St. Pölten

Erstellt am 18. Dezember 2017, 16:12

von Manuela Mayerhofer

Schweine mussten in Dunkelheit leben: Anzeige!. Behörde wurde von Tierschützern über Missstände in einem Schweinemastbetrieb im Bezirk St. Pölten informiert. Der Landwirt wurde angezeigt.

Mit Transparenten demonstrierten die Tierschützer vor dem Schweinemastbetrieb im Bezirk St. Pölten.  |  Foto VGT – Verein gegen Tierfabriken

Mit einer Demonstration machten Tierschützer auf Missstände in einem Schweinemastbetrieb aufmerksam. Die Bezirkshauptmannschaft wurde informiert und hat den Tierhalter bereits angezeigt.

In dem Stall, in dem mehr als 1.500 Schweine leben, soll zumindest ein Teil der rund 700 Mastschweine in vollkommener Dunkelheit gehalten worden sein. Die Fenster waren mit Folie verklebt und mit Holzlatten zugenagelt. Langzeit-Videoaufnahmen sollen zeigen, dass ausschließlich für Kontrollgänge das Licht eingeschaltet wird.

David Richter vom Verein gegen Tierfabriken - kurz "VGT" - betont: „In diesem Stall wird das Tierschutzgesetz vollkommen ignoriert, die Tiere leiden aufgrund der ständigen Dunkelheit enorm. Foto- und Videoaufnahmen zeigen Schweine mit blutigen Wunden, abgebissenen Schwänzen, Verletzungen aufgrund der artwidrigen Haltungsweise."

Appell an Behörden und Politik

Richter: „Solange Supermärkte und Diskonter auf dem Rücken der Tiere Preisschlachten durchführen und auch Interessensverbände Werbung für Tierqual-Fleisch machen, wird es Fälle wie diese geben.“ Der Druck, unter dem die Betreiber solcher Mastbetriebe stehen, sei enorm groß. Trotzdem seien Behörden und auch Politik angehalten, die Tierschutzbestimmungen zu kontrollieren. Möglicherweise, so Richter, habe der Tierhalter die Schweine durch die Dunkelheit eher ruhig stellen wollen, damit sie sich nicht gegenseitig verletzen.

Die Bezirkshauptmannschaft St. Pölten betonte, dass bei dem angezeigten Tierhalter, wie in solchen Fällen üblich, sofort reagiert wurde. Die Amtstierärzte hätten im Betrieb die Einhaltung der tierschutzrechtlichen Vorschriften kontrolliert, und der zuständige Betreuungstierarzt wurde beigezogen, um, falls notwendig, Tiere auch sofort vor Ort behandeln zu können.

"Missstände sind sofort zu melden" Josef Kronister

„Die Kartons vor den Stallfenstern sind entfernt worden, damit der ordnungsgemäße Betrieb wieder aufgenommen werden kann“, so Bezirkshauptmann Josef Kronister. Die Überprüfung der vorgelegten Fotos und Videos werde sicher einige Wochen dauern.

"Leider sind wir von den Aktivisten erst jetzt informiert worden, obwohl sich einige Vorfälle bereits im Oktober ereignet haben sollen. Wenn jemand Missstände bemerkt, so sind diese umgehend zu melden, wir benötigen nicht unzählige Fotos, um solchen Vorfällen nachzugehen“, so Kronister.

Es habe in dem betroffenen Betrieb sehr wohl laufende Kontrollen gegeben. Ob die vorgelegten Bild- und Filmaufnahmen, die ohne Wissen des Stallbesitzers gemacht worden sind, auch tatsächlich dort entstanden sind, müsse erst überprüft werden.

Lest mehr über die Hintergründe rund um die Schweinemasthaltung in der nächsten Printausgabe der NÖN St. Pölten.