Jäger gab in Bezirk Güssing Wild frei

Wegen Amtsmissbrauchs stand ein Jäger vor Gericht: Er hatte Wild nicht untersucht.

Erstellt am 03. September 2021 | 05:22
Symbolbild Wildschwein Wild
Wildschwein & Co sollenbald als gemeinsameMarke aus unserenWäldern auf unsere Tellerwandern.
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Als sogenannte kundige Person gilt der 55-jährige Jäger aus der Steiermark juristisch als Beamter. Als solcher hätte er die Aufgabe gehabt, von der Jagdgesellschaft im Bezirk Güssing erlegtes Wild einer Erstuntersuchung zu unterziehen und zu bescheinigen, dass das Fleisch für den menschlichen Verzehr geeignet ist.

„Wenn Sie der Landeshauptmann mit einer so wichtigen Funktion betraut, muss man das schon ernst nehmen!“, ermahnte Richterin Birgit Falb den Angeklagten.

„Mein Wohnort ist 85 Kilometer entfernt, ich hätte eineinhalb Stunden hin und eineinhalb Stunden zurückfahren müssen“, gab der Jäger bei der Gerichtsverhandlung in der Vorwoche am Landesgericht Eisenstadt zerknirscht bekannt. „In einigen Fällen habe ich es leider unterlassen, die Erstbeschau durchzuführen, weil ich nicht vor Ort war.“

43 Mal gelangte Wild unkontrolliert in Handel

Zumindest in 43 Fällen von Mai 2017 bis September 2018 war er nicht in seiner Funktion als kundige Person aktiv geworden und hatte es zugelassen, dass 29 Stück Rehwild und 14 Stück Schwarzwild unkontrolliert in Verkehr gesetzt wurden.

Aufgefallen war dieses Fehlverhalten, als bei einem Händler verdorbenes Wildbret entdeckt wurde. Der Händler hatte das Wild mitgenommen, ohne dass die Erstbeschau korrekt stattgefunden hatte.

Der nunmehr angeklagte Jäger hatte zudem auch die Abschusslisten manipuliert und Wild als „Eigenverbrauch“ bezeichnet, obwohl es in den Wildbrethandel gelangte. „Das war ein Folgefehler“, sagte der Angeklagte.

Zwischenzeitlich haben sich auch weitere Jagdpächter aus der südburgenländischen Jagdgesellschaft zu kundigen Personen ausbilden lassen, sodass die Aufgabe der Erstbeschau auf mehrere Schultern verteilt ist.

Der angeklagte Jäger wurde zu einer Geldstrafe in der Höhe von 7.200 Euro verurteilt.

Seine Jagdberechtigung darf der Jäger vorerst behalten: Eine Entziehung wurde auf drei Jahre bedingt angedroht.

Das Urteil ist rechtskräftig.