Prozess nach Attacke mit Axt im Vollrausch. Vom Unbekannten verfolgt fühlte sich ein Südburgenländer. Als die Polizei kam, packte er die Axt aus.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 18. April 2018 (04:57)
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Wegen des Vorwurfs des Widerstandes gegen die Staatsgewalt musste sich vorige Woche ein 49-jähriger Südburgenländer vor Richter Andreas Beneder verantworten. Er hatte, als zwei Polizistinnen am 12. Jänner 2018 in sein Quartier in Stegersbach kamen, ein Beil gepackt, dieses über dem Kopf erhoben und die Beamtinnen aufgefordert, sich zu entfernen. Die Polizistinnen mussten mehrmals zurückweichen und konnten den Tobenden erst unter Anwendung von Pfefferspray zur Vernunft bringen.

Der bereits 19-fach vorbestrafte Mann wurde nach diesem Vorfall in Untersuchungshaft genommen. Seit seinem 19. Lebensjahr hatte er diverse Straftaten begangen, darunter Sexualdelikte, Körperverletzungen, Diebstähle und Betrügereien. Zuletzt war er 2014 verurteilt worden. „Ich war im Drogenrausch und fühle mich nicht schuldig“, gab er vorige Woche vor Richter Andreas Beneder bekannt.

Langatmig erläuterte der Mann, dass er der Polizei bei der Suche nach Drogendealern behilflich gewesen sei. Er sei selbst als eine Art verdeckter Ermittler tätig gewesen, indem er sich Cannabis anbieten ließ und fleißig Joints mit mutmaßlichen Drogenhändlern rauchte.

Drogendealer bei der Polizei verpfiffen

„Wenn ich mit den Leuten nicht geraucht hätte, hätte ich nicht gewusst, wer verkauft“, erklärte der 49-Jährige. Jedenfalls habe er „immer der Polizei brav alles gesagt“.

Parallel zu dieser Spitzeltätigkeit dürfte der Mann eine Art Verfolgungswahn entwickelt haben. Er habe Videos von Menschen gesehen, denen der Kopf abgeschlagen wurde. Und als er am 12. Jänner 2018 nach Hause kam, habe er gedacht, dass da jemand auf ihn losgehen wollte. „Ich hatte Angst“, berichtete der Angeklagte.

Außerdem sei er an diesem Tag unter dem Einfluss von Alkohol und Cannabis gestanden.

Jedenfalls will der Angeklagte jene Polizistinnen nicht erkannt haben, die in seine Wohnung kamen, um nach einer Anzeige der Vermieterin eine Sachverhaltsaufnahme vorzunehmen.

Er habe zwar, so der Angeklagte, das Beil gezückt, sei aber auf niemanden losgegangen. Das sei nämlich nicht seine Art.

Nun will Richter Andreas Beneder ein psychiatrisches Gutachten einholen lassen, um zu klären, ob sich der Angeklagte am 12. Jänner in einem Zustand voller Berauschung fand und ob er zurechnungsfähig war. Der Prozess wurde vertagt.