ÖSV-Damen in Abfahrtstrainings stark. Österreichs Speed-Damen haben sich in den beiden WM-Abfahrtstrainings in Cortina d'Ampezzo als Medaillenanwärterinnen hervorgetan. Tamara Tippler und Mirjam Puchner kamen am Freitag in beiden Trainingsläufen unter die ersten drei, das gelang auch Lara Gut-Behrami. Die Schweizerin will als erste Läuferin seit Elisabeth Görgl 2011 den Speed-Doppelpack. Das österreichische Quartett komplettieren Ramona Siebenhofer und Christine Scheyer. Erwartet wird ein ganz enges Rennen.

Von APA / BVZ.at. Erstellt am 12. Februar 2021 (14:19)

Puchner erzielte am Vormittag in einem Sprint-Training auf verkürzter Strecke, weil die Herren gleichzeitig trainierten und beide Pisten im gleichen Zielraum münden, Bestzeit vor Tippler und Gut-Behrami. Im zweiten Training war Super-G-Weltmeisterin Gut-Behrami die Schnellste vor Tippler und Puchner. Siebenhofer wurde Vierte, Scheyer belegte Platz neun - beide überzeugten auch Damen-Rennsportleiter Christian Mitter, der die Entscheidung den Betroffenen zeitnah per WhatsApp kommunizierte. Zuschauen müssen während dem Rennen am Samstag (11.00 Uhr/live ORF 1) Stephanie Venier und Ariane Rädler, die großen Rückstand hatten.

Tippler erklärte, sie habe noch Reserven. "Den Super-G habe ich abgehakt. Ich zähle immer noch zu den Schnelleren von allen, es hat nicht so viel gefehlt. Jetzt ist die Abfahrt, das ist ein neues Thema", sagte die Steirerin, die im WM-Auftaktrennen als beste Österreicherin den siebenten Platz belegt hatte. "So leicht gebe ich nicht auf, die werden wir schon noch ärgern." Gelöst zeigte sich Puchner im Zielraum. "Ich glaube, dass wir uns heute recht gut präsentiert haben und dass das auch ziemlich viel Selbstvertrauen für morgen gibt", meinte die Salzburgerin. Sie hatte sich in den "Selektionsläufen", wie es Mitter bezeichnet hatte, noch gegen die interne Konkurrenz behaupten müssen.

"Alte Liebe rostet nicht", fand Siebenhofer, die immer gerne nach Cortina kommt und die beiden jüngsten Abfahrten hier in der Saison 2018/19 gewann. Es sind die bisher einzigen zwei Weltcup-Siege der Steirerin, die zuletzt ihr Speed-Training intensivierte. "Ich glaube, man muss trotzdem morgen auch cool bleiben und es nicht mit der Brechstange probieren." Scheyer sagte, sie habe den Super-G wie Tippler bereits abgehakt: "Ich gehe wieder das Risiko ein, das ich mir vornehme. Ich traue mir wieder zu, dass ich gerade fahre." Vom Energielevel her "passt alles".

Gut-Behrami, die am Donnerstag nach ihrem Sieg im Super-G lange auf dem Berg verharren musste, klagte indes über Erschöpfung. "Ich bin ziemlich müde, habe nicht schlafen können. Ich hoffe, dass ich mich heute noch erholen kann, morgen wird es schon gehen", sagte die 29-Jährige.

Dass sie trotzdem am Freitag so schnell war, sahen viele als Warnung. "Wenn sie da Bestzeit fährt im Training, dann wird sie morgen brutal schwierig zum Biegen sein, weil sie hat sicher noch was drin", urteilte etwa ÖSV-Coach Mitter. Die Steirerin Görgl gewann zuletzt in Garmisch-Partenkirchen Super-G und Abfahrt bei einer WM. Davor war das schon Maria Walliser (SUI), Anja Pärson (SWE) und Lindsey Vonn (USA) gelungen.

Auch Corinne Suter, zuletzt meistens die beste Schweizer Abfahrerin, kann nach Silber im Super-G befreit fahren. Siebenhofer hat die US-Amerikanerin Breezy Johnson ("Highspeed-Abfahrt - da sind die Amis auch immer gut") auf der Rechnung. Einig waren sich alle darin, dass es ein sehr enges Rennen wird. "Es wird sicher eine Hundertstelsache", meinte Tippler. Kleinste Fehler könnten entscheiden, sagte Puchner und ergänzte: "Ich finde es cool, dass ich da aus der Außenseiterrolle voll angreifen kann."

Venier indes ahnte schon, dass es mit der WM-Abfahrt nun wohl nichts wird. "Ich habe es selbst in der Hand gehabt und es versaut", teilte die Tirolerin mit. Auch Rädler wusste schnell, dass es nicht reichen würde. "In der Abfahrt fehlt mir so viel Training noch. Da passt es einfach bei mir noch nicht technisch, auch das Material nicht", erklärte die Vorarlbergerin.