Güssinger NMS sorgt für Wirbel im Gemeinderat. Die Fronten zwischen SPÖ und ÖVP verhärten sich, diesmal waren die Sanierungsarbeiten in der Mittelschule der Auslöser.

Von Dorothea Müllner-Frühwirth. Erstellt am 02. Juli 2020 (05:54)
Statt 170.000 Euro sollen jetzt 750.000 Euro in die Sanierung der Neuen Mittelschule Güssing investiert werden.
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Das Vertrauen der ÖVP-Fraktion im Gemeinderat gegenüber Bürgermeister Vinzenz Knor scheint endgültig zerstört zu sein. „Vinzenz, befreie die Stadt Güssing von deiner inkompetenten Führung und tritt zurück“, lautete beim fünften Tagesordnungspunkt die Forderung von Stadträtin Sabine Döberl (ÖVP), die von Vizebürgermeister Alois Mondschein beim Punkt „Allfälliges“ bekräftigt wurde. Grund dafür war eine Kostensteigerung bei den Sanierungsarbeiten im Bereich Haustechnik für die Neue Mittelschule. Der Gemeinderat hat bereits in der Sitzung am 30. Jänner den Voranschlag von 170.000 Euro einstimmig durchgewunken. Nun haben sich aber mehr marode Stellen in dem 70er-Jahre-Bau aufgetan. Die neue Schätzung für die notwendigen Arbeiten liegt bei 750.000 Euro.

Mondschein erwartet noch höhere Summen

Vizebürgermeister Alois Mondschein formuliert dazu konkrete Vorwürfe: „Es ist das Ergebnis der jahrelangen Untätigkeit des Bürgermeisters. Er hat die positiven Jahresabschlüsse in seiner Amtszeit auf Kosten der Schule erzielt. Dringend notwendige Investitionen sind nicht durchgeführt worden. Jetzt sind die Elektroinstallationen völlig desolat und die Kosten entsprechend hoch. Der neue Kostenvoranschlag ist plötzlich um 441 Prozent höher als im Jänner.

Alois Mondschein (ÖVP) sieht die finanzielle Tragweite der Sanierungsarbeiten in der NMS weitaus höher
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Wer nicht einmal Aufträge richtig erteilen kann, erntet dann diese Ergebnisse. Wer weiß, welche Aufträge die Firma beim Umbau des Rathauses erhalten hat? Es ist nämlich die gleiche Firma, die den ursprünglichen Kostenvoranschlag in der Höhe von 170.000 Euro erstellt hat. Vinzenz Knor scheint mit der Umsetzung solcher Großprojekte überfordert zu sein.“ Mondschein sieht außerdem die finanzielle Tragweite der notwendigen Sanierungsarbeiten in der NMS weitaus höher: „Die Investitionen, die hier getätigt werden müssten, liegen dank jahrelanger Versäumnisse bei mindestens 2 bis 2,5 Millionen Euro.“

Elektroanlage wird komplett saniert

Bürgermeister Vinzenz Knor erklärt die neue Kostenschätzung: „Ich verstehe die Aufregung nicht. Wir hatten ein Gespräch mit den Sprengelbürgermeistern, welche Arbeiten in der Mittelschule notwendig sind. Dann ist die beauftragte Firma mit unserem Techniker durch die Schule gegangen und hat aufgrund der ursprünglichen Aufgabe, die Lampen zu tauschen, dieses erste Angebot erstellt. Daraufhin wurden die Planungsarbeiten ausgeschrieben, drei Planer sind eingeladen worden und der Bestbieter erhielt den Auftrag. Dieser wollte wissen, in welchem Zustand die Leitungen sind und so wurde von uns eine Expertise in Auftrag gegeben. Aufgrund dieser Expertise, die den schlechten Zustand der Leitungen aufgezeigt hat, haben sich die Planungs- und Kostenschätzungen erhöht. Wir haben auch ein zweites Angebot eingeholt, das ist um 20.000 Euro höher gewesen.“

Bürgermeister Vinzenz Knor (SPÖ): „Wir haben auch ein zweites Angebot, das ist um 20.000 Euro höher.“
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Nun folgen die Ausschreibungen, die Arbeiten werden nicht auf einmal gemacht, sondern über mehrere Jahre in den Sommerferien ausgeführt. „Die Kostenaufteilung ist so konzipiert, dass 60 Prozent die Stadtgemeinde übernimmt und 40 Prozent die Sprengelgemeinden Neustift, Kleinmürbisch, Tschanigraben, Inzenhof, Großmürbisch, Heiligenbrunn, Moschendorf, Strem und Tobaj. Das Gebäude muss auf den neuesten Stand gebracht werden“, so Knor. Die Arbeiten sollen nächstes Jahr in den Sommerferien gestartet werden.