Rund 90 Prozent der Kunstwerke in Notre Dame gerettet. Rund 90 Prozent der Kunstwerke und Reliquien in Notre-Dame sind nach Angaben eines Versicherungsexperten bei dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale rechtzeitig vor den Flammen gerettet worden. Der Evakuierungsplan sei minuziös befolgt worden, sagte der Schadensachverständige Michel Honore, der den Domschatz im Auftrag der Versicherer begutachtet, am Mittwochabend.

Von APA Red. Erstellt am 18. April 2019 (12:17)
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Noch ist unklar wie lange der Wiederaufbau dauern wird

"Der Plan selbst hat perfekt funktioniert, und deshalb sind die Verluste nicht so groß, wie man hätte befürchten können", sagte Honore in einem Telefongespräch nach einem Treffen mit weiteren Sachverständigen nahe der weltberühmten Kirche, die am Montag in Band geraten war. Er ist für die Begutachtung des Domschatzes ("Tresor") zuständig. Der Kirchenschatz besteht aus 1.000 bis 1.200 Gegenständen von wertvollen Kelchen über historische Kirchengewänder bis hin zu großformatigen Gemälden. Hilfskräfte hatten das Inventar mit einer Menschenkette vor dem Flammen in Sicherheit gebracht.

"Zu den ersten Stücken, die gerettet wurden, gehörten die Dornenkrone und der Nagel vom Kreuz", sagte Honore. "Sie standen ganz oben auf der Liste und wurden vorschriftsgemäß vorrangig herausgebracht." Die meisten großen Gemälde in der Kathedrale sähen unversehrt aus. Restauratoren müssten sie aber nochmals genau begutachten, um zu sehen, ob Ruß, Rauch oder Löschwasser sie nicht doch in Mitleidenschaft gezogen hätten. "Es herrscht große Zuversicht, dass die große Orgel in der Kathedrale nicht beschädigt ist, aber man muss auch hier genau nach Säure-Rückständen schauen", sagte Honore.

Jene Wertgegenstände, die in der Brandnacht in Notre Dame zurückgelassen werden mussten, würden derzeit unter die Lupe genommen. Sie sollen Honore zufolge ins Louvre-Museum gebracht werden. Die geretteten Schätze wurden zunächst ins Rathaus gebracht, sollen aber ebenfalls höchstwahrscheinlich im Louvre landen. Dort könnten sie sicherer aufbewahrt werden.

Notre Dame gehört seit 1905 dem französischen Staat. Er dürfte daher beim Wiederaufbau den Großteil der finanziellen Last tragen. Der zur französischen AXA gehörende Kunst-Spezialist Axa ART und ein weiterer Versicherer seien aber an der Versicherung der Kunstwerke in der Kathedrale beteiligt, sagte Honore. Nach früheren Angaben sind auch zwei der Firmen, die Teile von Notre-Dame renoviert haben, bei Axa versichert.

Unterdessen brachte der Direktor von Notre Dame für die Zeit des Wiederaufbaus eine Holzkirche auf dem Vorplatz ins Spiel. "Wir dürfen nicht sagen, die Kathedrale ist für fünf Jahre geschlossen und das war's", sagte Patrick Chauvet dem Sender CNews am Donnerstag. "Also dachte ich mir: Kann ich nicht eine temporäre Kirche auf dem Vorplatz bauen?" Diese würde dann aus Holz sein. So könne man die zahlreichen Touristen willkommen heißen, die die weltberühmte Kathedrale besuchen. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo unterstütze das Projekt, sagte Chauvet. Unklar war weiter, wie lange Notre Dame letztlich geschlossen bleiben wird.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte nach dem verheerenden Brand versprochen, die Kathedrale innerhalb von fünf Jahren wiederaufzubauen - noch schöner als zuvor. Premierminister Edouard Philippe kündigte einen internationalen Architekturwettbewerb für den Wiederaufbau des kleinen Spitzturms an, der bei dem Feuer zerstört wurde.

Für den Wiederaufbau wollen die steirische Holzwirtschaft sowie das Institut für Holzbau und Holztechnologie der TU Graz Frankreich ihr Know-how anbieten. Die steirische Holzbautechnologie sei weltweit anerkannt, hieß es am Donnerstag aus dem Büro von Agrarlandesrat Johann Seitinger (ÖVP). In den kommenden Tagen werde mit der Österreichischen Botschaft in Paris Kontakt aufgenommen. "Die Steiermark hat sich mit ihrer innovativen Holzbautechnologie in den letzten 20 Jahren als Weltmarktführer kompliziertester Bauten und Holz-Werkstoffen etabliert. Man denke in diesem Zusammenhang an die Verwendung von Holz für extreme Spannweiten und Belastungen für gewerbliche, industrielle und Wohnbauten", so Seitinger. Es würde für die Steiermark eine große Ehre sein, beim Wiederaufbau mitwirken zu können.