Anwalt: Mandant hat Tat nicht geplant.

. Erstellt am 14. Mai 2018 (12:16)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Der Angeklagte wird in den Verhandlungssaal gebracht. 
Hahslinger

Vier Justizwachebeamte eskortieren den Angeklagten Erich L. (46) unter Blitzlichtgewitter in den Verhandlungssaal. Die Richterin greift energisch durch und mahnt die Fotografen zur Ordnung. Der Prozess beginnt, die Richterin fragt die persönlichen Daten des Angeklagten ab: Erich L., 46 Jahre alt, Hausbesitzer in Gaming, geschieden, zuletzt als Schlosser tätig.

Angeklagter mehrfach vorbetraft wegen sexueller Delikte

13 Vorstrafen, davon elf wegen Sexualvergehen, zeugen davon, wie es die Staatsanwältin nach einem halbstündigen Anklagevortrag auf den Punkt bringt: Schon seine kriminelle Vorgeschichte zeige die Charaktermängel des Erich L deutlich auf, nämlich seine Rücksichts- und Respektlosigkeit, seine Freunde sowie sein Ergötzen am Leid, Schmerz und der Angst anderer Personen. Vor allem seine Freude an der Erniedrigung von Frauen, was ihn sexuell erregt und befriedigt.

Verteidiger Peter Schobel (rechts) belagert von den Medienvertretern.
Hahslinger

Auf 36 Seiten fasst die Staatsanwältin dann das Grauen, das eine 25-Jährige aus dem Waldviertel in einem Haus in Gaming durchleben musste, zusammen: Sie wirft dem Mostviertler das Verbrechen der Freiheitsentziehung, die Verbrechen der Vergewaltigung und geschlechtlichen Nötigung vor. Aufgrund seiner geistigen und seelischen Abartigkeit höheren Grades, wie ein Gutachter attestiert, beantragt sie neben einer Bestrafung von L. dessen Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.  

Psychiater Richard Billeth
Hahslinger

Krankenschwester von Badesee verschleppt

Eine Krankenschwester suchte am 29. Juli vergangenen Jahres einige Stunden Erholung am Badesteg des Edelsberger Sees bei Gutenbrunn im Bezirk Zwettl. Die 25-Jährige las ein Buch und genoss den herrlichen Sommertag, ahnungslos, dass ein kranker Sexunhold ein Auge auf sie geworfen hat. Unter dem Vorwand einer Autopanne bat der Fremde, der sich später als 46-jähriger Schlosser aus Gaming herausstellte, die Waldviertlerin um Hilfe. Hilfsbereit ging die Krankenschwester mit und landete nur wenige Minuten später überwältigt, geknebelt und gewaltsam mit Kabelbindern gefesselt in einer 69 Zentimeter breiten und 169 Zentimeter langen Holzkiste. Die zur Gänze mit Styroporplatten verkleidete Kiste wies nur ein Luftloch auf, und das hilfslose Entführungsopfer durchlitt während der 70 Kilometer langen Fahrt bis nach Gaming, in der Enge nach Luft ringend, Todesängste.

Peiniger lässt das Opfer am Badesee wieder frei

Ein wahres Martyrium begann für die Frau im Wohnhaus des Entführers. 24 Stunden habe die Waldviertlerin nach den Ausführungen der Anklägerin die sexuellen Gewalt- und grausamen Machtfantasien des Mostviertlers über sich ergehen lassen müssen.  

Opferanwältin Dr. Elisabeth Januschkowetz
Hahslinger

Nach den Sexattacken brachte der Peiniger das verletzte und traumatisierte Opfer an den Badesee zurück und ließ es frei.

Die Angaben der Waldviertlerin, sie hatte sich Fragmente des Täterfahrzeugs gemerkt, führten zur Ausforschung und Verhaftung des Mostviertlers.

Verteidiger: „Kein perfider Tatplan“

Während die Staatsanwältin von einem gezielten Anschlag auf das Opfer spricht, sieht Verteidiger Peter Schobel „keinen perfiden Tatplan“. Der 46-Jährige habe seine sexuellen Begierden aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht wie andere im Griff, führt der Verteidiger an und versucht offensichtlich, das von L. gezeichnete Bild eines Sexmonsters zu entschärfen.

Verteidiger des Angeklagten: Der St. Pöltner Rechtsanwalt Peter Schobel
Hahslinger

Ausschluss der Öffentlichkeit

Ob der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ablegt oder nicht, ist den Ohren der Öffentlichkeit verwehrt – sie wurde ausgeschlossen. Laut Verteidiger Schobel mache der Angklagte „Zugeständnisse“.