Thomas Stipsits und die "Kopftuch-Mafia". Thomas Stipsits ist in der Steiermark geboren, fühlt sich aber im burgenländischen Stinatz heimisch und wählt den Ort als Schauplatz seines neuen Kriminalromans.

Von Maximilian Wiesler. Erstellt am 15. Dezember 2019 (03:13)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7764992_owz50cari_kopftuchmafia_thomas_stipsits.jpg
Kopftuchmafia. Für sein Buch „Kopftuchmafia“ hat Thomas Stipsits rege am Dorfleben in Stinatz teilgenommen. Als Covermodel hat sich der Autor unter anderem seine Oma (vorne) ausgesucht.
Marko Zlousic

Dramatisch spektakulär endet eine Hochzeitsfeier in der burgenland-kroatischen Gemeinde Stinatz: Die Braut verschwindet nach dem Brautstehlen spurlos und wird Tage später tot auf einem Feld entdeckt. Die Stinatzer Dorfgemeinschaft ist entsetzt und Polizeiinspektor Sifkovits, der den Kriminalfall lösen soll, steht vor einem Rätsel. Er hofft auf Unterstützung der „Kopftuchmafia“: die alte Resetarits-Resl, die dicke Grandits-Hilde und seine Mutter Baba sollen die entscheidenden Hinweise liefern, denn sie wissen mehr als Google, Facebook und Amazon zusammen.

Stinatzer Alltagsgeschichten gepaart mit individueller künstlerischer Freiheit: Kabarettist und Schauspieler Thomas Stipsits vereint in seinem ersten Kriminalroman, „Kopftuchmafia“, diese beiden Komponenten auf spannende und humorvolle Art und Weise.

„Mein Vater stammt aus Stinatz, als Kind habe ich dort alle Schulferien verbracht, bei meinen Großeltern. Diese Zeit war enorm interessant, lehrreich und unbeschwert, und prägt mich auch heute noch positiv in meinem Schaffen.“ Thomas Stipsits

Im steirischen Leoben geboren, verbrachte der heute 36-jährige Neo-Autor einen Großteil seiner Jugend im Burgenland und entdeckte früh seine Vorliebe für Stinatz, den Schauplatz seines Lokalkrimis: „Mein Vater stammt aus Stinatz, als Kind habe ich dort alle Schulferien verbracht, bei meinen Großeltern. Diese Zeit war enorm interessant, lehrreich und unbeschwert, und prägt mich auch heute noch positiv in meinem Schaffen“, erklärt Stipsits seine emotionale Bindung zur Gemeinde und fügt konkret hinzu: „Ich hatte die Möglichkeit, einzigartige Erfahrungen zu sammeln, die Erinnerungen sind ständig präsent: Wenn ich in Opas ehemalige Werkstatt hineingeh‘, riecht’s noch immer gleich wie damals.“

440_0008_7764993_owz50cari_kopftuchmafia_thomas_stipsits.jpg
Marko Zlousic
Marko Zlousic

„Dass sich der Krimi in Stinatz abspielt, ergibt sich aus meiner persönlichen Vergangenheit“, betont Stipsits und definiert seine Motivation und individuellen Präferenzen, Stinatz in einen Krimi zu verwickeln: „Ich wollte schon immer eine Kommissarfigur mit Columbo-ähnlichen Zügen gestalten: eine sympathische Hauptfigur, die nicht dem stereotypen Ermittler-Profil mit unstrukturiertem Lebensumfeld und Alkoholproblemen entspricht. Inspektor Sifkovits verkörpert exakt meine Vorstellungen.“

Auf Basis dieser Person und der weiteren Hauptprotagonisten gelang es Stipsits, ein lesenswertes Werk zu konzipieren, das einige Parallelen zur Realität herstellt: „Die Figur der Mutter des Inspektor trägt beispielsweise extrem markante Charakterzüge meiner Großmutter, auch die restlichen zentralen Akteure sind an realen Vorbildern orientiert und das Umfeld, in dem sich der Fall abspielt, ist zudem sehr detailgetreu und wirklichkeitsnah gestaltet.

In den Text habe ich generell viele Szenen miteinfließen lassen, die ich eins-zu-eins so erlebt habe, wie sie dargestellt sind, um die erwähnte Heimatverbundenheit zu unterstreichen und zu verstärken“, erklärt Stipsits und zieht positiv Resümee über ein „spannendes und anspruchsvolles Projekt“. Aktuell tourt er mit seinem Kabarett-Programm „Stinatzer Delikatessen“ durch das Land und arbeitet darin ebenfalls relevante Dorfgeschichten auf.