Ärzte warnen vor Kahlschlag in der Unfallchirurgie. Die Ärztekammer sowie mehrere Unfallchirurgen haben am Montag vor den Einsparungsplänen der Bundesregierung im Bereich der Unfallversicherung gewarnt. Es drohe ein Kahlschlag in der Versorgung, lautete der Tenor in der gemeinsamen Pressekonferenz, und billiger kämen der Staat bzw. die Steuerzahler dadurch auch nicht weg.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 09. April 2018 (11:30)
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Ärztekammer und Chirurgen warnen vor Sparen bei Unfallversicherung

"Es handelt sich hier um unverzichtbare Leistungen", betonte Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. Wenn man - zugunsten der Arbeitgeber - der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) eine Einsparung von 500 Mio. Euro und damit von fast 40 Prozent ihres Gesamtbudgets vorschreibe, müsse man woanders das Geld aufstellen; zahlen müssten es jedenfalls die Steuerzahler, entweder über den Bund, die Ländern oder über höhere Sozialversicherungsbeiträge.

Auch Christian Fialka, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie, sah das so. Was es heute an unfallchirurgischem Angebot in Österreich gebe, sei eine Notwendigkeit. Sämtliche Szenarien, etwa die AUVA nur noch die reinen Arbeitsunfälle übernehmen zu lassen und sie damit von 330.000 der jährlich 370.000 Fälle zu entlasten, führten letztendlich zu einem Nullsummenspiel, weil ja andere einspringen müssten. "Aber es ist völlig unklar, wer das machen, finanzieren soll."

Seine Fachkollegin Karin Gstaltner verwies auf die Fachkompetenz in der Behandlung schwerster Verletzungen in der AUVA, und zwar verschränkt mit der Rehabilitation. "Die Sorge ist: Wer wird in dieser Qualifikation die Patienten übernehmen?", fragte sie. Dass auch die Kompetenz in der Unfallchirurgen-Ausbildung wegbrechen könnte, betonte Bundesfachgruppenobmann Richard Maier.

Szekeres zeigte sich über die jüngste Zusicherung von Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) beruhigt, dass keines der Unfallspitäler zugesperrt werden soll. "Aber es fehlt die Information, wie es mit den Einrichtungen weitergehen soll." Und: "Jetzt als Regierung eine Einrichtung dafür zu strafen, dass sie die Leistung erbringt, zu der sie gesetzlich verpflichtet ist, ist ziemlich seltsam."