Jugendheim-Aufreger: Erste Ergebnisse. Der Fall der Therapeutischen Gemeinschaften (TG) wird laut Büro des zuständigen SPÖ-Landesrates Franz Schnabl mit Akribie aufgearbeitet.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 16. Januar 2018 (11:58)
Herbert Käfer
SPÖ-Landesrat Franz Schnabl und Anwältin Simone Metz, die die Sonderkommission leitet.

Große Aufregung gab es vergangenen November, als sich Jugendliche im ORF beschwerten, sie seien in einer Einrichtung vernachlässigt worden. Der zuständige Landesrat Franz Schnabl berief rasch eine Untersuchungskommission ein. Die präsentiert nun ein Zwischenergebnis.

Mittlerweile habe man zwei Einrichtungen – Ebenfurth und Jaidhof - besucht und intensive Gespräche mit den vormals und aktuell betreuten Minderjährigen, wie auch den vormals und aktuell beschäftigten MitarbeiterInnen geführt. Weitere Einrichtungsbesichtigungen stehen in den kommenden beiden Wochen noch auf dem Programm, so die Leiterin der Sonderkommission, die Anwältin Simone Metz: „25 Anrufe haben uns über die Hotline bis dato erreicht. Bei den AnruferInnen war spürbar, dass sie sich im Vertrauen, ihre Wahrnehmungen einer unabhängigen Stelle schildern zu können, die allen Hinweisen nachgeht, wertschätzend und ernstgenommen gefühlt haben.“

Hotline hat sich bewährt

Die Hotline für Beschwerden im Zusammenhang mit privaten Einrichtungen der vollen Erziehung der Kinder- und Jugendhilfe – erreichbar unter 0800 100 353 (werktags von 9 – 17 Uhr) - war und ist ein wichtiger Baustein und die anonyme, unabhängige Anlaufstelle habe sich mehr als bewährt - vor allem zu Beginn. Diese wird überwiegend die TG betreffend von ehemaligen und derzeitigen MitarbeiterInnen und BetreuerInnen aber auch von Minderjährigen frequentiert.

Die Sichtung und Nachforderung von Unterlagen sei nach wie vor im Gange und erfahre volle Unterstützung vonseiten der zuständigen Fachabteilung des Landes NÖ.

Während der Weihnachtswochen habe man mit dem Obmann der TG Hermann Radler ebenso Gespräche geführt, wie mit seinem Stellvertreter Stefan Bauer. Außerdem mit der Mitarbeiterin der Aufsicht des Landes Niederösterreich und weiteren vormaligen bzw. noch aufrecht beschäftigten MitarbeiterInnen, vormals und aktuell betreuten Minderjährigen und sonstigen Auskunftspersonen sowie mit der Kinder- und Jugendanwältin Gabriele Peterschofsky-Orange.

Endbericht für Mitte Februar geplant

„Nun gilt es die Gesprächsinhalte durch die Sichtung der Vorfallsberichte, Dienstverträge samt Ausbildungsnachweise, finanzielle Gebarung der Einrichtung und die Dienstpläne auf ordnungsgemäßen Einsatz des Personals entsprechend ihrer Qualifikation sowie Auslastung, ordnungsgemäße Dokumentation und Aufsicht sowie allfällige strafrechtliche Sachverhalte zu überprüfen, wobei ein Gesamtbild zu erarbeiten ist“, so Metz.

Sie stellt einen Endbericht für Mitte Februar in Aussicht: „Aufgrund der Weihnachtsfeiertage und der damit verbundenen Abwesenheit der Minderjährigen waren Einrichtungsbesuche bis 8. Jänner nicht zielführend. Die Befragungen werden seither aber mit Hochdruck fortgeführt und akribisch von den Kommissionsmitgliedern Gabriele Fischer, Leo Walkner und Caroline Kerschbaumer beleuchtet.“

Als unmittelbare Sofortmaßnahme habe das Land bereits am 22.12. ein Krisenmanagement zur Betreuung und Unterstützung der Minderjährigen in Form außenstehender Therapeuten eingerichtet.

„Um die – im Raum stehenden – Vorwürfe zu objektivieren und einem stimmigen Gesamtbild Rechnung tragen zu können, das die Abläufe in der Kinder- und Jugendhilfe nachhaltig verbessert, ist umfassende Recherche notwendig. Wir gehen weiterhin intensiv täglich einlangenden Hinweise nach“, berichtet Metz. Man versuche „so rasch als möglich alle Fakten zu prüfen und stichhaltige strafrechtliche Tatbestände mittels Sachverhaltsdarstellung der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis zu bringen.“