Stinatz: Ein Dorf, viele Legenden

Bekannt ist das „magische“ Stinatz heute für seine vielfältige, kulturelle Tradition und seine hohe Promi-Dichte.

Erstellt am 10. Dezember 2021 | 05:59
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Wenn nicht durch Sänger Willi Resetarits, den der eine oder andere unter Ostbahn-Kurti kennen wird oder Bürgeranwalt Peter Resetarits, dann spätestens seit STS, wo Schiffkowitz 1984 in ‚Fürstenfeld’ so herrlich „I spiel höchstens no in Graz, Sinabelkirchen und Stinatz“ singt, wurde die Gemeinde österreichweit bekannt. Der Dritte im Resetarits-Familienbunde ist übrigens Kabarettist Lukas Resetarits, der als Erich Kirisits 1947 in Stinatz geboren wurde. Was die Gemeinde über die Landesgrenzen hinaus bekannt machte, ist neben Anna Stipsits’ bunten, gekratzten Ostereiern die sogar seit 2020 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe erhobene Stinatzer Hochzeit.

Die unverzichtbare Tracht brachten Stinatzer Mädchen seinerzeit von ungarischen Kroaten mit. Nicht nur diese Tradition hat sich bis heute gehalten; in der zweisprachigen, burgenland-kroatisch besiedelten Gemeinde bekennen sich nach wie vor über 60 Prozent zum Kroatentum. Neben Tracht und Hochzeit spielen die Volkstanzgruppe mit dem Tamburizza-Spiel eine große Rolle.

Auch eine politische Größe hat Stinatz hervorgebracht: Terezija Stoisits, die vor ihrem Ausscheiden aus dem Nationalrat Ende Juni 2007 aufgrund der Wahl zur Volksanwältin, die längstdienende Abgeordnete der Grünen im österreichischen Parlament war. Eine Gemeinde kann nicht allein vom kulturellen Aufbau (über)leben; der Ausbau der Infrastruktur und die kommunale Entwicklung war genauso ausschlaggebend für den Ort, wie er heute besteht. Dort, wo heute der Dorfplatz ist, war früher ein Teich. Brunnen für die Wasserversorgung waren früher spärlich gesät, das Wasser für das Vieh holte man aus den zwei Ortslacken im Dorf.

Elektrifizierung auf Pfarrerinitiative

1924 kam der junge Kaplan Lukas Drimel nach Stinatz. Ein Jahr nach seinem silbernen Priesterjubiläum marschierten am 14. April 1945 die Russen ein. Die Bevölkerung suchte schon einige Tage zuvor Schutz in Kellern.

Pfarrer Drimel ließ es sich nicht nehmen und las weiter Messen. Am 16. April geschah es dann, dass er und ein paar Gläubige bei der Messe von einem Geschoss der Deutschen Wehrmacht überrascht wurden. Dieses zerstörte Teile der Kirche, doch die Menschen darin blieben unversehrt und konnten sich retten. Am 17. April wurden die Stinatzer durch die Russen befreit, Pfarrer Drimel verließ den Ort ein paar Tage später. 1948 begann die Restaurierung der Kirche und 1949 fand das elektrische Licht auf Drimels Initiative Einzug in die Häuser.

Da Stinatz einst auch Frontgebiet war, musste die Bevölkerung zusätzlich die Kampfhandlungen und Repressalien der kämpfenden Truppen ertragen. 80 Männer des Dorfes rückten damals ein und kehrten nicht mehr zurück. Das an sie erinnernde Kriegerdenkmal wurde 1976 vom Stinatzer Bildhauer Thomas Resetarits neu gestaltet.