Über 2.500 Raritäten im Garten

Zucchini, Salat und Paradeiser aus dem Gemüsebeet? Unter anderem, ja. Am Biohof von Julia Wolf stößt man auf ein paar Pflanzensorten mehr. Um genau zu sein, auf über zweieinhalbtausend.

Erstellt am 07. September 2020 | 06:08
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr

Knapp 100.000 Einwohner machen das Südburgenland mit all ihren Einzigartigkeiten zu dem, was es ist. Charmant, idyllisch, ruhig. Vor allem aber vielfältig. Es gibt Winzer, die uns mit Wein verwöhnen. Künstler, die Farbe in unser Leben bringen. Bauern, die uns mit Naturprodukten versorgen. Und am Rande des 500-Einwohner-Dorfes Wörterberg gibt es Julia Wolf und ihren Garten. Sicher lassen sich Gärten schwer miteinander vergleichen, aber Julias Garten sticht definitiv heraus. Auf ihren 1,5 Hektar Grund, lässt sie nämlich beachtliche zweieinhalbtausend Pflanzensorten sprießen und gibt dem Wort Vielfalt damit eine ganz besondere Bedeutung.

„In kleinen Schritten ist alles gewachsen“

Küchengarten, Ziegen und Hühner – bereits Wolfs Großmütter genossen ihre Selbstversorgergärten. So auch sie selbst. Gerne erinnert sie sich an die Tage ihrer Kindheit zurück an denen sie ihren Omas beim Gemüse- und Obstpflücken tatkräftig zur Seite stand. Die Begeisterung für die Natur war ihr schon damals zuzuschreiben. Zur immensen Sortenvielfalt im eigenen Garten kam es jedoch nicht über Nacht. Nach ihrer Ausbildung an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau sammelte sie zunächst Erfahrungen im In- und Ausland. Selbst in Großbritannien setzte sie ihre Fähigkeiten in der Garten- und Landschaftsgestaltung um.

Anzeige
Anzeige

„Da haben wir viele wirklich prunkvolle Gärten zu sehen bekommen. Alleine die Autos, die in solchen Garagen standen, waren faszinierend“, erinnert sich Wolf, „mein Mann und ich waren die Gärtner und haben Blumen gezupft, Hecke geschnitten und Streifen in den Rasen gemäht.“ Später überzeugte sie auch in der Heimat und widmete sich vorerst eher hobbymäßig ihren Gemüsebeeten. „Intensiviert hat sich das Ganze dann 2009, nach der Geburt meines ersten Sohnes. Da wollte ich, dass sein erster Brei aus dem eigenen Garten ist.“

Gesagt, getan. Auch wenn ihr Sohn kein Fan vom ersten Kürbisbrei war. Seit 2013 produziert Julia kontrolliert biologisch, seit 2016 hauptberuflich. „Eines Tages hat mein Mann gemeint, entweder weniger Jungpflanzen oder ich soll meinen Job aufgeben. Das war so eine Frage, da wusste ich, ich schmeiß den Job hin.“ Von da an wuchs und wuchs ihr Garten und die Sorten vermehrten sich ins Unendliche.

Entdeckungsreise am Biohof

Bis heute ist es ihr wichtig, die Vielfalt auszubauen und somit das Kulturerbe zu erhalten. Der Verkauf von Gemüse, Kräutern und Blütenstauden kommt gut bei anderen an. Jedoch ist es nicht nur das Erhalten von Kulturpflanzen, das Pflegen der Jungpflanzen und die Weitergabe von Saatgut, sondern vor allem die Vermittlung von Wissen, was zur Verbreitung ihres Naturschutzgedankens unumgänglich ist. „Die Leute müssen sehen, wie wichtig es ist, das zu erhalten, weil wir wirklich Geschmackserlebnisse verlieren, wenn wir nicht dranbleiben“, meint die Zweifachmama. Und tatsächlich lässt einen der Rundgang durch den gesamten Hof staunen: An der einen Ecke kostet man Heilkräuter, an der anderen riecht man an Schokoladenblumen, zwischendurch fliegt einem der ein oder andere Schmetterling um die Ohren und stets sollte man aufpassen, über keine Zuckermelone zu stolpern.

Inmitten des äußerst umfangrechen Küchengartens mäht Julias Ehemann fleißig, die Kinder genießen die Kühle im Haus. Jedoch nicht an allen Tagen. „Auch die Kinder helfen immer wieder. Mit mehr oder weniger Begeisterung“, schmunzelt Wolf. „Alles, was duftet machen sie echt gerne. Sei das Basilikum zupfen, Lavendel rebeln oder vor allem Himbeeren oder Brombeeren pflücken. Unkraut jäten mögen sie allerdings nicht so gerne.“ Gewiss sind sie mit Letzterem nicht alleine. Jedoch weiß Mama Julia: auch an solchen Aufgaben geht letztendlich kein Weg vorbei.