Immer mehr Länder holen Staatsbürger heim. Immer mehr Länder holen aus Angst vor dem neuartigen Coronavirus ihre Bürger aus dem betroffenen chinesischen Wuhan zurück. Am Samstag landete eine Maschine der deutschen Bundeswehr mit 128 Passagieren in Frankfurt/Main. Ein französisches Flugzeug soll unterdessen mehrere Bürger - darunter auch aus Österreich - am Sonntag nach Europa bringen. Die Welt schottet sich indes immer mehr von China ab.

. Erstellt am 01. Februar 2020 (20:07)
Mediziner in einer Klinik in Zouping
APA/ag./dpa

Am Frankfurter Flughafen stiegen zunächst medizinische Fachkräfte mit Schutzmasken und Schutzkleidung in das Flugzeug, um die Passagiere zu begutachten und zu befragen. Nach einer näheren Untersuchung sollte laut Behörden entschieden werden, ob sie in eine Isolierstation gebracht werden. Für die gesunden Rückkehrer sind zwei Wochen in Quarantäne vorgesehen. Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte, von den Rückkehrern, darunter 102 Deutsche, gehe keine Ansteckungsgefahr für die Allgemeinheit aus.

In Frankreich wurden unterdessen etwa 180 Menschen, zumeist Franzosen, nahe Marseille unter Quarantäne gestellt, die aus Wuhan ausgeflogen worden waren. Die USA, Japan, Südkorea und andere Länder holten ebenfalls Staatsbürger aus Wuhan oder planen Rückholaktionen.

Darunter auch Österreich: Dort liefen am Samstag die Vorbereitungen für die Heimholung von sieben Österreichern aus dem chinesischen Epidemiegebiet auf Hochtouren. In der Nacht auf Sonntag sollte eine französische Maschine mit französischen Staatsangehörigen und anderen europäischen Bürgern inklusive der Österreicher von Wuhan abfliegen, hieß aus dem Verteidigungsministerium in Wien.

Zielort würde zunächst die französische Luftwaffenbasis Istres-Le Tube sein. Dort würden dann die Formalitäten erledigt. Das Bundesheer werden die Österreicher übernehmen und nach Wien-Schwechat bringen. Mit der Ankunft der Herkules-Maschine sei wahrscheinlich am mittleren Nachmittag zu rechnen.

Laut den Daten des Gesundheitsministeriums und Informationen der Landesbehörden gab es am Samstag in Österreich einige Verdachtsfälle auf Coronavirus-Infektionen. In Niederösterreich waren es zwei Fälle, in Wien einer. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sprach von bisher insgesamt 30 Verdachtsfällen, alle sein negativ gewesen. Der Fall in Vorarlberg bestätigte sich nicht, wie Behörden mitteilten.

In Bayern wurde hingegen erneut das Coronavirus bei einem Menschen nachgewiesen. Bei dem Infizierten handelt es sich den lokalen Behörden zufolge um einen 33-jährigen Mann. Er ist so wie sechs andere Corona-Kranke Mitarbeiter der Firma Webasto in Stockdorf im Landkreis Starnberg. Die Gesamtzahl der Fälle in Bayern - und somit auch in Deutschland - ist damit auf acht gestiegen. Außer den nun sieben Mitarbeitern der Firma war ein Kind eines der Erkrankten ebenfalls positiv auf die neuartige Lungenkrankheit getestet worden.

Ein weiterer deutscher infizierter Staatsbürger wurde in Spanien registriert. Der Deutsche auf der Kanareninsel La Gomera der erste bekannte Fall in Spanien. Er sei mit einem der in Deutschland infizierten Patienten in Kontakt gewesen, teilte die spanische Regierung mit.

Angesichts der ungebremsten Ausbreitung des Virus verhängte Australien am Samstag ein Einreiseverbot für Reisende aus China. Von dem Verbot ausgenommen seien australische Staatsbürger und Menschen mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung sowie deren Angehörige, erklärte Premierminister Scott Morrison. Seine Erklärung erfolgte einen Tag, nachdem bereits die US-Regierung ein Einreiseverbot für China-Reisende verhängt hatte. Auch das US-Verbot gilt nicht für Staatsbürger, Ausländer mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung in den USA sowie deren enge Familienmitglieder.

US-Bürger, die sich in der chinesischen Provinz Hubei aufhielten, sollen nach Angaben von US-Gesundheitsminister Alex Azar außerdem zwei Wochen lang unter Quarantäne gestellt werden. In der zentralchinesischen Provinz liegt auch die Millionenmetropole Wuhan. Dort war das Virus im Dezember zum ersten Mal aufgetreten.

Großbritannien zog nach Angaben des Außenministeriums Personal aus diplomatischen Einrichtungen in China ab. Von dem Schritt sind demnach Diplomaten sowie deren Familien betroffen. Zuvor hatten die USA einem Teil ihrer Botschaftsmitarbeiter die Ausreise freigestellt.

Auch die Wirtschaft wurde zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. Der US-IT-Gigant Apple kündigte an, bis 9. Februar seine Filialen und Büros in Festland-China vorsichtshalber zu schließen. Der koreanische Autobauer Hyundai setzte seine für dieses Wochenende geplante SUV-Produktion aus. Zur Begründung nannte eine Sprecherin Werksschließungen in China, die zu einer Versorgungsstörung geführt hätten.

In China stieg die Zahl der Infizierten bis Samstag auf knapp 12.000, wie die Nationale Gesundheitskommission mitteilte. Bisher starben in der Volksrepublik 259 Menschen an der Atemwegserkrankung, die bereits während der bis zu zwei Wochen dauernden Inkubationszeit von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Donnerstag einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Sie ging am Freitag von allein in China weiteren mehr als 15.000 Verdachtsfällen aus.