Rathausumbau: Aufregung um Rampe

Orts-ÖVP ortet einen groben Fehler bei den Arbeiten, SPÖ-Gemeindeführung und Architekt verweisen auf den Einreichplan.

Erstellt am 20. August 2020 | 05:38
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Bürgermeister Knor: „Der Endausbau ist noch nicht fertig, die Bevölkerung wird selbst beurteilen.“
Foto: DMF

Bei einer Baustellenbesichtigung wunderte sich Stadträtin Sabine Döberl über die Ausführung der Rampe, die hinter dem Rathaus gerade im Entstehen ist: „Es besteht hier ein Höhenunterschied von 3,91 Meter vom Parkplatz bis zum Eingang zum Rathaus, wo sich der Lift befindet. Die Steigung beträgt dabei knappe sieben Prozent. Wäre da nicht ein Außenlift, der direkt vom Parkplatz zum Rathauseingang führt, die bessere Lösung gewesen?“

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Vizebürgermeister Alois Mondschein ist überzeugt: „Dies ist eine Fehlplanung der Extraklasse!“
DMF

Auch Vizebürgermeister Alois Mondschein ist über diese Alternative nicht glücklich: „Die Fehlentscheidungen von Bürgermeister Vinzenz Knor führen beim Rathausumbau bereits zum zweiten Mal zum Schildbürgerstreich! Im ursprünglichen Plan hat es im ersten Stock, wo der meiste Parteienverkehr stattfindet, kein Behinderten-WC gegeben. Dies wurde erst nachträglich auf meinen Hinweis hinzugefügt! Nun die Rampe, die eine überteuerte Fußgängerrampe ist. Sie kostet der Stadtgemeinde Güssing zirka 100.000 Euro und ist unbrauchbar für Menschen mit besonderen körperlichen Bedürfnissen.“

„Wenn so wichtige Themen im Raum stehen sollte man sich Spezialisten holen, denn Barrierefreiheit muss Qualität haben und nicht nur nach gesetzlichen Vorgaben erfolgen.“ Hans-Jürgen Groß (ÖZIV)

Auch beim Eingang vom Hauptplatz zum Rathaus ortet Mondschein Schwierigkeiten: „Auf der Hauptplatzseite muss die Fahrbahn überquert werden und der Gehsteigsockel überwunden werden. Es ist mehr als ein schlechter Scherz bei einer nicht behindertengerechten Rampe auf der Rückseite des Rathauses von einem architektonischen Element zu sprechen, dafür fehlt der Stadt Güssing das Geld.“

Fußgängerrampe schon in Einreichplan fixiert

Architekt Herbert Schmölzer, der mit seinem Büro die Planungsarbeiten für den Umbau übernommen hat, erklärt in einem Gespräch mit der BVZ: „Diese Rampe war von Anfang an als Fußgängerrampe angedacht und wurde so auch im Einreichplan ausgewiesen, daher liegt hier definitiv kein Planungsfehler vor. Die Rampe ist trotzdem barrierefrei zugänglich, aufgrund der Länge und des Gefälles kann es aber natürlich sein, dass nicht alle Rollstuhlfahrer sie ohne Begleitung nutzen können. Es werden noch zusätzliche Podeste, Radabweiser und Handläufe eingebaut, alle Vorschriften wurden eingehalten, von der Breite bis hin zum Gefälle, das nicht über 10 Prozent liegen darf.“

Schmölzer betont dabei außerdem die Wichtigkeit der Rampe im Falle eines Brandes als Fluchtweg, da dann der Lift Außer Betrieb ist.

Ebenso praktisch sei die Rampe als Außenbereich für den Stadtsaal, da das Plateau in den Pausen von Veranstaltungen als Aufenthaltsmöglichkeit nutzbar ist, Anlieferungen von Caterings, Ausstellungsmaterialien oder Möbeln können praktisch getätigt werden. Im unteren Bereich der Rampe werden an das bestehende Rathausgebäude ein Carport und Nebenräume (Fahrradabstellraum, Müllraum, Haustechnik usw.) angebaut.

„Es ist alles so wie es geplant und verhandelt wurde. Die Bevölkerung wird nach der Fertigstellung zu einem Tag der offenen Tür eingeladen, um sich selbst ein Bild zu machen. Der Planer hat hier weit in die Zukunft gedacht und viele verschiedene Aspekte wie die Nutzungsmöglichkeiten bei Veranstaltungen oder die Fluchtwege mitbedacht“, erklärt Bürgermeister Vinzenz Knor.

ÖZIV bietet Gemeinden Partnerschaft an

Hans-Jürgen (ÖZIV Burgenland und Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für barrierefreies Bauen) weiß genau, wie wichtig barrierefreie Bauten sind und wie schwierig sich oft die Umsetzung gestaltet: „Wenn so wichtige Themen im Raum stehen sollte man sich Spezialisten holen, denn Barrierefreiheit muss Qualität haben und nicht nur nach gesetzlichen Vorgaben erfolgen. Deshalb wird der ÖZIV in Kürze eine Mitgliedschaft für Gemeinden anbieten, die auch eine Beratung bei Bauprojekten inkludiert. Es wird in diese Arbeiten viel Geld investiert und deshalb sollten sie dann auch einen Mehrwert für hundert Prozent der Bevölkerung bieten.“