Der Alltag auf der Coronastation

Das Krankenhaus Güssing ist eines von zwei Hotspot-Krankenhäusern. Sandra Siegl beschreibt den veränderten Alltag.

Erstellt am 23. April 2020 | 03:51
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Das Pflegeteam der Güssinger CoViD-Isolierstation.Edeltraud Klucsarits, Sabrina Ruck, Sandra Siegl, Stefanie Wukitsevits (v.l.).
Foto: BVZ

Viel hat sich in den letzten Wochen im Krankenhaus Güssing verändert. Neben dem Krankenhaus Oberpullendorf ist auch jenes in Güssing derzeit ein Schwerpunktspital für CoViD-19-Patienten.

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Das Pflegeteam der Güssinger Corona-Station in Schutzausrüstung. Stefanie Wukitsevits, Edeltraud Klucsarits, Melinda Köver, Sandra Siegl, Thomas Schuller (v.l.).
KRAGES/Siegl

Während in den letzten Tagen im Durchschnitt immer rund zwei CoViD-19-Patienten auf der Intensivstation im Krankenhaus Güssing betreut werden, gibt es eine weitere Station mit knapp 30 Betten für Verdachtsfälle und pflegebedürftige CoViD-Patienten. Insgesamt 14 Mitarbeiter arbeiten hier in einem Drei-Schichtbetrieb. Der Arbeitsalltag und auch die Abläufe für das Pflegepersonal haben sich verändert: „Was die Patienten brauchen, das richten wir schon vor dem Zimmer. Wir nehmen nur das mit rein, was wir dringend brauchen“, fasst Sandra Siegl, Leiterin der Station, zusammen. Dadurch soll möglichst wenig kontaminiertes Material entstehen.

Maske, Visier, Haube und Brille sind Pflicht

Doch wie schützt sich das Personal selbst? „Wir haben ausreichend Schutzausrüstung. Neben einem wasserabweisenden Mantel haben wir auch noch Funktionsschuhe. Niemand muss hier seine eigenen Schuhe tragen“, erklärt Siegl. Zusätzlich sind immer zwei bis drei Paar Handschuhe parat. Der Kopf wird mit einer FFP-2-Maske, einer Schutzbrille, einer Haube und sogar einem Visier geschützt. Ein nicht zu unterschätzender Aufwand für die tägliche Arbeit im Krankenhaus. Für jedes Zimmer wird sich außerdem neu eingekleidet. Auch die Patienten bekommen eine Maske, wenn sich Pflegepersonal im Zimmer aufhält. „Wir müssen die anderen Patienten und ja auch uns selbst schützen“, erklärt Siegl.

Patienten, die nicht wegen CoViD-19 in das Krankenhaus kommen, haben keinen Kontakt zu Infizierten. „Eine räumliche Trennung ist vorhanden. Der Tagesablauf ist größtenteils gleich geblieben, alles dauert nun jedoch länger“, so Siegl.

„Es wird bewusst, dass wir uns alle brauchen“

Auch das gesellschaftliche Leben im Krankenhaus hat sich mittlerweile verändert. Früher liefen sich die Mitarbeiter der unterschiedlichen Stationen öfters über den Weg, das ist jetzt fast nicht mehr möglich. „In der Funktionswäsche verlassen wir die Station nicht und wir haben auch immer die Masken auf. Ich bin für die Besorgungen zuständig und schaue, dass immer genügend Ausrüstung da ist. Außerdem organisiere ich die Transporte und gehe zur Apotheke“, fasst Siegl zusammen.

Besuch von Angehörigen sei zurzeit nicht erlaubt: „Es gibt Ausnahmefälle bei den Palliativpatienten. Wir versuchen aber, sehr viel telefonisch zu erreichen, also auch, dass die Patienten Handys bekommen und somit telefonieren können.“ Man merke, so Siegl, dass den Patienten die Einsamkeit im Zimmer zusetzt.

Dennoch versucht das Personal, sich auch sozial möglichst gut mit den Patienten zu befassen: „Wir bemühen uns, dass wir weiterhin gut betreuen, auch wenn es schwierig ist und der nahe Kontakt ausbleibt. Die Leute werden dennoch mit Physiotherapie auf daheim vorbereitet. Man muss eben innovativ sein. Es wird einem bewusst, dass wir uns auf der Station alle gegenseitig brauchen. Ich bin in diesen herausfordernden Zeiten sehr stolz auf meine Mitarbeiter. Wir meistern das ausgezeichnet“, erklärt Siegl.