USA verhängen Einreiseverbot für China-Reisende. Die USA haben wegen des Coronavirus einen öffentlichen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Ausländern, die sich in den vergangenen zwei Wochen in China aufgehalten haben, werde die Einreise verboten, erklärte US-Gesundheitsminister Alex Azar am Freitag. Ausnahmen gebe es für enge Familienmitglieder von US-Bürgern und Ausländer mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung. Die Anweisung gilt ab Sonntag.

. Erstellt am 31. Januar 2020 (23:21)
Verschärfte Quarantänebestimmungen bis hin zu Einreiseverboten
APA/ag.

US-Bürger, die sich in der chinesischen Provinz Hubei aufhielten, sollen zudem zwei Wochen lang unter Quarantäne gestellt werden. Reisende aus anderen Teilen Festland-Chinas werden Azar zufolge gebeten, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben. Azar betonte, es handle sich dabei um "vorbeugende Maßnahmen", das Risiko in den USA sei gering. Alle Flüge aus China werden an sieben US-Flughäfen umgeleitet und dürfen nur noch am New Yorker JFK-Flughafen, in Chicago, San Francisco, Seattle, Atlanta, Honolulu und Los Angeles landen.

Zuvor hatten bereits mehrere Staaten Abschottungsmaßnahmen gegen China bekanntgegeben. Singapur und die Mongolei gaben bekannt, keine Chinesen oder Reisende aus China mehr ins Land zu lassen. Auch Österreich erhöhte seine Sicherheitsstufe und gab eine partielle Reisewarnung für die Krisenregion in China aus.

Seinerseits kündigte Peking an, alle ins Ausland gereisten Bewohner der besonders betroffenen Provinz zurückzuholen. Die deutsche Bundesregierung schickte am Freitag eine Bundeswehrmaschine nach Wuhan, um deutsche Staatsbürger auszufliegen. Sieben Österreicher, die sich in der Krisenprovinz Hubei aufhalten, sollen via Frankreich am Sonntag nach Österreich zurückkehren.

Den Behörden in Peking zufolge infizierten sich bis Freitag fast 10.000 Menschen auf dem chinesischen Festland mit dem neuartigen Erreger 2019-nCoV, hinzu kommen mehr als hundert Fälle in mehr als 20 weiteren Ländern, darunter erstmals auch in Großbritannien und Russland.

Nach der Bestätigung von zwei ersten Infektionsfällen rief Italien den nationalen Notstand aus. Die Maßnahme erlaubt die rasche Bereitstellung von Geldern und besondere Schutzmaßnahmen gegen eine Weiterverbreitung des Virus. In Indonesien wurden mehr als 40.000 Arbeiter eines unter chinesischer Kontrolle stehenden Industriekomplexes vorsorglich unter Quarantäne gestellt.

Deutschland meldete am Freitag zwei weitere Fälle. Dabei handelt es sich um einen weiteren Mitarbeiter des Automobilzulieferers Webasto aus dem Landkreis Starnberg sowie das Kind eines anderen Mitarbeiters. Sie haben sich wie fünf weitere Mitarbeiter bei einer aus China zu einer Schulung angereisten Kollegin angesteckt. In der Firma hatte seit Mittwoch eine Testaktion stattgefunden. Bis Freitagabend waren von 128 Tests 127 negativ. Der Firmensitz sollte bis einschließlich Montag geschlossen bleiben.

In Österreich gibt es bisher keinen bestätigten Fall: Für einen siebenten Verdachtsfall in Wien gab es ebenso eine Entwarnung wie für einen Verdachtsfall in Kärnten. Offen waren noch zwei weitere Corona-Verdachtsfälle in Salzburg. Das betroffene Paar wurde aus Sicherheitsgründen auf die Isolierstation der Salzburger Landesklinik gebracht.

Mehr als 100.000 Menschen stehen in China wegen möglicher Symptome der Lungenkrankheit unter ärztlicher Beobachtung. Laut einer Studie der Universität Hongkong dürften die Zahlen allerdings bedeutend höher liegen. Allein in Wuhan könnten sich bis 25. Jänner rund 75.800 Personen mit dem neuen Coronavirus infiziert haben. Die Epidemie könnte sich bereits in mehreren chinesischen Großstädten ausgebreitet haben. "Große Städte in Übersee mit engen Verbindungen zu China könnten Outbreak-Epizentren werden", stellte Joseph Wu von der Universität Hongkong fest. Gefährlich sei das, weil es häufig zur Übertragung durch Personen noch ohne Symptome kommt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief am Donnerstagabend den internationalen Gesundheitsnotstand aus, was eine stärkere länderübergreifende Koordination ermöglichen soll. Zur Begründung wies sie auf die Ausbreitung des Erregers außerhalb der Volksrepublik hin: "Größte Sorge" sei, dass sich das Virus auf Länder mit weniger gut ausgestatteten Gesundheitssystemen ausbreite. Die Entscheidung sei kein "Misstrauensvotum" gegen China, betonte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Einschränkungen von Reisen und Handel seien nicht nötig.