Alternativ-Beurteilung neben Ziffernnote an Volksschule. An den Volksschulen werden ab 2019/20 ab dem zweiten Semester der 2. Klasse wieder verpflichtend Ziffernnoten eingeführt - gleichzeitig wird aber in allen Klassen zumindest zusätzlich alternativ beurteilt. Die Neuen Mittelschulen verlieren das "neu" und erhalten ab der 2. Klasse zwei Leistungsniveaus mit je fünfteiliger Notenskala, kündigte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Montag an.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 01. Oktober 2018 (13:52)
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Es soll mit Ziffern und verbal beurteilt werden

"Es geht mir dabei nicht um bildungspolitischen Revanchismus oder ein zwangweises Alles-Muss-Anders werden", so Faßmann bei einer Pressekonferenz. Künftig soll an den Volksschulen im Regelfall sowohl mit Ziffern als auch verbal benotet werden. Bis zum Halbjahreszeugnis der zweiten Klasse kann grundsätzlich auch ausschließlich alternativ beurteilt werden - in diesem Fall haben aber Eltern das Recht, auf einer Ziffernnote zu bestehen. Ab dem Ende der zweiten Klasse müssen dann verpflichtend Ziffernnoten vergeben werden, zusätzlich gibt es aber jedenfalls die Verbal-Beurteilung.

Dazu sollen eigene Bewertungsraster entwickelt werden, in denen in abstrakter Form auch klar hervorkommt, was die Kinder können müssen ("Reime erkennen", "elementaren Wortschatz verwenden", etc.). "Es soll transparenter werden, was die Minimalerfordernisse sind und welches Wissen zu erreichen ist", betonte Projektleiter Klemens Riegler-Picker aus dem Bildungsministerium.

An den Neuen Mittelschulen (NMS) soll es ab der sechsten Schulstufe (2. Klasse) zwei unterschiedliche Leistungsniveaus ("Standard" und "Standard-AHS") geben. Die siebenteilige Bewertungsskala wird abgeschafft, an ihre Stellen treten zwei einander überlappende je fünfteilige Skalen. Gleichzeitig bleiben zwar die bisherigen Differenzierungsmöglichkeiten wie Teamteaching erhalten, werden aber durch eine zusätzliche Möglichkeit ergänzt: Schulen können in Deutsch, Mathe und Englisch ab der sechsten Schulstufe auch dauerhafte Gruppen einrichten.

In diesen Gruppen soll dann anhand der beiden Leistungsniveaus unterrichtet werden. Das bedeute aber nicht die Rückkehr zu Leistungsgruppen, so Riegler-Picker. "Man wird nicht einmal im Jahr zugeteilt und bleibt dann dort, sondern man kann unter dem Jahr wechseln." Als Zeichen der Änderungen soll die NMS auch vom Namen her das "Neu" verlieren und zur "Mittelschule" werden. Mit den beiden Standards sind auch unterschiedliche Berechtigungen beim Wechsel an eine weiterführende Schule verbunden. Es könne auch sein, dass ein Schüler in einem Fach "AHS-Standard" erreiche (etwa Mathematik) und in anderen vielleicht nur "Standard" (Riegler-Picker: "Ein klassischer HTL-Zubringer").

"Ich glaube an diesen Schultyp", betonte Faßmann. Allerdings müsse man das "großstädtische Problem" lösen, wo die Mehrzahl der Kinder mittlerweile AHS-Unterstufen besuchen. "Das kann aber nicht in einem ritualhaften Ruf nach mehr Ressourcen bestehen." Er setzte daher auf ehrliche Schullaufbahnentscheidungen, zum Teil auch bauliche Verbesserungen an den Standorten sowie auch die problemorientierte Vergabe von Zusatzressourcen.

An Polytechnischen Schulen soll es überdies wieder die Möglichkeit eines freiwilligen zehnten Schuljahrs geben. Rund 400 Jugendliche pro Jahr werden eine "zweite Chance" erhalten, so Faßmann. Die Umstellungen sollen alle bereits ab dem nächsten Schuljahr wirksam werden - eine aufsteigende Umsetzung ab den jeweils ersten Klassen wurde verworfen, um nicht in einem Übergangszeitraum zwei parallele Systeme zu haben.

Für den Vorsitzenden der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger, geht das Paket grundsätzlich in die richtige Richtung. Für eine endgültige Bewertung fehle im allerdings noch der Gesetzesentwurf, so Kimberger zur APA. "Meist liegt der Teufel im Detail."

Mit der Abschaffung der siebenteiligen Notenskala an der NMS werde ein langjähriges Anliegen der Lehrer erfüllt, so Kimberger. "Wir haben immer gesagt, dass es ein Problem ist, wenn man in einem einzigen Schultyp eine andere Benotungsform einführt." Auch die Möglichkeit zur schulautonomen Führung von Leistungsgruppen entspreche einem Wunsch der Pädagogen - diese würden zwar nicht jenen der "alten" Hauptschule entsprechen, böten aber die Möglichkeit zum Arbeiten mit verschiedenen Leistungsniveaus.

Kritik am "Pädagogik-Paket" von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) übt die Opposition. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid sprach sich gegen eine "Rückkehr in die Nachkriegszeit" und "Notendruck auf die Jüngsten" aus. Auch die NEOS orten ein Zurück in die "50er-Jahre", die Liste Pilz sprach ähnlich vom "Rückschritt als neuem Fortschritt".

"Der Zwang zu Ziffernnoten, Sitzenbleiben für die jüngsten Schülerinnen und Schüler und das Zurück zum 'A- und B-Zug' der alten Hauptschule - das alles ist ein massiver Rückschritt, der den Kindern nichts bringen wird - im Gegenteil", so Hammerschmid in einer Aussendung. "Der Leistungs- und Notendruck schon bei den Kleinsten wird steigen - mit allen Konsequenzen wie Stigmatisierung, Demotivation, Schulangst und Nachhilfe."

"Die 50er Jahre haben angerufen, sie wollen ihr Bildungssystem zurück", resümierte NEOS-Bildungssprecher Douglas Hoyos. "Wenn das die großen bildungspolitischen Reformen dieser Regierung sind, dann Gute Nacht. Das hat die junge Generation wirklich nicht verdient. Ziffernnoten wieder einzuführen und die Türschilder der Neuen Mittelschulen auszutauschen, ist kaum zu unterbieten."

Als "großen Rückschritt" sieht auch die Bildungssprecherin der Liste Pilz, Stephanie Cox, die verpflichtende Wiedereinführung der Ziffernnoten in der Volksschule. Erst seit dem Schuljahr 2016/17 könnten Eltern, Kinder und Lehrer in den ersten drei Volksschuljahren selbst über die Art der Benotung entscheiden. "Diesen Versuch wieder abzubrechen, ohne auf die Ergebnisse zu warten, halte ich für übereilt."