Im Einsatz für die kroatische Volksgruppe. Martin Zsivkovits stammt aus Stinatz, spricht sechs Sprachen und setzt sich intensiv für die kroatische Volksgruppe ein. Als Direktor des ZBG Oberwart schätzt er globales Denken.

Von Maximilian Wiesler. Erstellt am 12. Februar 2020 (03:57)
Im November 2019 erhielt Martin Zsivkovits (im Bild mit seiner Familie) das große Ehrenzeichen des Landes Burgenland überreicht.
LMS/D. Fenz

Sprache und Kultur stehen im Zentrum des Denkens und Handelns von Martin Zsivkovits. Der 64-jährige Stinatzer erkundet von seinem Heimatort aus den Globus, versucht permanent, neue interkulturelle Erfahrungen zu sammeln und mit Engagement Volksgruppentraditionen zu pflegen. Als Direktor des Zweisprachigen Bundesgymnasiums Oberwart will er diese Grundsätze auch seinen Schülern vermitteln.

Zsivkovits ist 1955 im damals einsprachig kroatischen Stinatz geboren, besuchte dort auch die Volksschule. 1973 maturierte er am Akademischen Gymnasium in Graz, wo er auch sein Studium, welches sich als wegweisender Faktor für sein weiteres Schaffen gestalten sollte, begann. In seinen Studien fokussierte er sich auf die Sprachen Serbokroatisch, Latein und Altgriechisch und verbrachte zusätzlich mehrere Jahre in Mazedonien, Polen und Ungarn: „Diese Aufenthalte haben mich nachhaltig stark geprägt.“ In weiterer Folge war er als Lehrer in der Steiermark und im Burgenland, hier vor allem in Oberschützen aktiv, seit 1988 wirkt er als Lektor für Kroatisch an der Universität Graz.

„Die Schule ist mein zweites Kind“

Sein Lebensprojekt startete Zsivkovits 1992, als er den Direktorposten am Zweisprachigen Bundesgymnasium in Oberwart übernahm. Diesen wird er bis zu seiner Pensionierung im Sommer 2020 innehaben. „Die Schule ist mein zweites Kind“, beschreibt er die massive emotionale Bindung, die herrscht und im Laufe der Jahre kontinuierlich aufgebaut wurde. Knapp drei Jahrzehnte als treibende Kraft an der Spitze will er stets neue Ideen gewinnbringend umsetzen. Hohe Sprach- und Kulturkompetenz, Pflege der Volksgruppensprachen, enger Kontakt zu den Nachbarländern, umfassende Allgemeinbildung, Flexibilität, soziale Kompetenz, Autonomie und globales Denken stehen dabei im Fokus.

Seine Freizeit wird ebenfalls von diesen vielfältigen Themen bestimmt. Zsivkovits, der in Stinatz fest verwurzelt ist, spricht sechs Sprachen, neben Deutsch und Englisch auch Kroatisch, Italienisch, Polnisch und Russisch. Das Sonntagsevangelium liest er wöchentlich sogar in 17 Sprachen: „Das bietet mir die Möglichkeit, meine Passion auszuleben und meine Sprachkenntnisse zu trainieren und zu verbessern.“ Weltgewandt und weit gereist besitzt er über 2.000 Bücher, deren Inhalte Kultur, aber auch Theologie und Philosophie beleuchten.

„Das Stinatzerische liegt mir am Herzen“

Nach seiner Pensionierung will Martin Zsivkovits diese Themen verstärkt verfolgen, zudem seinen bereits präsenten Einsatz für Volksgruppen im Burgenland intensivieren und weiterhin stark wissenschaftlich tätig sein. Konkret plant er, Forschungen zu den Burgenlandkroaten zu publizieren und vor allem interaktiv in direkten Kontakt mit den Menschen zu treten. Die Konfrontation mit Themen, seinen Heimatort Stinatz betreffend, soll ebenso eine prägende Rolle einnehmen: „Das Stinatzerische liegt mir am Herzen. Mein Ziel ist es, die Chronik des Dorfes und, explizit, den Einfluss der kroatischen Kultur auf Stinatz weiterhin zu analysieren.“

Für seine besonderen Verdienste, die Zsivikovits vor allem im Umgang mit den Volksgruppen geleistet hat, wurde er im November 2019 mit dem Großen Ehrenzeichen des Landes Burgenland ausgezeichnet.