Tourismus: System-Tohuwabohu im Bezirk Güssing. Die Umstellung auf den einheitlichen Südburgenlandverband sorgt nicht bei allen Hoteliers für gute Stimmung. So kämpfen einige Besitzer mit der Neu-Orientierung.

Von Silke Katschner und David Marousek. Erstellt am 08. Juli 2021 (06:03)
Hotelier Johann Haber
Hotelier Johann Haberl: „Ich glaube nicht, dass dieser Regionalverband funktioniert.“
 
BVZ

In der ersten Jahreshälfte hatten die Tourismusverbände Jennersdorf, Stegersbach, Oberwart-Güssing und Bad Tatzmannsdorf klar ein Ziel vor Augen: die anstehende Umstrukturierung und daraus resultierende Fusion zum Regionalverband Südburgenland mit Stichtag 1. Juli. Wie die BVZ berichtete, geht es darum, einheitlich als das Südburgenland aufzutreten und natürlich auch Marketingkosten zu sparen. Die Theorie in die Praxis umzusetzen, sieht in der Realität oft anders aus.

Johann Haberl vertritt einen klaren Standpunkt

„Richard Senninger ist nach Bad Tatzmannsdorf abgetaucht, das Tourismusbüro in Stegersbach ist geschlossen und die Mitarbeiter dort sind weg. Jetzt herrscht Stillstand. Meiner Meinung nach ist diese ganze Umstellung sehr unprofessionell abgelaufen“, so die erste Antwort zur Causa von Hotelier Johann Haberl, Leiter vom Hotel Larimar in Stegersbach, der er noch ausführlicher anfügt:

„Bisher haben wir in Stegersbach selbst entschieden, jetzt läuft das über den Südburgenlandverband. Ich glaube allerdings nicht, dass dieser funktionieren wird und wir Hoteliers und die Gemeinde fordern auch wieder Mitarbeiter für das Tourismusbüro.

Es wird heute ein Gespräch mit Didi Tunkel (Burgenland Tourismus Chef) geben, und wir denken hier in Stegersbach über eine neue Struktur nach. Die alten Tourismusverbände wurden aufgefordert, keine Aktivitäten mehr zu machen, sondern alles an den neuen Verband zu übergeben und wir großen Hoteliers wurden nicht mal miteingebunden.

Es macht mich nachdenklich, dass überwiegend Politiker und Parteigänger und nicht Touristiker im neuen Verband vertreten sind – Vollbluttourismusprofis werden anscheinend nicht gebraucht“, so Haberl, der einen deutlichen Standpunkt vertritt. René Sulzberger (Falkensteiner Hotel Stegersbach) bleibt zuversichtlich: „Im Moment ist vieles unkoordiniert, Informationen erhielten wir nur spärlich. Ich bleibe positiver Hoffnung und warte das Gespräch mit Didi Tunkel ab. Ich kann nicht über jemanden urteilen, den ich nicht kenne.“

„Natürlich ist es problematisch, wenn eine wichtige Mitarbeiterin in dieser Zeit einvernehmlich kündigt, aber da können auch die Hoteliere nicht mitreden.“Heinz Peter Krammer

Der Bürgermeister von Stegersbach, Heinz Peter Krammer, meinte sachlich, dass die Dinge schon seinen geordneten Verlauf nehmen werden. „Ich habe noch nicht gehört, wer der neue Geschäftsführer ist, und im Tourismusbüro müssen neue Mitarbeiter bestellt werden. Natürlich ist es problematisch, wenn eine wichtige Mitarbeiterin in dieser Zeit einvernehmlich kündigt, aber da können auch die Hoteliere nicht mitreden.“

„Die Nörgler sind von der Umstrukturierung betroffen, das ist überall so.“ Didi Tunkel

Didi Tunkel entgegnet der Kritik: „Die Nörgler sind von der Umstrukturierung betroffen, das ist überall so. Ich bin ein Vollblutunternehmer. In einem Jahr kräht keiner mehr nach dem alten Tourismussystem. Heute fahre ich mit dem neuen Geschäftsführer nach Stegersbach, um die gemeinsame Arbeit zu besprechen, das ist aber an allen Standorten so. Es ist bei uns alles andere als Krise angesagt – aber neue Besen kehren bekanntlich besser als die Alten.“ Laut Tunkel wurden alle Mitarbeiter übernommen, es sei keine einzige Kündigung zu verzeichnen gewesen.