Grüß Gott, Herr Pfarrer Carich!

Erstellt am 28. Januar 2022 | 05:25
Lesezeit: 4 Min
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Als Nordburgenländer ist Thorsten Carich unter anderem auch begeistert von der Landschaft im Südburgenland und schwärmt von den Stegersbacher Hügeln. Sport ist sein Ausgleich für seine 7-Tage-Woche.
Foto: Silke
Nach 36 Dienstjahren des Altpfarrers Karl Hirtenfelder ist Thorsten Carich seit Anfang September 2021 der neue Pfarrer in Stegersbach. Über sein kleines Resträtsel und die Bibel als einzigen „Katastrophenbericht“.
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Wenn man ihn so sieht, ist ‚Pfarrer‘ wahrscheinlich nicht der erste Beruf, der Thorsten Carich zugeschrieben würde. Und trotzdem sitzen wir uns im Pfarrhof bei schwarzem Kaffee gegenüber, nachdem er mich bei einer Taufe im Herbst mit seiner Predigt zugegebenermaßen fesselte.

Der 41-Jährige ist gebürtiger Trausdorfer und „in der Pfarre Trausdorf aufgewachsen“, wie er selbst sagt. Das Dorf war früher noch sehr burgenlandkroatisch geprägt, der damalige Heimatpfarrer, der auch Religionslehrer in der Volksschule war, wurde von ihm sehr geschätzt.

Mit 23 Jahren Hinwendung zum Thema Religion und Spiritualität

„Ich bin sehr gern in die Kirche gegangen, habe klassisch von der Erstkommunion bis über die Firmung hinaus ministriert. Allerdings ging der Kontakt mit der Kirche nach der Firmung verloren. Nach der Matura in Eisenstadt und dem Bundesheer habe ich an der Wirtschaftsuniversität in Wien studiert. Es ist vielleicht bis heute ein kleines Resträtsel für mich, aber mit 23 Jahren ist etwas geschehen, und plötzlich war da in meinem Leben eine sehr starke Hinwendung zum Thema Religion und Spiritualität“, erzählt Pfarrer Carich.

Von heute auf morgen ein Theologiestudium aufzunehmen, hat in seinem Umfeld sehr viele überrascht bis irritiert. „Ich war sehr begeistert vom Studium und habe auch wirklich viele Antworten auf meine theologisch-philosophischen Fragen, die mich besonders beschäftigten, gefunden.“

Nach einer Zeit im Kloster kam er wieder in die Diözese zurück und nach Sieggraben und Wiesen schließlich in Stegersbach an. Sich inmitten einer Pandemie als neuer Pfarrer gut in der Gemeinde einzuleben, gestaltet sich schon schwierig.

Seelsorge lebt von persönlichem Kontakt

Thorsten Carich sieht das auch mit gemischten Gefühlen: „Man sieht die Leute ausschließlich mit Maske, die Mimik geht verloren; als Priester lebt man schon von der Mimik der Leute. Und durch fehlende Veranstaltungen fällt die Möglichkeit für Gespräche weg. Das ist schwierig, denn auch die Seelsorge lebt von persönlichem Kontakt.“

Die Zahl der Gottesdienstbesucher sei mit Ausbruch der Pandemie um ein Drittel zurückgegangen, dazu der Strukturwechsel im familiären Bereich – waren es früher drei Generationen unter einem Dach, wo Großeltern die Glaubensweitergabe sehr stark betrieben haben, sind es heute Jungfamilien, für die der Glaube und Religion nicht mehr so präsent sei.

„Durch die Pandemie sehe ich es als Gefahr, dass alles vereinfacht und verkürzt wird; bei der Fronleichnamsprozession war es zum Beispiel so. Problematisch ist nur, wenn etwas zwei, drei Jahre nicht stattgefunden hat, dass es dann verloren geht.“

Die Pandemie als Katalysator oder Chance

„Auf der einen Seite sagt man, die Pandemie ist ein Katalysator für Dinge, die ohnedies schon stattgefunden haben. Es ist Realität, dass viele Zahlen wie Gottesdienstbesucher, Ministranten und Pfarrer zurückgehen. Andererseits kann man die Pandemiezeit auch so betrachten, dass essenzielle Fragen stärker aufs Tapet kommen – woher komme ich, wer bin ich und wohin gehe ich?“

Gerade für die junge Generation, die in permanent wachsendem Wohlstand aufgewachsen ist, sei es die erste existenzielle Herausforderung; für Ältere ist es nach dem Krieg und der Nachkriegszeit die zweite große Krise. Das hinterlässt psychische Spuren.

„Mein roter Faden in der Coronapandemie ist der Versuch, darauf hinzuweisen, dass der Glaube eine Kraftquelle ist, die uns immer zur Verfügung steht. Ich sage immer, gerade die Heilige Schrift ist ein einziger Katastrophenbericht; sie erzählt von den Katastrophen, die das Volk Israels durchgemacht hat und die Erkenntnis, dass man in Gott immer einen Begleiter hat. Ich denke, dass man in Zeiten wie diese den psychologischen Trost braucht und den Zuspruch, dass es eine Macht gibt, die immer da ist.“

Um einen Ausgleich zu seinen Messen sieben Tage die Woche in Stegersbach und Ollersdorf zu haben, macht der Herr Pfarrer gern Sport. Die 8-saitige E-Gitarre liegt griffbereit im Büro, bleibt aber die meiste Zeit stumm. „Gott hat mich leider nicht mit einem musikalischen Talent ausgestattet“, und darüber lacht er.

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