Heinz Peter Krammer: „Die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit“

Heinz Peter Krammer verabschiedet sich mit heutigem Tag in den Ruhestand. Ein knappes Vierteljahrhundert später nach dem Antritt seiner Amtszeit, lässt er diese Revue passieren.

Erstellt am 16. Dezember 2021 | 06:00
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Heinz Peter Krammer
„Dieses Bild hat mir Heinz Gurdet, ein Schulfreund aus der Jugend, 1997 zum Amtsantritt geschenkt“, erzählt Krammer stolz.
Foto: Silke/shutterstock.com; ImageFlow

Die Errichtung der größten Golfschaukel Österreichs, den Startschuss der Thermen- und Tourismusregion Stegersbach mit mittlerweile über 900 Betten und die österreichische Nationalmannschaft, die bei der EM 2008 in der Marktgemeinde stationiert war: Das und noch viel mehr hat Heinz Peter Krammer in seinen 24 Jahren Amtszeit zu verbuchen.

Mit dem Abschied aus der Kommunalpolitik geht eine Ära zu Ende. Sehen Sie das auch so?
Heinz Peter Krammer: „Natürlich, ein Vierteljahrhundert prägt einerseits den Menschen selbst, also mich, und auch die Gemeinde. Wenn ich daran denke, dass wir vor 25 Jahren mit dem Tourismus begonnen haben und heute, gerechnet an den Übernachtungen, die drittgrößte Tourismusgemeinde im Burgenland sind; und auch einen Bevölkerungszuwachs, Schaffung neuer Arbeitsplätze und generell den Ausbau der Infrastruktur geschafft haben, so glaube ich schon, dass das ein wichtiger Zeitraum war, der die Gemeinde Stegersbach auch für die Zukunft geprägt hat.“

Ein Resümee über Ihre Zeit als Bürgermeister?
Krammer: „Ich hatte das Glück, 1997 Bürgermeister geworden zu sein, wo die Weichen für die touristische Entwicklung schon gestellt waren. Die Thermalwasserbohrung wurde niedergebracht, Investoren für die Golfschaukel, ein kleines Hotel und die Therme hat es gegeben; das war schon ein glücklicher Zufall.

Von der Bohrung 1989 bis zum Baubeginn des Golfplatzes ist dann noch viel Zeit vergangen; es war niemand zu finden, der in die grüne Wiese ein Tourismusprojekt hineinstellt und war auch verständlich, dass sich keiner da drübergetraut hat. Ausschlaggebend für uns war auch der EU Beitritt 1995, als es durch Landeshauptmann Stix gelungen ist, dass das Burgenland als Ziel 1 Gebiet anerkannt wurde und daher große Fördermittel bereit gestellt wurden. Wie die Förderungen geklärt waren, war es die Firma Rogner, die eigentlich den ersten Schritt gesetzt hat. Am Beginn meiner Amtszeit die Therme, das Hotel und den Golfplatz zu eröffnen war schon ein guter Einstieg.“

Erinnern Sie sich noch an die Diskussion rund um die Golfschaukel?
Krammer: „Natürlich, ich war unmittelbar dabei, wie wir bei der ersten Sitzung gesessen sind beim Amtsleiter und der Landeshauptmann, der Stellvertreter und alle wichtigen Leute da waren. Eigentlich herrschte ein bisschen negative Stimmung dagegen aber meine Fraktion und ich waren dafür und haben damals gesagt ‚Besser bissl‘ ein Tourismus, als gar keiner‘. Ohne diese Initialzündung wär wahrscheinlich gar nix geworden.“

War in der Hinsicht die Ernennung zu Bad Stegersbach eine verpasste Chance?
Krammer: „Nein; aber wir haben damals sehr intensiv diskutiert. Wir hatten vier neue Hotels und die Gäste hier waren keine typischen Kurgäste, die ja eher älter sind, sondern junge Leute. Grundsätzlich haben wir auf die Hotelbetreiber damals schon gehört, die meinten, dass ‚Bad‘ einen angestaubten Touch hat und dass es das eh schon massenhaft gibt.“

Gibt es ein Projekt, dass für Sie eine Herzensangelegenheit war?
Krammer: „Das Größte und schwierigste Projekt war der Hauptplatzumbau. Es gab viele Kritiker, die meinten, es sei zu viel Beton, zu wenig Grün. Ich erhielt damals viel Unterstützung vom Dechant, das rechne ich ihm hoch an, und mittlerweile hat sich Platz bei zahlreichen Veranstaltungen bewiesen.

Oder die Sportanlage, ohne die wir die EM nicht bekommen hätten. Das war auch Glück, dass wir die Entscheidung vorher schon getroffen haben, die Sportanlage neu zu errichten. Oder das Senecura Pflegeheim, dass der Bevölkerung ein großes Anliegen war. Es waren oft einfach die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit.“

Wie hat sich die Kommunalpolitik im Lauf der Jahre verändert?
Krammer: „Als ich 1987 in den Gemeinderat gekommen bin, wurde schon viel gestritten. Als Bürgermeister habe ich mich nie davor gescheut, Entscheidungen zu treffen, auch nicht kurz vor einer Wahl. Ich habe nicht auf Wahltermine, sondern Notwendiges und Anstehendes geschaut. Mein Spruch ist immer: ‚Aus Angst gestorben ist auch tot‘.

Sorgen, dass ich deswegen abgewählt werde, hatte ich keine und wenn es so gekommen wäre, wär’s auch ok gewesen. Ich hab einfach immer geschaut, dass für Stegersbach etwas weitergeht. In dem Zusammenhang habe ich auch das Klima im Gemeinderat auf diese Linie gebracht. Nur mit Mehrheitsbeschlüssen etwas durchdrücken ist nicht gut; man muss halt mehr reden. Jeder Gemeinderat ist ein Multiplikator für einen Teil der Bevölkerung.

„Mein Leitsatz: Aus Angst gestorben ist auch tot.“Heinz Peter Krammer

Die hat auch gesehen, dass wir nicht sture Parteipolitik betreiben, sondern Politik für die Gemeinde machen. Jetzt bei der 5. Wahl hatte ich eines meiner besten Ergebnisse. Das sagt schon was aus, wenn man 20 Jahre Bürgermeister ist. Das ist schon eine große Anerkennung seitens der Bevölkerung.“

Was wünschen Sie Stegersbach und Ihrem Nachfolger Jürgen Dolesch für die Zukunft?
Krammer: „Nur das Beste! Ich gehe in gutem Einvernehmen und bin froh, dass ich das so vorbereitet habe. Er ist sehr engagiert und brennt schon darauf, aktiv zu werden. Ich hoffe, dass es mit Stegersbach und der Entwicklung so weitergeht oder vielleicht sogar noch besser wird; aber ich mische mich nirgends mehr ein!“ *lacht*