Güssing bleibt Rot: ÖVP ohne Chance

Erstellt am 06. Oktober 2022 | 04:23
Lesezeit: 4 Min
Vinzenz Knor bleibt Stadtchef in Güssing. ÖVP-Herausforderer Alois Mondschein schwer geschlagen. Kommt es zum Rücktritt?
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Eine klare Mehrheit bei der Bürgermeisterwahl und ein Plus im Gemeinderat. Das waren die Wahlziele, die sich Güssings Ortschef Vinzenz Knor gesteckt hat und beides ging in Erfüllung. „Wir haben positive Arbeit für Güssing geleistet und haben das den Menschen auch so vermittelt. Gute Arbeit wird belohnt, große Sprüche offenbar nicht“, so Knor mit einem zarten Seitenhieb Richtung ÖVP.

„Wenn man so lange in der Politik ist und wenn man so ein eiskaltes Klima im Gemeinderat noch nie erlebt hat, ist man anfangs geschockt und man braucht schon eine gewisse Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, kann man damit auch umgehen“, sagt Knor, der lieber auf bereits begonnene Projekte verweist, die jetzt zügig umzusetzen sind.

Den Bau der neuen Volksschule, der Sonderschule und der Musikschule. Den Zu- und Umbau des Feuerwehrhauses in der Stadtgemeinde Güssing und im Ortsteil Steingraben. Dazu noch die Unterstützung der Vereine und Arbeiten an der Infrastruktur, in der dritten und möglicherweise letzten Amtsperiode von Knor, der dazu aber noch keine Prognose abgeben will. „Ich bin gesund und fit und ich hoffe das auch zu bleiben. Dann werden wir weiter sehen“, so Knor.

Bei der Wahl-Party im SPÖ Haus in Güssing gab sich der Bürgermeister gewohnt ruhig und zurückhaltend. Kein lauter Jubel, keine großen Sprüche. „Ich freue mich über das Ergebnis, bedanke mich bei den Wählerinnen und Wählern. Wir werden heute natürlich auch feiern, aber gleich morgen geht es wieder zur Tagesordnung über. Und da gibt es hier in Güssing doch einiges zu tun.

ÖVP-Chef Alois Mondschein schwer enttäuscht

Ob ÖVP-Chef Alois Mondschein Vizebürgermeister bleibt, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen. „Dieses Ergebnis ist eine herbe Enttäuschung, das haben wir so nicht erwartet“, sagte Mondschein in einem ersten Statement. „Wir wollten dazu gewinnen, aber anscheinend ist man mit der Arbeit der SPÖ zufrieden und das muss man dann so auch zur Kenntnis nehmen“, so Mondschein, der die absolute Mehrheit der SPÖ brechen wollte. „Natürlich haben wir geglaubt, das auch zu schaffen. Ich hatte ein gutes Gefühl, hatte im Vorfeld der Wahl viele gute Gespräche. Aber das Ergebnis zeigt etwas anderes. So ist es und das ist schon sehr enttäuschend“, sagt Mondschein, der vor der Wahl 2017 als Quereinsteiger ins Titelrennen ging und nun auch mit fünf Jahren Vorlaufzeit abgestraft wurde.

Klarer Knor-Sieg bei Bürgermeisterwahl

Die Wahl zum Bürgermeister ging mit 58,12 Prozent (Vinzenz Knor), 36,03 Prozent (Alois Mondschein) und 5,85 Prozent (Michael Gmeindl, FPÖ) ebenfalls klar an die SPÖ. „Wenn man so lange Bürgermeister ist, ist man im Vorfeld immer etwas vorsichtig. Es gibt dutzende Dinge, die sich in einem Wahlergebnis niederschlagen können. Ich bin aber sehr glücklich, dass das so nicht passiert ist“, sagt Bürgermeister Vinzenz Knor. „Wenn man so klar hinter den Erwartungen bleibt, ist das ein Grund nachzudenken. Ich bin enttäuscht, etwas anderes kann ich nicht sagen“, so Mondschein, der mit seinem Team nun einiges zu grübeln hat.

SPÖ Alleingang - Grund für Eiseskälte

Die schlechte Stimmung im Gemeinderat versucht Mondschein, erst gar nicht schön zu reden. „Es ist eigentlich immer nur darum gegangen, dass wir von der SPÖ in keine Entscheidung mit einbezogen wurden. Man hat uns immer vor vollendete Tatsachen gestellt. Hätte man das nicht gemacht, wäre die Stimmung eine andere gewesen“, so Mondschein. Was aber nichts damit zu tun hat, dass die Stimmung in der ÖVP Güssing nach so einer Niederlage im Keller ist.

„Wir werden das Wahlergebnis in der Fraktion besprechen. Das Ergebnis ist enttäuschend, das kann ich nur betonen. Wie es mit meiner Person weiter geht, das wird man dann sehen“, so Mondschein. FPÖ-Chef Michael Gmeindl freut sich über leichte Zugewinne und will sein Wahlprogramm durchziehen. „Wir brauchen Arbeitsplätze und müssen sehen, dass sich auch wieder Firmen ansiedeln. Da hat Güssing doch einige verloren“, so Gmeindl. Die FPÖ hält weiter ein Mandat im Gemeinderat.

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