„Fall Neubauer“: OP fehlerhaft verzögert?. Prozess um den plötzlichen Tod des Neuberger Bürgermeisters Daniel Neubauer im März dieses Jahres wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 30. November 2016 (04:15)
BVZ-Archiv
Angeklagt. Ein Chirurg des Krankenhauses Güssing muss sich vor Gericht für den Tod des Neuberger Bürgermeisters Daniel Neubauer verantworten. Foto: Archiv

Wegen grob fahrlässiger Tötung muss sich jener Chirurg vor Gericht verantworten, der am 16. März 2016 am Neuberger Bürgermeister Daniel Neubauer im Krankenhaus Güssing eine Blinddarm-Operation und in der Nacht auf 17. März aufgrund von Komplikationen einen zweiten Eingriff durchgeführt hatte.

Dabei verschlechterte sich der Zustand des Patienten rapide, er musste reanimiert werden. Nach der Behandlung wurde Neubauer nach Graz überstellt, wo der 49-Jährige kurze Zeit später verstarb. Staatsanwältin Petra Schweifer warf dem behandelnden Chirurg bei der Hauptverhandlung am 22. November vor, er habe den zweiten Eingriff „fehlerhaft verzögert und die falsche Operationsmethode angewandt“.

Für die Familie des verstorbenen Bürgermeisters forderte die Privatbeteiligtenvertreterin die „Aufklärung der Umstände, die zum Tod eines fitten, kerngesunden, mitten im Leben stehenden Mannes“ geführt haben. „Wir wollen auch, dass der Verantwortliche gerecht bestraft wird“, so die Anwältin.

Chirurg bekennt sich nicht schuldig

Der angeklagte Chirurg bekannte sich nicht schuldig. Sein Anwalt Dieter Gschiel führte aus, dass sein Mandant erst um 2.30 Uhr zugezogen worden sei, obwohl bereits um 1.40 Uhr bei dem Patienten ein deutlicher Blutdruckabfall festgestellt worden war. Um 3.40 Uhr sei mit der Operation begonnen worden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der Bauchraum voller Blut war.

Um 4.06 wurde der zuständige Primar aus dem Bett geholt. Er eilte ins Spital, wo er den Patienten kreislaufstabil antraf. Er selbst, so der Primar, habe die Blutungsquelle in der Bauchhöhle gefunden. Offenbar sei bei der Blinddarmoperation, die minimal-invasiv mittels Laparoskopie (mit Hilfe eines optischen Instrumentes) durchgeführt worden war, eine Arterie verletzt worden.

Das Versagen liege, so der Primar vor Gericht, nicht in der Wahl der Operationsmethode, sondern im Zeitversäumnis. Hätte man eine Stunde früher operiert, wäre der Patient „zu 90 Prozent zu retten gewesen“, so der Primar. Seiner Meinung nach sei der Ernst der Lage nicht erkannt worden. „Es gibt nur eine akute Situation in der Chirurgie, wo man sofort handeln muss: eine Blutung!“, sagte der Abteilungsvorstand.

Herzstillstand während des Eingriffs erlitten

Als er den Patienten nachts sah, sei es diesem „nicht so schlecht“ gegangen, „im Sinn, dass er kurz vor dem Sterben war“, berichtete der angeklagte Chirurg. Es sei ihm klar gewesen, dass er Daniel Neubauer ein zweites Mal werde operieren müssen. Er habe aber noch einen Internisten zugezogen, der eine Ultraschalluntersuchung durchführte.

Dann wurde der Patient in den Operationssaal gebracht, wo zunächst eine Laparoskopie durchgeführt wurde, jedoch erfolglos, weshalb der Bauch geöffnet werden musste. Während dieses Eingriffs erlitt der 49-Jährige einen Herzstillstand und musste wiederbelebt werden. Die Staatsanwaltschaft hatte nach dem Tod des Neuberger Bürgermeisters auch gegen andere beteiligte Mediziner ermittelt, aber nur gegen den behandelnden Chirurgen Anklage erhoben.

Der für den Patienten zuständige Anästhesist hätte, so der befragte Primar, darauf hinweisen müssen, dass die Laparoskopie als OP-Methode zu riskant sei. Der Anästhesist erklärte dazu: „Es ist nicht meine Aufgabe, die Entscheidung des Chirurgen zu überprüfen.“

Der beigezogene Sachverständige änderte während der Verhandlung sein Gutachten ab und zog die Kritik an der Operationsmethode zurück. Im Raum steht jedoch weiterhin der Vorwurf, die zweite Operation sei zu spät erfolgt und der Zustand des Patienten sei falsch eingeschätzt worden.

Zur weiteren Klärung dieser Frage muss nun ein weiteres Gutachten eingeholt werden. Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.