Güssinger wollten das KUZ. Mit 64,24 Prozent der Stimmen fiel die Wahl im Bezirksvorort eindeutig für das Kulturzentrum und gegen die Burg aus. Die Kulturschaffenden haben wenig Freude damit.

Von Dorothea Müllner-Frühwirth. Erstellt am 01. Juli 2021 (05:52)

Schon die ersten Ergebnisse, die kurz vor Mittag eintrudelten, zeigten den Trend an: Nur in acht von 28 Gemeinden lag der Ausbau der Burg Güssing vorne. Kurz nach 15 Uhr stand dann auch das Endergebnis in der Stadtgemeinde Güssing fest, das eindeutiger nicht sein hätte können.

In der Burgstadt stimmten 64,2 Prozent (943 Stimmen) für das KUZ und 35,8 Prozent (525 Stimmen) für die Burg. Von den 1.640 abgegeben Stimmen waren 172 ungültig — die Stimmen von jenen Personen, die dem Aufruf von Vizebürgermeister Alois Mondschein gefolgt sind und ungültig gewählt haben.

Stadtchef Knor: „Freue mich auf das Projekt“

Bürgermeister Vinzenz Knor, der im Vorfeld der Abstimmung keine offizielle Stellungnahme für ein präferiertes Objekt abgegeben hat, zeigt sich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden: „Es war das erste Mal eine Möglichkeit für den ganzen Bezirk, über ein Projekt abzustimmen. Das ist ein neues demokratiepolitisches Vorgehen, das der Bevölkerung das Recht zur Mitbestimmung gibt. Ich freue mich, dass jetzt dieses Projekt in Güssing umgesetzt wird. Es ist nicht selbstverständlich, das solche großen Investitionen getätigt werden und es ist ein wichtiger Impuls für die Wirtschaft in der Region.“

ÖVP will sich weiter für beide Stätten einsetzen

Die Stadt-ÖVP sieht sich durch das Ergebnis in ihrer Forderung, in beide Standorte zu investieren, bestätigt. „Die Güssingerinnen und Güssinger haben sich für die Sicherheitsvariante entschieden. In den vielen Gesprächen mit der Bevölkerung wurde klar, dass sie beides – Burg und Kulturzentrum – wollen.

Aber sie wollten jedenfalls verhindern, dass Landeshauptmann Doskozil die Burg mit einem riesigen Betonklotz verschandelt“, resümiert ÖVP-Vizebürgermeister Alois Mondschein. „Es gab zehmal mehr ungültigen Stimmen als bei der Landtagswahl 2020, damals waren es in Güssing 0,7 Prozent, nun waren 10,49 Prozent der Stimmen ungültig. Das Land soll die geplanten 20 Millionen in das KUZ und den Rest in die Attraktivierung der Burg und in Marketing investieren.“

Reaktionen von Seiten der Kulturschaffenden

Weniger zufrieden mit dem Ergebnis ist Kultursommer-Intendant Frank Hoffmann: „Ich hätte mir eine eindeutigere Abstimmung zugunsten der Burg gewünscht. Weiterhin große Summen in das KUZ zu investierten ist keine Sache, die sinnvoll ist. Es ist nicht zu übersehen, dass das KUZ eine etwas überaltete Kulturästhetik ist.

Ich denke, es ist ein bisschen verbranntes Geld. Mir hätte die Version in der Gesamtheit auf der Burg besser gefallen, es ist zwar ein ehrgeiziges Projekt, aber wenn man hier investiert hätte, das große Volumen, das die Landesregierung vorgehabt hat, wäre das eine sehr lohende Angelegenheit gewesen, so ist das eine „nicht Fisch nicht Fleisch“-Geschichte.“

Pragmatischer sieht Musical-Güssing Intendantin Marianne Resetarits den Ausgang: „Für mich wird sich auf der Burg nichts ändern. Die Veranstaltungen können nach wie vor in dieser Form stattfinden. Das KUZ wird ein guter Platz sein, um Kultur zu machen. Allerdings ist es schade, dass wir so eine Chance ungenutzt gelassen haben. Ich weiß nicht, wie es der Wirtschaft und dem Tourismus damit gehen wird.“

Jochen Lackner, Geschäftsführer vom „Freiraum“, kann die Entscheidung nicht nachvollziehen: „Aus unserer Sicht wäre die Burg für die Belebung der Stadt ein immens hoher Faktor gewesen. Dass die Bevölkerung dieses einzigartige Projekt ablehnt, war für uns eine Überraschung. Die Wertschöpfung für dieses einzigartige Projekt wäre für Güssing als auch das Südburgenland enorm gewesen, jedoch wird wie so oft politisiert und hat im Endeffekt wenig mit dem Großen und Ganzen zu tun. Schade für Güssing und für die gesamte strukturschwache Region.“