Güssing

Erstellt am 01. Dezember 2018, 05:42

von Dorothea Müllner-Frühwirth

Zehn Monate in Rumänien: Volontär bei den Armen. David Deutsch führte sein Zivildienst nach Rumänien, wo er in einem Waisenhaus zu einer wichtigen Bezugsperson für die Kinder wurde.

David Deutsch mit zwei seiner Schützlinge, für die er von September 2017 bis Juni 2018 verantwortlich war.  |  David Deutsch

Dass er Zivildienst machen möchte, war für David Deutsch schon von vornherein klar. Als er dann sah, dass er diesen auch im Ausland absolvieren kann, erkundigte er sich im Internet nach den unterschiedlichen Möglichkeiten. Es gibt verschiedene Organisationen, die diese Form des Zivildienstes anbieten. Deutsch entschied sich für die Agentur Concordia, die Einsätze in Rumänien, Bulgarien und Moldawien vermittelt. Sein Ziel: ein Waisenhaus in Rumänien.

So führte den heutigen Jus-Studenten sein Weg im September 2018 nach Bukarest, wo er einen sechswöchigen Vorbereitungskurs absolvierte. „Wir haben rumänisch gelernt, hatten hygienische Kurse und Schulungen, wie man mit traumatisierten Kindern umgeht“, erzählt David. Dann ging es nach Ploisti. 24 Kinder wohnen dort in einem Heim, das von der Organisation Concordia geleitet wird. Die meisten sind seit ihrem zweiten Lebensjahr hier und sind heute zwischen sechs und vierzehn Jahren alt.

Es war am Anfang ein Schock für den jungen Güssinger, wie er erzählt: „Die Kinder berichteten von ihrem Zuhause, sie hatten kein Dach über dem Kopf oder die Eltern waren sehr arm oder drogenabhängig.“

„Es war bedrückend, wie viele junge Leute dort Zuflucht suchten. Manche waren so alt wie ich“David Deutsch

Im Heim, das es seit 1991 gibt, haben sie wieder eine sichere Unterkunft gefunden, bekommen regelmäßige Mahlzeiten und auch auf die schulische Bildung wird viel Wert gelegt. David Deutsch kümmerte sich den ganzen Tag um seine jungen Schützlinge, brachte sie zur Schule, machte mit ihnen Hausaufgaben und spielte mit ihnen. Er wurde zu einer wichtigen Bezugsperson für die Kinder. „Hier haben sie eine weitaus bessere Perspektive als in einem staatlichen Heim“, erzählt David. „Sie können nach der Schule einen Beruf erlernen und in Sozialzentren wohnen. Dabei werden sie weiterhin von Betreuern begleitet, die für einen guten Start in die Zukunft beratend zur Seite stehen.“

In seiner freien Zeit an den Wochenenden unternahm er Ausflüge mit den anderen Volontären. Die meisten sind für zehn Monate hier, manche verlängern sogar ihren Aufenthalt. Auch in einem Obdachlosenheim, in dem einige seiner Kollegen arbeiteten, half er öfter aus. „Es war bedrückend, wie viele junge Leute dort Zuflucht suchten. Manche waren so alt wie ich“, erinnert sich Deutsch.

Mit seinen Schützlingen hat er auch heute noch über Internet Kontakt, und im Feber wird er sie wieder besuchen. Er antwortet mit einem klaren „Ja“ auf die Frage, ob er seinen Zivildienst wieder auf diese Art und Weise absolvieren würde. „Ich kann es jedem empfehlen, man lernt aus diesen Erfahrungen sehr viel für sein Leben. Vom Umgang mit Menschen in extremen Situationen bis hin zur Dankbarkeit, dass man selbst in so guten Verhältnissen aufwachsen durfte.