Katharina Gravogl: Die erste Notarin des Landes

Die gebürtige Oberwarterin Katharina Gravogl ist die erste burgenländische Notarin in einer Männerdomäne: In Stegersbach eröffnete sie kürzlich ihre Kanzlei.

Dorothea  Müllner-Frühwirth
Dorothea Müllner-Frühwirth Erstellt am 27. Februar 2019 | 04:21
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Frauen-Power auf ganzer Linie: Silke Beitl-Heinzl, Elke Kloiber und Elke Sztubits (v.l.) bilden das Team um Notarin Katharina Gravogl.
Foto: Gravogl

Fast hundert Jahre hat es gedauert, bis eine der letzten Männerdomänen gefallen ist. Seit 1921 sind ausschließlich Männer im Burgenland zu Notaren bestellt worden. Doch heuer, genauer gesagt am 1. Februar, wurde der Bann gebrochen und die erste Frau, Katharina Gravogl, wurde zur ersten Notarin im Burgenland bestellt. Familiär „vorbelastet“, ihr Vater war ebenfalls Notar, war für Katharina Gravogl die Berufswahl trotzdem nicht von Anfang an klar. Die gebürtige Oberwarterin ging nach ihrer Matura in Oberschützen nach Wien, um zu studieren. Schon nach der ersten Vorlesung in der Studienrichtung Jus hatte sie die Leidenschaft für das Rechtswesen gepackt.

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Bei der Arbeit. KatharinaGravogl ist seit Kurzem in Stegersbach als Notarin tätig.
BVZ

„Ich fand die Thematik von Anfang an spannend“, erzählt Gravogl, die sich selbst als harmoniebedürftig beschreibt, was eine mögliche Erklärung für die Entscheidung zum Beruf der Notarin und gegen den Weg in eine Rechtsanwaltskanzlei darstellt.

Doch der Weg in diesen Beruf war kein leichter. Nach dem Studium musste die mittlerweile zweifache Mutter die Gerichtspraxis absolvieren, danach war sie zwölf Jahre lang bei Notaren im Burgenland und in Wien tätig. Während der Ausbildung waren auch noch zwei Berufsprüfungen zu absolvieren. Anfang 2018 entschied die Juristin, sich für die frei gewordene Notariatsstelle in Stegersbach zu bewerben. Ende Dezember, nach einem mehrstufigen Berwerbungsverfahren, stand dann endlich fest, dass das Burgenland im Jahr 2019 die erste Notarin bekommen sollte.

Mit weiblicher Intuition und fundiertem Wissen

„Ich habe sehr viel Glück gehabt, dass innerhalb dieser kurzen Zeit die Eröffnung der Kanzlei möglich war“, freut sich Katharina Gravogl im BVZ-Gespräch. „Die Stegersbacher haben mich wunderbar unterstützt, der Vermieter ist uns sehr entgegengekommen, und die Mitarbeiterinnen, die bei meinem Amtsvorgänger Notar Linzer bereits tätig waren und die nun in meiner Kanzlei arbeiten, bedeuten eine große Hilfe für mich.“

„Ich habe sehr viel Glück gehabt, dass innerhalb dieser kurzen Zeit die Eröffnung der Kanzlei möglich war“,

Auch ihr Mann ist eine essenzielle Stütze für die junge Juristin. Er ist zurzeit in Karenz und kümmert sich um die Kinder. Gravogl sieht das Berufsbild des Notars prädestiniert dafür, in Frauenhände gelegt zu werden: „Frauen können sich durch ihre Empathie besonders gut in familiäre Besonderheiten hineinfühlen. Das ist vor allem bei Themen wie dem Erben, der Personenvorsorge oder auch bei Fragen rund um Familienunternehmen besonders wichtig.“

Bei ihrer Kanzlei in der Hauptstraße hat sie darauf geachtet, dass sie für alle gut zu erreichen ist: Diese ist barrierefrei und mit einem Lift ausgestattet.