ÖVV-Herren wollen gegen Belgien mit Geduld punkten. Nach sieben Wochen durchgehender Vorbereitungscamps und einer Reihe von Länderspielen startet Österreichs Volleyball-Nationalteam der Herren am Freitag in das EM-Abenteuer.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 12. September 2019 (12:40)
Österreich ist wie so oft klarer Außenseiter
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Auftaktgegner in Gruppe B des ab Donnerstag in vier Ländern stattfindenden Titelkampfs ist ab 20.30 Uhr (live ORF Sport+) in Brüssel das Co-Gastgeberteam Belgien. Die ÖVV-Truppe ist klarer Außenseiter.

Mit dieser Rolle will sich die Mannschaft von Teamchef Michael Warm aber nicht zufriedengeben, nach der erstmals erfolgreichen Qualifikation für eine EM (davor hatte es ÖVV-Teilnahmen nur durch Nennung oder als Ausrichter gegeben) soll es aus der Sechser-Gruppe in die Top Vier bzw. ins Achtelfinale gehen. Dafür gilt es auch gegen die Slowakei (Samstag, 20.30) sowie in Antwerpen gegen Deutschland (Montag, 17.30), Spanien (Dienstag, 17.30) und Serbien (Donnerstag, 20.30) ordentlich zu punkten.

Vorerst warten aber eben die Belgier, für Warm mit besonderen Stärken am Block. "Das wird für uns eine Challenge sein, wie wir damit geduldig umgehen und versuchen, das nicht mit der Brechstange zu lösen, sondern da spielerisch gute Lösungen finden", erklärte der Coach. Das erste Spiel bei einer Heim-EM könne aber auch Belastung sein. "Da ist der Druck groß. Uns liegt es sicher, in einer gewissen Außenseiterposition in die Halle zu gehen, darauf loszuspielen und zu zeigen, dass wir das auch können."

Dabei sei aber eben Geduld besonders gefragt. In Testspielen Ende August in Craiova gegen Rumänien habe man es nicht geschafft, teilweise hohe Satzführungen ins Ziel zu bringen. "Wir haben gedacht, wir machen das Spiel mit Einzelaktionen zu Ende", führte Warm aus. "Das war ganz gut, dass uns das passiert ist, dass wir uns klar darüber sind, man kann so etwas nicht über die Zeit spielen. Die Geduld haben wir da noch einmal lernen dürfen, und die wird auch gegen die Belgier nötig sein."

Österreichs 14-köpfiger Kader ist Mittwochvormittag in Brüssel angekommen, neben täglichem Training standen auch Video-Analysen der Belgier auf dem ÖVV-Programm. Für jedes der Teams geht es mit einem eigenen, von zwei Motorrad-Polizisten geleiteten Bus zu Übungseinheiten und den Matches. Am Donnerstagvormittag stand ein ÖVV-Abstecher in die Brüsseler Innenstadt auf dem Programm, am Nachmittag für Warm und Kapitän Peter Wohlfahrtstätter ein internationaler Gruppen-Medientermin.

Die Belgier sind ein aufstrebendes Team, EM-Platz vier 2017 in Polen war neben WM-Rang sieben 2018 ihr bisher größter Erfolg. Nun soll es vor Heimpublikum bzw. bei den Medaillenspielen am letzten September-Wochenende in Paris zu ihrem ersten EM-Podestrang reichen. "Die Belgier waren uns immer zwei, drei Jahre voraus", erklärte Warm vor dem Duell im 15.000 Zuschauer fassenden Paleis 12. "Auch sie haben mit einer sehr, sehr jungen Mannschaft begonnen, aus einer guten Nachwuchsarbeit heraus."

Mittlerweile haben sich aus dem Kreis der großgewachsenen Truppe etwa mit dem im Polen tätigen Außenangreifer Sam Deroo und Aufspieler Stijn D'Hulst Topspieler entwickelt. Letzteren kennt ÖVV-Ass Alexander Berger aus Italien gut. Der Oberösterreicher ist voll EM-Vorfreude: "Auf Club-Ebene war ich im Champions-League-Finale, aber das kann man nicht so vergleichen. Die EM-Teilnahme ist etwas, das wir uns mit 16, 20 Spielern über die letzten zehn Jahre erarbeitet haben."

Über diese Zeitspanne ist auch Wohlfahrtstätter bereits dabei. Er wie Berger sind für die Heim-EM 2011 von Warm am letzten Drücker noch aus dem Kader eliminiert worden. "Es war ein großer Ansporn, dass man das Ziel noch erreicht", sagte Wohlfahrtstätter nun. "Jetzt stehe ich acht Jahre später als Kapitän der Mannschaft da. Ich bin stolz, dass wir uns sportlich qualifiziert haben." Der Tiroler kennt Belgien und speziell Antwerpen gut, hat er doch von 2011 bis 2013 bei Topvolley Antwerpen gespielt.

Warm hält nichts davon, sich gegen Belgien für vermeintlich leichtere Aufgaben zu schonen. "Vor unseren Augen sollte vorerst nur Belgien liegen und unsere Chancen, wie wir die schlagen. Wir können nicht pokern, wir brauchen jeden Satz und jeden Punkt. Wir müssen das erste Spiel voll gehen." Nach der Partie werde analysiert. "Entweder müssen wir uns schütteln, und sagen Neustart. Oder wir sagen, wir freuen uns, dass wir das und das geschafft haben. Dann machen wir eine neue Lagerbesprechung."

Österreichische Fangruppen haben sich für die EM angekündigt, diese Unterstützung wird auch Aufspieler Max Thaller schätzen. Der 25-Jährige weiß um die Schwere der EM-Aufgabe. "Wir haben ein paar ganz harte Brocken dabei - die Serben, die Belgier, die Deutschen. Die Slowakei haben wir schon geschlagen, Spanien ist auch auf Augenhöhe. Aus der Gruppe herauszukommen, ist realistisch. Viel mehr ist schon eine Draufgabe. Die Dichte ist schon sehr, sehr hoch. Da muss man realistisch bleiben."