IBU-Präsident trat nach Anschuldigungen zurück. Der Norweger Anders Besseberg ist am Donnerstag von seinem Amt als Präsident des Biathlon-Weltverbandes (IBU) vorläufig zurückgetreten.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 12. April 2018 (13:27)
APA/ag.
Besseberg in der Kritik

Das betrifft die Zeit, in der die laufenden Untersuchungen gegen die IBU wegen Vorwürfen hinsichtlich Doping, Korruption und Betrug andauern. Außerdem hat das IBU-Exekutivkomitee Generalsekretärin Nicole Resch für diese Zeitspanne einstimmig suspendiert.

Viktor Maigurow, Ex-Biathlet und erster Vizepräsident, verzichtete auf die interimistische Übernahme der Präsidentschaft - wohl aufgrund der Vorwürfe gegen russische Betreuer und Sportler. Das IBU-Exekutivkomitee hat daraufhin den für Finanzen zuständigen IBU-Vizepräsidenten Klaus Leistner gebeten, die operativen Geschäfte des Präsidenten für die Zeit der Untersuchungen zu übernehmen.

In einem 16-seitigen, vertraulichen WADA-Report wird berichtet, dass die IBU "alles getan habe, um Ermittlungen gegen Russland zu verhindern". Das Hauptziel der Korruption sei es gewesen, gedopte russische Athleten zu beschützen, soll in dem Report von Ende 2017 festgestellt worden sein.

"Whistleblower" Grigori Rodtschenkow, ehemaliger Direktor des Moskauer Anti-Doping-Zentrums, hat nach eigenen Angaben bei den Ermittlungen gegen die IBU geholfen. Der NRK hatte Rodtschenkow vor wenigen Tagen an einem unbekannten Ort in den USA besucht und im Bild aus Sicherheitsgründen maskiert interviewt. Darin hatte der Russe schwere Vorwürfe gegen die IBU und die russischen Sportinstanzen erhoben.

Rodtschenkow ist in den USA untergetaucht

Rodtschenkow sprach in dem teilweise online veröffentlichten Interview von "Korruption, systematischer Sabotage und Manipulation" von biologischen Blutproben russischer Sportler. Diese Vorgänge hätten bereits vor den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi stattgefunden. Seither habe sich die Situation aber sogar noch verschlimmert. Rodtschenkow ist in den USA untergetaucht. Er fürchtet laut NRK um sein Leben seit er Russland in die Anschuldigungen gegen die IBU miteinbezogen hat.

Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) Austria hatte der APA am Mittwoch bestätigt, dass sie in engem Austausch mit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, dem Bundeskriminalamt und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) stehe. Die WKSTA ermittelt gegen Funktionäre des Internationalen Biathlon-Verbandes (IBU) sowie Betreuer und Sportler des russischen Biathlon-Teams. In diesem Zusammenhang wurde auch die Hausdurchsuchung vom Dienstagabend am IBU-Sitz in Salzburg bestätigt.

Gegenstand der Ermittlungen sind die Anwendung verbotener Substanzen bzw. Methoden zum Zweck des Dopings, schwerer Betrug im Zusammenhang mit Doping sowie der Geschenkannahme von Bediensteten. Der Tatzeitraum betreffe vornehmlich die Biathlon-WM im Februar 2017 in Hochfilzen, die Korruptionsvorwürfe reichen aber bis 2012 zurück. Der Schaden bezüglich der Korruptions- bzw. Betrugsvorwürfe (durch Doping erschwindelte Preisgelder) belaufe sich auf umgerechnet 240.000 Euro bzw. 35.000 Euro.

Auf Dopingverdachtsfälle soll nicht angemessen reagiert worden sein

Bei den Korruptionsvorwürfen gehe es darum, dass auf von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) herangetragene Dopingverdachtsfälle von der IBU nicht angemessen reagiert worden sei. Außerdem sollen dafür Bestechungsgelder in der Höhe von 300.000 Dollar (rund 242.200 Euro) versprochen bzw. angenommen worden sein. Zeitgleich zu Salzburg in Deutschland und Norwegen durchgeführte Durchsuchungen ergeben die Notwendigkeit der internationalen Kooperation mittels Rechtshilfeersuchen.

Die Strafdrohungen für die Vorwürfe betragen für die Dopingvorwürfe eine Freiheitsstrafe bis zu sechs Monate oder eine Geldstrafe bis 360.000 Euro, für die Betrugsvorwürfe bzw. Korruption Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren bzw. sechs Monaten bis fünf Jahre. Nähere Angaben zu beschuldigten Personen oder Organisationen bzw. zu einzelnen weiteren Ermittlungsmaßnahmen könnten laut WKSTA derzeit im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen nicht gemacht werden.