Italiens Opposition macht Druck gegen Ski-Verbot. Das von der italienischen Regierung angedachte Ski-Verbot während der Weihnachtsfeiertage sorgt auch am Mittwoch für Gesprächsstoff: Nun machen Italiens Oppositionsparteien Druck gegen das Verbot.

Von APA / BVZ.at. Update am 25. November 2020 (12:39)
"Fratelli"-Chefin Giorgia Meloni widerspricht Italiens Regierung
APA (AFP)

"Österreich will seine Skipisten öffnen und behauptet, man kann in Sicherheit Ski fahren. In Österreich ist der Prozentsatz der Ansteckungen höher als in Italien. Warum kann man in Österreich sicher Ski fahren und in Italien nicht?", fragt etwa die Rechtspartei "Fratelli d´Italia".

Laut "Fratelli" Chefin Giorgia Meloni wird es zu keinem europaweiten Ski-Verbot kommen, wie es die italienische Regierung fordert. "Es hat keinen Sinn, die Skipisten in Italien geschlossen zu halten, wenn diese im Rest Europas offen sind", so Meloni im Interview mit dem TV-Sender "Rete 4" am Dienstagabend.

Ähnlich sieht die Lage der Chef der rechten Lega, Matteo Salvini. "Entweder alle Skipisten in Europa bleiben geschlossen, oder Italien kann nicht allein auf Winterurlaub verzichten. Skifahren ist kein Hobby für Reiche, sondern ein Wirtschaftssektor, der 20 Mrd. Euro bewegt und von dem unzählige Jobs abhängen", meinte Salvini live auf Instagram. Wenn es die Infektionszahlen erlauben würden und die Skipistenbetreiber sichere Bedingungen garantieren könnten, gebe es keinen Grund, Winterurlaub zu verbieten, sagte Salvini.

Der italienische Gesundheitsminister Luigi Speranza hält hingegen ein Skiverbot in seinem Land während der Weihnachtszeit für "unvermeidbar". "Am Dienstag haben wir an einem Tag 853 Tote gemeldet, die auf Covid-19 zurückzuführen sind. Leider sind Einschränkungen während der Weihnachtszeit unvermeidbar", so Speranza laut Medienangaben vom Mittwoch.

Die Situation sei weiterhin besorgniserregend, auch wenn es Signale einer Besserung gebe. "Wir dürfen nicht die Sommermonate vergessen, als ein Teil des Landes gedacht hat, der Kampf gegen das Coronavirus sei bereits gewonnen und dass wir zur Normalität zurückkehren könnten. Wir sehen in diesen Wochen, welch hohen Preis wir dafür zahlen müssen. Wir können uns keine weitere Infektionswelle Anfang 2021 leisten", so der Minister.

Ex-EU-Kommissar Antonio Tajani, Mitbegründer der rechtskonservativen Partei Forza Italia, fordert gesamteuropäische Regeln für die Skisaison. "Wir brauchen gemeinsame Regeln in ganz Europa. Wir müssen verhindern, dass unloyale Konkurrenz zur Flucht unserer Touristen ins Ausland führt. Die Gefahr ist der Verlust tausender Jobs", schrieb Tajani auf Twitter.

Der Tourismusbeauftragte der deutschen Regierung, Thomas Bareiß, sieht ein generelles Verbot der Skisaison kritisch. Der CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch: "Sicherheit geht auch im Winter vor. Aber ich bin davon überzeugt, dass Skifahren in einem gewissen Umfang und unter klaren Kriterien wie zum Beispiel einer maximal erlaubten Anzahl von täglichen Skipässen ohne Probleme möglich ist." 

Die gesamte Reise-, Tourismus- und Veranstaltungsbranche sei wirtschaftlich an einer Belastungsgrenze angekommen, so Bareiß. "Weitere Lockdown-Maßnahmen und Finanzhilfen müssen Hand in Hand gehen. Es wird eine finanzielle Herausforderung, aber die Menschen können sich drauf verlassen, wir lassen niemanden im Regen stehen."

Wenig Freude erweckte der Vorstoß aus Rom am Dienstag naturgemäß in Österreich. Finanzminister Gernot Blümel und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (beide ÖVP) forderten umgehend Geld aus Brüssel, sollte es zu einem Skiverbot zu Weihnachten kommen. Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer sieht keine Hindernisse für weihnachtliches Skifahren in Österreich. Zurückhaltend zeigte sich das grün-geführte Gesundheitsministerium.