützung: „Der Handel hat es geschafft, sich gegen Eintrittstests zu wehren. Hier wäre mehr Einsatz der Wirtschaftskammer für die Gastronomen wichtig. Wenn sich die Gäste für einen Besuch im Freien in meinem Kaffeehaus testen müssen, werden viele nicht kommen.“ Einige ihrer Stammgäste haben dies bereits bestätigt. „So wird das Öffnen nicht funktionieren. Die Wirtschaftskammer muss nun Vollgas geben, da viele kleine Betriebe gerade im Südburgenland davon betroffen sind.“ Hinzu kommt die Ankündigung, dass die Gastronomen für mögliche Clusterbildungen haftbar gemacht werden könnten. „Das könnte mich meine ganze Existenz kosten, dafür gibt es keine Versicherung“, sorgt sich Mariana Solinas-Moser.

Auch Handel und Frisöre kämpfen weiter

Susi Stubits betreibt ein Sportgeschäft und ein Move-Center und kämpft seit über einem Jahr mit vielen Hürden. „Es gibt Unterstützung, aber diese ist oft an unmögliche Bedingungen geknöpft. Beispielsweise bekommt man nur finanzielle Hilfe, wenn man dreißig Prozent Umsatzausfall hat, bei 29,8 Prozent Umsatzausfall gibt es nichts.“ Durch die Lockdowns, die oft mitten in einem Monat beginnen und die Berechnungsweise der Hilfen durch die Umsätze vom ersten des Monats an, gibt es daher oft keine Unterstützung. Ihre Mitarbeiter hat sie zur Kurzarbeit angemeldet, trotzdem musste sie nun einen kündigen. „Ich zahle mir selbst kein Gehalt mehr aus“, schildert die Unternehmerin die Situation. Auch sie würde sich mehr Unterstützung von der Wirtschaftskammer wünschen, da viele Ketten im Lockdown Sportartikel verkaufen konnten, während sie geschlossen hatte.

Auch Alexander Rebhandl hat mit Hürden zu kämpfen. Er hat erst vor Kurzem einen Frisörbetrieb in Güssing übernommen. „Die erste Woche nach dem Lockdown war zwar etwas besser, aber die Verluste, die wir verzeichnen müssen, können dadurch nicht eingeholt werden.“ Einen Ansturm gibt es nicht. Er hört oft von Kunden, dass sie keinen Termin zum Testen bekommen haben: „Dass es nur ein begrenztes Testangebot in Güssing gibt, ist für eine Bezirkshauptstadt beschämend. Hier muss die Stadt kreativer werden, schließlich lebt sie auch von uns Unternehmern.“ Als Jungunternehmer bekommt er zudem keine Unterstützung. „Ich habe eine Firma übernommen, die in Konkurs gegangen ist. Es haben viele Arbeitsplätze gewackelt. Ich habe diese gesichert und bekomme trotzdem keine Unterstützung, da fühlt man sich unfair behandelt.“ Rebhandl würde auch direkte Tests vor Ort bei den Frisören unterstützen, auch ein Testangebot im City-Center kann er sich als Erleichterung für Kunden und Unternehmer vorstellen. Seinen Optimismus lässt er sich aber nicht nehmen: „Ich kämpfe weiter, um alle Angestellten behalten zu können, es soll nicht dasselbe wie bei der vorigen Firma passieren. Wir sind ein tolles Team, wir werden das schaffen.“

Warten auf schriftliche Verordnungen

Auch den Vertretern der Gewerkschaft bereitet die kritische Lage Sorgen. „Die verzögerten Zahlungen der Hilfen gefährden nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Arbeitnehmer, dadurch kann es zu Kündigungen kommen“, berichtet ÖGB Regionalsekretär für Güssing/Jennersdorf Edmund „Jimmy“ Artner. Seitens der Wirtschaftkammer verweist Regionalstellenleiter Thomas Novoszel auf die Vorgaben vom Bund: „Für die Förderungen ist der Bund zuständig, die Wirtschaftkammer hat darauf nur wenig Einfluss. Zu der Haftungsfrage können wir noch keine konkrete Auskunft geben, wir müssen die genauen Verordnungen abwarten.“

Bürgermeister Vinzenz Knor wünscht sich schon seit Längerem eine Teststraße in der Kaserne: „Wir haben einen diesbezüglichen Antrag an das Ministerium gestellt. Auch der Bund muss aktiv werden und nicht alles den Gemeinden überlassen. Wir testen am Montag und am Donnerstag den ganzen Mai weiter, auch die Apotheke testet nach wie vor.“ Unterstützung für die Gastronomen gibt es seitens der Gemeinde für den Outdoor-Betrieb: „Die Gastgärten haben eine größere Fläche zur Verfügung und sind von den Zahlungen befreit.“ Vizebürgermeister Alois Mondschein wünscht sich mehr Einsatz der Stadtgemeinde: „Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, um den `Güssinger Einkaufsgutschein´ der Bevölkerung schmackhaft zu machen, um die Unternehmen zu unterstützen. Die Stadtgemeinde sollte den Kauf des „Güssinger Einkaufsgutschein“ mit zumindest 10% des Nennwerts fördern.“