Bangen um Güssinger-Zukunft. Prinzipiell sind Land und WiBuG zu „konstruktiven Lösungen“ bereit. Gemeinde bangt um rund 30.000 Euro Kommunalsteuer.

Von Carina Fenz. Erstellt am 30. Oktober 2019 (04:33)
Symbolbild
BVZ, Pekovics

Bei Güssinger ist die Produktion praktisch zum Erliegen gekommen. Der Lebensmitteldiskonter Hofer, mit Abstand größter Kunde des Traditionsunternehmens, hat die Geschäftsbeziehung endgültig beendet. Wegen ausstehender Gehaltszahlungen haben außerdem die ersten Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

Das Land könnte den Mineralwasserabfüller unterstützen. Landtagspräsidentin Verena Dunst (SPÖ) kann sich eine Beteiligung der Wirtschaft Burgenland (WIBUG) oder durch den Athena-Fonds vorstellen. Der Betrieb müsste aber Auflagen erfüllen. „Die WIBUG, eine 100-Prozent-Tochter des Landes, und der Athena-Fonds, der Risikokapital für Klein- und Mittelbetriebe bereitstellt, hätten schon vielen Firmen geholfen und Betriebe vor dem Zusperren bewahrt“, betonte Dunst. Eine ähnliche Variante könne auch Güssinger helfen.

„Salopp gesprochen ist der WiBuG nicht einmal zweifelsfrei bekannt, mit wem man überhaupt Verhandlungen führen könnte.“ Landesrat Alexander Petschnig

Dafür fordert die Landtagspräsidentin die Verantwortlichen beim Mineralwasserabfüller auf, die „nötigen Schritte“ zu tun. „Für eine Beteiligung des Landes ist Transparenz nötig“, sagte sie. Bisher habe das Unternehmen allerdings wenig Bereitschaft gezeigt, „den nötigen Schritt der Öffnung der Bücher zu tätigen“, meinte Dunst.

Auch die „undurchsichtigen Eigentumsverflechtungen“ seien hier ein Hindernis. Wirtschaftslandesrat Alexander Petschnig (FPÖ) steht einer möglichen Beteiligung des Landes skeptisch gegenüber. Unübersichtliche Eigentümerverhältnisse und Markenrechtsstreitigkeiten würden eine Beteiligung „äußerst schwierig“ machen, betonte er.

Unübersichtliche Eigentümerstrukturen

Die Idee von Landtagspräsidentin Dunst (SPÖ), das Unternehmen auf diese Weise zu unterstützen, sei „alles andere als neu“, sagte Petschnig.

Bereits vor zwei Jahren habe WiBuG mit Güssinger Gespräche über eine Beteiligung oder einen Kauf aufgenommen. Diese seien jedoch aufgrund der ablehnenden Haltung des Eigentümers im Sand verlaufen.

Derzeit seien die unübersichtlichen Eigentümerstrukturen und darauf fußende Markenrechtsstreitigkeiten gravierende Probleme. „Salopp gesprochen ist der WiBuG nicht einmal zweifelsfrei bekannt, mit wem man überhaupt Verhandlungen führen könnte“, betonte Petschnig. Die in den beiden Risikokapitalfonds zur Verfügung stehenden Mittel seien „öffentliche Mittel aller Burgenländer“ und somit „seriös und nicht für Hauruck-Aktionen einzusetzen“, sagte er. Prinzipiell seien Land und WiBuG zu „konstruktiven Lösungen“ bereit, die Hauptverantwortung liege aber beim Eigentümer.

Dieser müsse die „nötigen Schritte zu einer wirtschaftlichen Gesundung“ des Betriebes setzen, so Petschnig. ÖAAB-Landesgeschäftsführer Johannes Mezgolits fordert die Landesregierung zu einer klaren Linie in Bezug auf den Mineralwasserabfüller Güssinger auf. „Hier sendet die Landesregierung momentan sehr unterschiedliche Signale aus. Nun kann die Regierung Farbe bekennen und Güssinger retten, indem man Eigentümer wird“, so Mezgolits.

Von ÖAAB-Landesobmann Christian Sagartz hieß es, man wolle nicht, dass die Mitarbeiter zum politischen Spielball werden. Ob sich das Land beteilige, sei Aufgabe der Landesregierung, so Sagartz.

Indes zeigt sich die Gemeinde Sulz mangels des Informationsflusses besorgt und bangt auch um finanzielle Einnahmen, die man im Falle einer Schließung des Unternehmens verlieren würde. „Es geht hier um rund 30.000 Euro an Kommunalsteuer, die wir von Güssinger jährlich bekommen. Wenn das Geld wegfallen würde, dann wäre das für uns natürlich schlimm“, so Bürgermeister Willi Pammer.