Heftiges Erdbeben im Raum Neunkirchen. Von einem stark spürbaren Erdbeben wurde Neunkirchen in der Nacht von Montag auf Dienstag erschüttert. Die Stärke wurde um 00.57 Uhr mit 4,4 gemessen. Die Erschütterungen waren in Niederösterreich bis Hollabrunn und bis nach Salzburg spürbar. Weitere Nachbeben erwartet die ZAMG innerhalb der nächsten drei Wochen.

Von Christian Feigl und Norbert Oberndorfer. Update am 20. April 2021 (13:26)

Das Erdbeben war ungewöhnlich lange und riss viele Menschen aus dem Schlaf. In den sozialen Netzwerken wurden rasch die Erlebnisse ausgetauscht. Es sei zu leichteren Schäden, etwa Haarrissen im Verputz, gekommen. Die Erschütterungen waren in Wien, St. Pölten bis nach Hollabrunn zu spüren. Sogar aus Salzburg erreichte das ZAMG Meldungen. In Messstationen in ganz Europa wurde das Neunkirchner Beben registriert. 

"Bisher sind an die 10.000 Wahrnehmungsmeldungen aus der Bevölkerung eingegangen", berichtete Seismologe Anton Vogelmann von der ZAMG. Viele berichteten demnach über die App "QuakeWatch Austria" von den nächtlichen Erschütterungen, die deutlich verspürt wurden. Auf das Erdbeben der Stärke 4,4 um 0.57 Uhr folgten bis mittags mehr als 20 Nachbeben in der Region Neunkirchen und Wiener Neustadt. Das stärkste davon um 7.16 Uhr wies eine Magnitude von 2,9 auf. "In den nächsten zwei bis drei Wochen wird es noch einige weitere Nachbeben geben", sagt der Experte.

Die Feuerwehr verzeichnete keine Einsätze aufgrund der Erdstöße, teilte Franz Resperger vom niederösterreichischen Landeskommando auf Anfrage mit. In der Neunkirchner Bezirksalarmzentrale wurden keine Schäden gemeldet, hieß es. Drei Feuerwehren waren gerade bei einem Brandeinsatz in der benachbarten Steiermark im Einsatz, berichtete Bezirkskommandant Josef Huber. Im Freien habe man dort die Erschütterungen kaum bemerkt. Einige Mitglieder kehrten allerdings während des Erdbebens kurz vor 1.00 Uhr gerade ins Feuerwehrhaus zurück, so Huber: "Die Kameraden haben berichtet, dass auf einmal das ganze Gebäude zu wackeln begonnen hat."

Erst vor drei Wochen, am 30. März 2021, bebte die Erde in Breitenau bei Neunkirchen. Dieses Erdbeben war laut ZAMG das stärkste der letzten 20 Jahren im Wiener Becken. Die Magnitude wurde mit 4,7 angegeben. Dass es keine Schäden gegeben habe, sei "der Herdtiefe zu danken", sagte ein Seismologe. Diese betrug damals zehn Kilometer, am Dienstag um 0.57 Uhr neun Kilometer.

Erdbeben im Wiener Becken sind nichts Außergewöhnliches, seit 100 Millionen Jahren bebt dort die Erde. "Der Osten verschiebt sich langsam nach Nordosten. Die Erdkruste wird dadurch ausgedünnt und es baut sich Spannung auf. An den Rändern des Wiener Beckens kommt es dadurch zu plötzlichen Verschiebungen und Rutschungen in rund zehn Kilometer Tiefe", sagt Vogelmann. Durch die Beben werde die Spannung wieder abgebaut. So senkt sich das Wiener Becken innerhalb von hundert Jahren um einige Millimeter ab.

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