"Song für alle ohne Stimme" im Güssinger Kulturzentrum. Die BVZ unterhielt sich mit Söhne Mannheims-Sänger Michael Klimas über das erste Konzert seit zehn Monaten, Kunst als Gruppe und über gesellschaftliche Probleme.

Von David Marousek. Erstellt am 09. Juli 2021 (12:19)
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Michael Klimas wohnt in Wien und ist seit Jahren ein festes Mitglied der Band.
Sebastian Weindell, Sebastian Weindell

Am Samstag sind die Söhne Mannheims um 19.30 Uhr im Kulturzentrum Güssing zu Gast. Für Sänger Michael Klimas, der übrigens Verwandte in Kittsee hat, das erste Konzert seit über zehn Monaten. „Das wird bestimmt sehr intensiv. Wir sind als Musiker sehr ausgehungert, was das Live-Geschäft betrifft. Das wird auf eine gewisse Art und Weise ein Neuanfang“, erklärt der Wahl-Wiener. Zuletzt habe er viel Zeit im Studio verbracht und privat seine Kochkünste verbessert: „Das Kochen habe ich für mich entdeckt.“ Für Musiker sei die Pandemie eine große Herausforderung gewesen.

Neben großen Konzerten wie „Rock am Ring“ und dem Wiener Donauinselfest, sind dem Sänger der Band vor allem zwei Konzerte in Tel Aviv, Israel, im Kopf hängen geblieben. „Wir haben uns damals alle in das Land und die Kultur schockverliebt. Einige von uns haben sich sogar überlegt, dort zu leben“, erinnert sich Klimas.

Das eher kleine Konzert im Güssinger Kulturzentrum weiß er aber zu schätzen: „Ich hatte vor kurzem einen kleinen Auftritt in Wien mit einem Kollegen, da merkte man, dass die Menschen ausgehungert sind was Kultur- und Veranstaltungsszene angeht. Man weiß jetzt Sachen zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat. Ich glaube an diesem Punkt sind wir jetzt.“

Burg oder Kulturzentrum ging an Band vorbei

Das in den letzten Wochen das Kulturzentrum noch zu einem politischen Schaukampf mutierte, bekam die Band übrigens nicht mit. Die Region will die Band am kommenden Freitag noch auf eigene Faust erkunden: „Wir kommen einen Tag vorher zum Proben und werden dann die freie Zeit nutzen, um die Gegend zu erkunden“, erklärte Klimas. Vielleicht sogar um einen Uhudler zu kosten. Eine Rückkehr nach Güssing, angesprochen auf den geplanten Umbau des Kulturzentrums, sei möglich: „Eigentlich müssen wir dann ja wieder kommen.“

„Gesellschaft die nicht redet hat ein Problem“

Der neue Song „Eine Million Lieder“, der seit Ende Mai auf dem Markt ist, hat nicht nur indirekt mit der Corona-Pandemie zu tun: „Auch wenn es etwas nach Klischee klingt, aber der Song ist für alle Menschen, die in der ganzen Zeit keine Stimme hatten und überhört wurden - und da gab es einige.“ Es würde laut Klimas „schockieren“, was die Krise aus manchen Künstlern gemacht habe.

„Wir sollten in unserer Gesellschaft den Fokus darauf setzen, was nicht so gut läuft. Eine Gesellschaft die nicht redet, hat ein Problem. Das sind meine Lehren aus den mehr als 14 Monaten“, fasste Klimas seine Sicht zusammen.

 

Karten an der Abendkasse sind noch erhältlich!