Hauser nach "perfekter Saison" WM-Mitfavoritin. Aufgrund von fünf Podestplätzen in den jüngsten sechs Weltcuprennen verfügt Österreich im Biathlon mit Lisa Hauser erstmals über eine WM-Medaillenkandidatin. Die 27-jährige Tirolerin hat sich im Jänner durch ihre ersten Top-Drei-Ergebnisse und den Sieg im Einzel von Antholz ganz oben etabliert. Möglich machte das eine Steigerung in der Loipe. Treffsicher und schnell geschossen hatte Hauser auch schon davor.

Von APA / BVZ.at. Erstellt am 08. Februar 2021 (05:00)
Lisa Hauser (re) will auch bei WM jubeln
APA (dpa) Archivfoto

"Alles was jetzt noch kommt, ist ein bisschen eine Draufgabe", betonte Hauser vor der WM in Pokljuka und wies im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur auf ihre bereits weit übertroffene Vorgabe hin. "Ich habe vor der Saison gesagt, das Ziel ist das Stockerl, egal ob im Weltcup oder bei der WM. Jetzt ist mir das schon mehrmals gelungen - es war schon eine perfekte Saison."

Bis vor wenigen Wochen verhinderte eine Lücke zu den Allerschnellsten im Laufen und einige Male auch fehlendes Rennglück ihren großen Durchbruch. Mehrere Top-Sechs-Ergebnisse hatte Hauser aber auch schon in den vergangenen Jahren geschafft. Im Jänner stürmte sie aber mit einer Ausnahme, bei der sie ebenfalls auf Podestkurs liegend stürzte, ständig auf das Podium.

Hausers bisher bestes WM-Resultat war 2019 Platz sieben im Einzel. Mittlerweile sind ihre Ziele aber höher gesteckt, Stockerlplätze in allen vier Disziplinen vom Sprint bis zum 15-km-Einzel sprechen für sich. Unter Druck setzen lassen will sich die Kitzbühelerin deshalb aber nicht. "Natürlich ist die WM das Highlight, aber ich sehe das jetzt lockerer." Schließlich müssten für eine Medaille viele Faktoren zusammenpassen, so Hauser.

Im Weltcup klappte das für sie zuletzt regelmäßig. Ein Erfolgsgeheimnis gebe es nicht aber. "Es ist eher jahrelanges, gutes und konsequentes Arbeiten, auch auf technischer Ebene und natürlich läuferisch und konditionell. Es ist bisher immer nur in kleinen Schritten besser geworden, jetzt ist ein größerer gekommen. Das macht mir irrsinnig viel Freude." Die Steigerung habe sich schon im Sommer abgezeichnet. "Ich bin irrsinnig froh, dass ich es so gut in den Winter hineinbekommen habe."

Diese Hochform in der zweiwöchigen Pause vor der WM zu konservieren, war die keineswegs leichte Aufgabe im Trainingslager in Obertilliach. "Wenn ich das Niveau halte, dann kann man mehr als happy sein. Das Selbstvertrauen ist da - klar, es macht viel Spass, weil der Erfolg da ist, aber trotzdem ist Training bei Vollgas richtig anspruchsvoll, und man muss sich jedes Mal überwinden können. Von alleine geht es nicht", erläuterte Hauser und ergänzte. "Es ist sehr schwierig, dass es die ganze Saison weiter so gut läuft."

Dass sie für ihre Erfolge auch viele Gratulationen von langjährigen Konkurrentinnen bekommen habe, sei sehr schön gewesen. Feiern und andere Dinge seien corona-bedingt aber leider zu kurz gekommen. Selbst die ansonsten öfters zu den Weltcups reisende Familie habe sie im Saisonverlauf auch zuhause kaum getroffen, Zusammenkünfte mit Freunden fielen komplett aus. Um das Infektionsrisiko weiter möglichst gering zu halten, reiste Hauser von Obertilliach, wo das ÖSV-Team ein Hotel für sich alleine hatte, am Montag auch direkt zur WM nach Slowenien an.

Die ÖSV-Männer haben im Saisonverlauf durch Felix Leitner mit Rang zwei im Oberhof-Massenstart einen Podestplatz geschafft. Am konstantesten ins Spitzenfeld gekommen ist Routinier Simon Eder, mit den Topläufern vermochte der 37-jährige Topschütze aber nicht mitzuhalten. Bei optimalem Verlauf könnte im Kampf gegen die norwegischen Übermacht um Johannes Thingnes Bö aber etwas möglich sein, glaubt Cheftrainer Ricco Groß. "Wir sind sehr zuversichtlich und haben es in den letzten Jahren auch immer wieder geschafft, Medaillen zu gewinnen. Das ist glaube ich auch ein Zeichen dafür, dass wir uns auf den Punkt genau vorbereiten können."

Für die bisher letzten ÖSV-WM-Medaillen sorgten im Vorjahr der danach abgetretene Dominik Landertinger als Dritter im Einzel sowie der im bisherigen Winter von Rückenproblemen gebremste Julian Eberhard mit Massenstart-Bronze 2019 in Östersund. Die bis dato einzige bei den Frauen holte 1984 in Chamonix im Sprint Andrea Grossegger als Dritte, doch das könnte sich in den kommenden zwei Wochen durch Hauser ändern.

In ihrem Sog haben sich auch Dunja Zdouc und Julia Schwaiger gesteigert. "Bei der WM wollen wir an die tollen mannschaftlichen Erfolge im Weltcup anschließen", lautet deshalb die Devise von Frauentrainer Markus Fischer.