Urlaub trotz(t) der Krise. Lokalaugenschein in Stegersbach: Nach den vorübergehenden Schließungen im Frühjahr ist der Tourismus in der Region wieder in Schwung gekommen, Landdestinationen liegen voll im Trend.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 29. Oktober 2020 (04:32)
Die Golf- und Thermenregion Stegersbach ist das ganze Jahr über bei den Urlaubern beliebt, ob mit der ganzen Familie oder alleine zur Erholung - auch in diesem Jahr. Die Buchungen für die Herbst-/ Wintersaison stimmen die Hoteliers zuversichtlich, die Nachfrage ist wieder gestiegen.
Tourismus Stegersbach

Seit März ist im Tourismus nichts mehr, wie es vorher war. Zuerst eine komplette Schließung aller Hotels, dann ständig neue Verordnungen. Die Herausforderungen in dieser Branche sind enorm. Wie es dem Tourismus in Stegersbach ergangen ist und wie die Zukunftsperspektiven sind, hat der Obmann und Geschäftsführer der Tourismusregion Stegersbach Richard Senninger im Gespräch mit der BVZ erläutert.

BVZ: Wie ist die aktuelle Lage in der Golf- & Thermenregion Stegersbach? Wie hoch sind/waren die Einbußen durch Corona?

Richard Senninger: Das heurige Jahr hat ebenso gut begonnen wie das Rekordjahr 2019 (250.000 Nächtigungen) geendet hat. Ab der Zeit des Lockdowns, in der alle Betriebe schließen mussten, haben wir in der Region rund 60.000 Gästenächtigungen verloren.

Der Obmann und Geschäftsführer der Tourismusregion Stegersbach Richard Senninger blickt positiv in die Zukunft.
Tourismus Stegersbach

BVZ: Wie ist die Buchungslage für die nächsten Wochen/Monate?

Senninger: Nach der Wiedereröffnung aller Beherbergungsbetriebe und speziell die Sommermonate brachten eine Vollauslastung. Besonders oder auch die kleinen privaten Gastgeberbetriebe durften sich über eine hervorragende Auslastung freuen. Für die nächsten Wochen und Monate sind wir optimistisch, die Zahlen des Vorjahres zu erreichen. In den Gastgeberbetrieben werden die Schutzmaßnahmen für Covid-19 sehr sorgsam umgesetzt und das Gästeverhalten kann als äußerst diszipliniert beurteilt werden. Sollten keine weiteren dramatischen Beschränkungen für die Tourismuswirtschaft vorgeschrieben werden und sich die Ergebnisse der letzten Wochen bestätigen, wird der Rückgang der Auslastungen in der Region bei rund 20 Prozent liegen. Im Vergleich zu den Städten, bei denen der Rückgang teilweise bis zu 90 Prozent beträgt, muss man in Anbetracht der Umstände sehr zufrieden sein.

BVZ: Woher kommen die Gäste und wie lange bleiben sie?

Senninger: Die Golf- und Thermenregion beziehungsweise das Südburgenland hat in dieser schwierigen Zeit den Vorteil, dass die Mehrheit der Gäste seit jeher überwiegend aus Österreich kommt. Die bisherigen Gästeanteile aus anderen Herkunftsländern wurden im Sommer durch viele neue Urlauber aus Österreich gut kompensiert. So haben viele Familien beispielsweise ihre Haupturlaube im Südburgenland verbracht und die Aufenthaltsdauer dadurch oft vielfach verlängert.

BVZ: Haben sich die Besuchergruppen durch Corona verändert?

Senninger: Völlig weggefallen sind Gruppen- oder Seminargäste. Im privaten Bereich setzen wir seit drei Jahren auf die Zielgruppe der Wander- und Radfahrbegeisterten - diese konnten wir heuer besonders begeistern. Dabei wurde die Region Stegersbach bei vielen Urlaubern aus Österreich als wunderbare Bewegungs- und Freizeitregion entdeckt.

BVZ: Mit welchen Einschränkungen müssen Gäste in Hinblick auf Wellnesseinrichtungen rechnen? Gibt es Gästebeschränkungen oder geschlossene Bereiche?

Senninger: Für Wellnessbereiche gibt es klare Benützungsregelungen seitens des Ministeriums für Gesundheit. Für Saunen, Becken und Ruheräume gelten klare Richtlinien, die im Detail vorgegeben werden und jedes Risiko ausschließen kann. Die Regelungen werden in den Betrieben bei den Zugangsbereichen, zusätzlich bei Türen und im Innenbereich durch Beschilderungen. Zusätzlich sorgen die Mitarbeiter für die Einhaltung der Regelungen.

BVZ: Wie ändert sich das Reiseverhalten der Menschen?

Senninger: Durch Corona und die eingehenden Beschränkungen hat sich das Reiseverhalten vieler Menschen verändert, gerade der Heimaturlaub boomt wie schon lange nicht mehr. Das hat man bereits im Sommer gemerkt: Die Lust auf Regionalität und das Entdecken des eigenen Landes ist stark zu spüren gewesen und bedeutet eine große Chance für die Entwicklung des heimischen Tourismus, speziell auch für das Südburgenland.

BVZ: Wie gestalten sich die Buchungen in Bezug auf die aktuellen Herbstferien? Und buchen Urlauber schon für Weihnachten/Silvester?

Senninger: Für die Woche der Herbstferien sind die Buchungen sehr erfreulich, zusätzlich gibt es durch die großzügigen Stornoregelungen der Betriebe für die Gäste größtenteils null finanzielles Risiko. Weihnachten und Silvester im Südburgenland zu verbringen wurde in den vergangenen Jahren immer mehr zur Erfolgsgeschichte. Vor allem die Tage um Weihnachten erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Derzeit zeichnet sich ab, dass Wohlfühltage und der Rückzug aufs Land stärker gefragt sind als je zuvor.

Interview: Dorothea Müllner-Frühwirth