Berlins Hauptstadtduell ohne Derby-Feeling. Vor dem ersten Bundesliga-Duell zwischen Hertha und Union war im vergangenen November ganz Berlin elektrisiert. Nun, in Zeiten von Corona, ist vom Derby-Feeling in der deutschen Hauptstadt nicht viel übrig geblieben, wenn der 1. FC Union von Kapitän Christopher Trimmel und Hertha BSC am Freitag (20.30 Uhr) zum sechsten Mal in einem Pflichtspiel aufeinandertreffen.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 21. Mai 2020 (12:43)
Im Hinspiel gingen die Wogen hoch
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Zwar bemühen sich Spieler und Offizielle vor dem Anstoß im riesigen, aber leeren Olympiastadion darum, trotz der irrealen Situation eine Spannung aufzubauen. "Es ist ein Spiel unter besonderen Bedingungen, aber es bleibt ein Derby. Insofern wird es große Brisanz haben", erklärte Herthas Geschäftsführer Michael Preetz: "Natürlich wird es kein Derby sein, wie es sich alle wünschen. Aber für die Spieler wird eins gelten: Wenn der Schiedsrichter anpfeift, sind sie total fokussiert." Und Union-Trainer Urs Fischer meinte: "Ein Derbysieg bedeutet mir immer etwas."

Hertha-Coach Bruno Labbadia will sich mit den Umständen während der Corona-Krise "gar nicht mehr beschäftigen". Stattdessen gelte es, "den Fokus darauf zu richten, was wir beeinflussen können". Fischer, der wegen eines Trauerfalls in seiner Familie beim jüngsten 0:2 der Eisernen gegen den FC Bayern nicht auf der Bank gesessen hatte, bemerkte: "Ich werde versuchen, den Fokus auf das Spiel zu bekommen, auch wenn das nicht so einfach ist." Und der Schweizer schloss ganz im Derby-Modus an: "Ich bin mir sicher, das wird mir gelingen." Fischer kann nach zwei negativen Corona-Tests sein Team im Olympiastadion coachen.

Im Hinspiel setzte sich Union durch ein Last-Minute-Tor von Sebastian Polter 1:0 durch. "Das ist eine Riesenchance für uns, zurückzuschlagen. Wir haben nicht vergessen, was im letzten Spiel passiert ist", betonte Preetz. Der Außenseiter hat schon zwei der fünf ausgetragenen Pflichtspiel-Derbys gewonnen, Hertha erst eins. "Deshalb ist die Bedeutung für uns schon groß", unterstrich Preetz, dessen Team in der Vorwoche 3:0 in Hoffenheim gewonnen hatte.

Zumindest auf den Rängen wird diesmal Ruhe herrschen. Denn im Hinspiel hatte es im Stadion An der Alten Försterei schwere Ausschreitungen in beiden Fan-Lagern gegeben. Hertha-Anhänger zündeten immer wieder Leuchtraketen und feuerten sie auch in Richtung Rasen und Zuschauerränge ab. Union-Fans versuchten, auf den Platz zu gelangen. Die Partie stand vor dem Abbruch.