Spital bleibt und baut Angebot aus

Rund zwölf Millionen Euro werden in den Standort und in ein neues Profil des Hauses investiert. Von der ÖVP, die von einer besseren Betreuungseinrichtung spricht, hagelt es Kritik.

Carina Fenz
Carina Fenz Erstellt am 22. April 2021 | 05:14
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Bis Ende 2021 sollen die vier Bungalows und zwölf Kleinwohnungen für KRAGES-Mitarbeiter fertiggestellt werden. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil mit Bürgermeister Vinzenz Knor (2.v.l.), KRAGES-Geschäftsführer Hubert Eisl (4.v.l.), Marc Seper (Kaufmännischer Direktor des Krankenhauses Güssing, 5.v.r.), BELIG-Geschäftsführer Gerald Goger (l.) mit Betriebsräten und bauausführenden Firmen beim Spatenstich der neuen Personalwohnungen. Investiert werden rund drei Millionen Euro.
Foto: Carina Fenz, Carina Fenz

Dass Einsparungen im Gesundheitswesen Millionen kosten und eine Aufwertung des Leistungsspektrums mit sich bringen, ist ein Umstand, der ad absurdum führt. Am Beispiel des Krankenhauses Güssing ist das ganz gut zu erkennen. Rund zwölf Millionen Euro sollen in den nächsten zwei Jahren in den Standort investiert werden.

Ein Patzen Geld, der eine neue medizinische Ausrichtung des Hauses mit sich bringt. Verstärkt wird nämlich in Zukunft auf eine eigens geschaffene Abteilung für Akutgeriatrie und Remobilisation gesetzt — zusätzlich zur Basisversorgung für die Bezirke Güssing und Jennersdorf. 24 stationäre Betten und vier ambulante Behandlungsplätze werden dafür geschaffen. Bereits 2022 will man die ersten Patienten behandeln, 2023 geht die Abteilung in Vollbetrieb.

Für Gerhard Puhr, den ärztlichen Direktor des Krankenhauses ein Gewinn: „So wie es Kinderstationen für junge Leute gibt, brauchen auch ältere Menschen eine spezielle Station. Die Beschwerden der Menschen ergeben sich aus verschiedenen altersspezifischen Krankheiten, die daher auch spezieller Therapien bedürfen.“

„So wie es Kinderstationen für die jungen Leute gibt, brauchen auch ältere Menschen eine spezielle Station.“Gerhard Puhr, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses

Dass die Neuausrichtung des Hauses auch für viel Kritik sorgt, liegt auf der Hand. Die ÖVP hat in der Vergangenheit immer von einer Abwertung des Standorts gesprochen. Landtagsabgeordneter Walter Temmel (ÖVP) wird sogar noch konkreter: „Der Bezirk Güssing braucht ein echtes Spital und nicht eine bessere Betreuungseinrichtung“, hagelt es von Temmel Kritik.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der zum wiederholten Male eine Standortgarantie ausspricht, spricht von einem „Fortschritt für die Region“. „Es freut mich, dass wir in der Zusammenarbeit mit dem Spital Oberwart neue Schwerpunkte gefunden haben, gerade für die ältere Generation ist das ein wirklicher Fortschritt für die ganze Region.“

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„Neu ankommen im Krankenhaus Güssing“, heißt es künftig. Ab 2022 wird der Haupteingang umgebaut. Neu gestaltet werden die Portierloge, der Aufnahme- und Entlassungsbereich sowie die Wartezonen. Mitgeplant wurden auch zusätzliche Zugänge und Wege — falls diese in einer Pandemiesituation wie der aktuellen benötigt werden. Kostenpunkt: 2,5 Millionen Euro.
BVZ

Seitens der KRAGES dementiert man den Vorwurf der ÖVP und spricht davon, dass man in Güssing künftig sogar mehr planbare Operationen durchführen wird. Gleichzeitig evaluiere man, ob man Betten, die leer stehen, in Zukunft noch braucht.

Dass die medizinische Ausrichtung des Hauses auf neue Beine gestellt wird, ist mittlerweile klar zu erkennen. Bereits zu Jahresbeginn wurden drei Abteilungen (Chirurgie, Orthopädie und Traumatologie, Anästhesie und Intensivmedizin) mit den entsprechenden Abteilungen im Krankenhaus Oberwart unter gemeinsame Primariate gestellt (die BVZ berichtete). „In der jüngsten Corona-Welle hat sich bereits gezeigt, dass die Etablierung der standortübergreifenden Primariate die richtige Entscheidung war, da die Kapazitäten der beiden Häuser besser und vor allem schneller aufeinander abgestimmt werden konnten“, ist KRAGES-Geschäftsführer Hubert Eisl überzeugt.

Im Zuge der Gesamtstrategie sollen auch weitere medizinische Bereiche neu strukturiert und erweitert werden. Da das Krankenhaus Güssing über die einzige Rheumatologie des Burgenlandes verfügt, soll es in diesem Bereich eine enge Zusammenschau mit der Akutgeriatrie sowie der Orthopädie geben — ein Behandlungszentrum des Bewegungsapparates mit Fokus auf konservative und operative Therapien.

Weiters wird es einen Schwerpunkt im Bereich der Inneren Medizin in der Behandlung von Diabetes mellitus und von Stoffwechselerkrankungen geben. Das Brustgesundheitszentrum Pannonia-Süd verbleibt in Güssing. Der Bereich Plastische Chirurgie wurde von Oberwart nach Güssing verlegt. Der Schwerpunkt der Orthopädie liegt auf Endoprothetik und mit Werner Maurer-Ertl hat man einen neuen Standortleiter gefunden.

Als zusätzliches diagnostisches Angebot wird eine Endosonografie etabliert.