Unwetter sorgt für Feuerwehreinsätze im Südburgenland. Orkanartige Windböen, Starkregen und überflutete Keller — die Feuerwehren im Südburgeland standen im Dauereinsatz.

Von Carina Fenz. Update am 05. August 2020 (10:12)

Heftige Unwetter über dem Südburgenland haben am späten Dienstagnachmittag zahlreiche Feuerwehreinsätze nach sich gezogen. Besonders stark betroffen waren die Gemeinden Kukmirn, Neusiedl bei Güssing, St. Michael, Deutsch Kaltenbrunn und Rudersdorf. Es kam teilweise zu Stromausfällen durch umgestürzte Bäume, überflutete Keller bis hin zu blockierten Straßen zeichneten ein Bild, der Verwüstung, das sich den Einsatzkräften bot. Die ersten Einsatzkräfte in den Bezirken Güssing und Jennersdorf wurden gegen 17 Uhr alarmiert, gegen 18 Uhr wurden auch vereinzelt Einsätze aus dem Bezirk Oberwart gemeldet. Zu größeren Schäden kam es hier aber nicht.

Verletzer Floriani im Bezirk Güssing 

„Orkanartige Windböen, Starkregen und übersättigte Böden - das Unwetter zog seine Spuren durch den Bezirk Güssing. Es gab auch einen verletzten Feuerwehrkameraden zu beklagen“, schildert Andreas Popofsits, Bezirksreferent für Öffentlichkeitsarbeit Bezirksfeuerwehrkommando Güssing den Ernst der Lage. Das Unwetter, so Popofsits, dürfte seinen Ursprung in der Steiermarkt genommen haben und hat uns dann voll erwischt. Besonders betroffen waren die Ortschaften Kukmirn und Neusiedl bei Güssing. Überflutete Keller, Bäume, die auf Häuser oder über die Straßen gestürzt waren. „In Rohr ist sogar ein Stadl durch die orkanartigen Windböen eingestürzt. In St. Michael wurden innerhalb von nicht einmal 15 Minten 54 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gemessen“, so Popofsits.

22 Feuerwehren mit 43 Fahrzeugen im Einsatz

Im Bezirk Güssing standen am Dienstag in der Zeit von 17 bis 22 Uhr insgesamt 22 Feuerwehren mit 43 Fahrzeugen im Einsatz. Es galt, auch auf dem Weg zu Einsatzadressen, Straßen frei zu machen, Keller auszupumpen und Hab und Gut von Betroffenen zu retten.

In Eisenhüttl standen große Flächen hinter der Kirche beziehungsweise dem Feuerwehrhaus unter Wasser. In Kukmirn war die Zellenbergstraße großteils von umgestürzten Bäumen gesäumt, Geäst lag auf der Straße.

Vereinzelt waren die Zufahrten zu den Häusern aufgrund umgestürzter Bäume nicht passierbar. „Neusiedl bei Güssing stand im Ortskern großteils unter Wasser. Eine Lagerhalle wurde abgedeckt und auf ein Haus, dessen Bewohner in Urlaub befindlich sind, stürzte ein Baum und kappte die Stromleitung. Die Energie Burgenland musste hier die notwendigen Arbeiten durchführen, um das Stromnetz wieder in Betrieb zu setzen“, erklärt Popofsits.

Bezirksführungsstab wurde aktiviert 

Zusätzlich zu den örtlichen Einsatzleitungen wurde der Bezirksführungsstab des Bezirkes Güssing hochgefahren, um eben diesen Einsatzleitungen notwendige koordinierende Arbeiten abzunehmen: „Pumpen und Motorsägen mussten organisiert und zugeteilt werden, Stromerzeuger für den Betrieb von Tauchpumpen zugeteilt werden, Mannschaft und Gerät von einer zur nächsten Einsatzadresse delegiert und auch gelotst werden. Weiters musste die Energie Burgenland zur Schadensbehebung organisiert werden“, erzählt Popofsits.

Neusiedl bei Güssing besonders betroffen

Besonders getroffen hat es unter anderem die Feuerwehr Neusiedl/Güssing. Das Feuerwehrhaus wurde selbst zur Einsatzadresse. Wasser trat über die Garagentore ein, floss durch das gesamte Gebäude und trat auf der Hinterseite wieder aus. Total verschlammt wurde hier dennoch, ohne Strom, denn auch der war ausgefallen, die lokale Einsatzleitung eingerichtet. „Mit Handfunkgeräten und einer Übersichtskarte wurden die eingehenden Einsatzadressen lokalisiert und abgearbeitet“, erklärte Popofsits.

Sandsäcke wurden gefüllt 

Gegen 21 Uhr war ein Großteil der Schadenslagen abgearbeitet, Wehren rückten in die Feuerwehrhäuser ein und wurden in Bereitschaft gehalten.

Es wurden Sandsäcke im Bereich Rehgraben/Kukmirn auf Paletten platziert, um eventuell entsprechend eingesetzt werden zu können. Die anfangs noch steigenden Pegelstände der Fließgewässer im Einsatzbereich verzeichneten gegen 22 Uhr rückläufige Entwicklungen, sodass auch die Einsatzbereitschft der Wehren aufgehoben werden konnte.

Ein Verletzter auch im Bezirk Jennersdorf

Auch im Bezirk Jennersdorf gab es einen verletzten Feuerwehrmann. „Er hat sich bei Arbeiten mit der Motorkettensäge an den Beinen verletzt und musste vom Roten Kreuz versorgt werden“, heißt es von Martin Ernst, Referent für Öffentlichkeitsarbeit vom Bezirksfeuerwehrkommando Jennersdorf.

Im Bezirk Jennersdorf besonders betroffen waren die Ortschaften Deutsch Kaltenbrunn und Rudersdorf, wo in weniger als 40 Minuten an die 70 Liter pro Quadratmeter an Niederschlag zu vermelden gab. Vor diesem Regenereignis fegte ein kurzer, aber umso heftigerer Sturm über beide Ortschaften. Häuser wurden abgedeckt und Bäume wie Streichhölzer geknickt.

Über 40 Minuten Stromausfall 

Aufgrund der starken Niederschläge konnte die Kanalisation diese Massen an Wasser nicht aufnehmen, etliche Keller und Straßen wurden überflutet. In Deutsch Kaltenbrunn gab es mehr als 50 Einsatzadressen, die mit Unterstützung der Feuerwehren aus Mogersdorf und Wallendorf abgearbeitet werden konnten. Teile von Dt. Kaltenbrunn und Umgebung waren für mehr als 40 Minuten ohne Strom. Grund dafür waren umgestürzte Bäume, die die Freileitungen beschädigten.

Umgeknickte Bäume, welche die Straßen blockierten sowie Keller, die teilweise bis zu 1,5 meter hoch überflutet wurden, mussten von den Einsatzkräften in beiden Ortschaften unter widrigsten Umständen bewältigt werden. Zahlreiche Straßen und Wege waren unpassierbar.

In Deutsch Kaltenbrunn waren die Feuerwehren aus Deutsch Kaltenbrunn, Deutsch Kaltenbrunn Berg, Rohrbrunn, Mogersdorf und Wallendorf mit rund 60 Kameraden von 17 bis 22.30 im Einsatz.

In Rudersdorf waren die Wehren von Rudersdorf-Ort, Rudersdorf-Berg und Dobersdorf bei gesamt 17 Einsatzadressen mit mehr als 40 Mann von 17 bis 23.45 im Einsatz.