Johnson begrüßt nach Brexit "großartigen Moment". Der britische Premier Boris Johnson hat den finalen Bruch mit der Europäischen Union als Meilenstein für sein Land hervorgehoben.

Von APA / BVZ.at. Erstellt am 31. Dezember 2020 (23:18)
Ende der Mitgliedschaft in EU-Binnenmarkt und Zollunion
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Zum Jahreswechsel tritt Großbritannien nach einer Brexit-Übergangsphase auch aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion aus. "Dies ist ein großartiger Moment für dieses Land. Wir haben die Freiheit in unseren Händen, und es liegt nun an uns, das Beste daraus zu machen", sagte Johnson am Donnerstag in seiner Neujahrsansprache ans britische Volk.

Das Vereinigte Königreich könne Dinge nun anders machen - "und, wenn nötig, besser als unsere Freunde in der EU". Großbritannien war nach 47 Jahren Mitgliedschaft bereits Ende Jänner 2020 aus der EU ausgetreten. Das in letzter Minute mit der EU ausgehandelte Handels- und Partnerschaftsabkommen soll nun einen harten Bruch vermeiden. Wichtigster Punkt ist, dass im Warenhandel auch künftig keine Zölle und Mengenbeschränkungen gelten. Zudem regelt der knapp 1.250 Seiten starke Vertrag viele weitere Themen, darunter Fischfang und Zusammenarbeit bei Energie, Transport, Justiz, Polizei. In mehreren Bereichen bleibt Großbritannien dadurch weiter an europäische Standards gebunden. Auf EU-Seite reichte die Zeit zur Ratifizierung im Europaparlament nicht. Deshalb wird der Vertrag zunächst vorläufig angewendet.

Unmittelbar vor dem Austritt Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion hat der Brexit-Handelspakt auch die letzte Hürde genommen: Das Vertragswerk wurde am Donnerstag offiziell im Gesetzblatt der EU veröffentlicht. Damit könne es wie geplant vorläufig ab 1. Jänner 2021 angewendet werden, teilte ein Sprecher der deutschen EU-Ratspräsidentschaft mit.

Spanien und Großbritannien haben unterdessen im letzten Augenblick eine Grundsatzeinigung erzielt, wonach das britische Gibraltar dem Schengenraum in der Regel ohne Grenzkontrollen beitritt. Damit wurde vermieden, dass die Grenze zwischen Spanien und Gibraltar am Südzipfel der Iberischen Halbinsel ab dem 1. Jänner 2021 zu einer undurchlässigen EU-Außengrenze wird.

Bei den Brexit-Hardlinern stieg im Vorfeld die Vorfreude auf das historische Ereignis. Zwar sind wegen der Corona-Schutzmaßnahmen zu dem historischen Ereignis in der Nacht auf Freitag im Königreich keine Feiern erlaubt, aber etwa in den als Brexit-Unterstützer geltenden Medien wurde am Donnerstag bereits gejubelt. Die "Daily Mail" sagte einen "Neubeginn" für das Königreich voraus, der "Daily Express" erwartete die "tollste Stunde" in der Geschichte des Landes.

Der Glockenschlag von Big Ben in London um 23.00 Uhr (24.00 Uhr MEZ) werde ein neues Kapitel aufschlagen, fassten beide Zeitungen die Hoffnung der Brexit-Anhänger zusammen. Allerdings werden der Brexit und sein endgültiger Vollzug auch im Handel von vielen Briten inzwischen äußerst kritisch gesehen.