WHO erwartet kein Ende der Pandemie vor 2022. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht nicht von einem Ende der Corona-Pandemie im heurigen Jahr aus. Die Vorstellung, dass mit dem Virus bis zum Jahresende abgeschlossen werden kann, sei "verfrüht und unrealistisch", sagte WHO-Notfalldirektor Michael Ryan am Montag vor Journalisten in Genf.

Von APA / BVZ.at. Update am 02. März 2021 (10:13)
WHO-Notfalldirektor Ryan sieht kein baldiges Ende der Pandemie
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Zugleich berichtete er von Anzeichen, wonach sich die Impfkampagne auf die Pandemie auswirke. Allerdings berichtete die WHO von einem Anstieg der Fallzahlen in jüngster Zeit.

Ryan sagte, dass das Virus weiterhin die Kontrolle behalten werde. Allerdings könnte man durch die Impfungen die Zahl der Hospitalisierungen und Todesfälle senken. Nachdem in der zweiten Januarwoche die globale Pandemie ihren Höchststand erreicht hatte - damals infizierten sich weltweit mehr als 700.000 Menschen pro Tag - lag dieser Wert gegen Ende Februar nur mehr bei etwa 350.000, also der Hälfte. Obwohl die Mutationen in vielen Ländern inzwischen das Pandemiegeschehen prägen, war die Tendenz auf fast allen Erdteilen sechs Wochen lang fallend.

Nun gebe es allerdings wieder einen Zuwachs, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Abgesehen von Afrika und der Region im westlichen Pazifik sei überall ein Aufwärtstrend zu beobachten. "Das ist enttäuschend, aber nicht überraschend."

Ursachen könnten die Corona-Lockerungen und die ansteckenderen Varianten des Virus sein - "und dass die Menschen weniger vorsichtig werden", sagte Tedros. Der WHO-Chef ermahnte die internationale Gemeinschaft erneut, nicht allein auf Impfungen zu setzen. Grundsätzliche Hygieneregeln seien weiterhin Fundament der Pandemie-Bekämpfung.

Erfreulich sei, dass endlich die Impfung von medizinischem Personal in den ärmeren Ländern begonnen habe, zum Beispiel in Ghana und in Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste). Bis Ende Mai erwarte die WHO, dass 237 Millionen Dosen Impfstoff zur Verteilung in 142 ärmeren Ländern bereitstünden. Tedros fügte hinzu: "Es ist bedauerlich, dass dies beinahe drei Monate nach dem Impfstart in manch besonders reichen Ländern passiert."

Covid-Mutationen als Anfang vom Ende der Pandemie?

Der Epidemiologe Klaus Stöhr, der das Global-Influenza-Programm der WHO geleitet hatte und dort auch Sars-Forschungskoordinator war, hat schon vor Wochen darauf hingewiesen, dass die historische Erfahrung ein plötzliches Nachlassen des Infektionsgeschehens wahrscheinlich mache.

Tatsächlich sind die beiden großen Influenza-Pandemien in den Jahren 1957 (asiatische Grippe, 2-4 Millionen Tote) und 1968 (Hongkong-Grippe 1-3 Millionen Tote) nach diesem Muster ebenso schnell zusammengebrochen wie sie sich aufgebäumt hatten. Auch die Spanische Grippe von 1918/19 (mehr als 50 Millionen Tote) war in ihrer zweiten Welle am tödlichsten und kurz nach er dritten relativ rasch vorbei. Aber verschwunden ist sie nie, den Erreger gibt es bis heute: Das H1N1-Virus, das aber meist zur "normalen" Influenza abgeschwächt ist. 

Das heißt: Mutationen sind in der Regel der Anfang vom Ende einer Pandemie. Das renommierte Fachmagazin "Science" publiziert nun eine Studie von US-Forschern der Universitäten in Atlanta und Pennsylvania unter Leitung der Biologin Jennie Lavine mit der Prognose, dass das Coronavirus bald "endemisch" werde, sich also nurmehr örtlich begrenzt weiter verbreite. Demnach könnte der Erreger in absehbarer Zeit seinen Schrecken verlieren. Die globale Impfkampagne werde diesen erfreulichen Prozess beschleunigen."