Fast 12.000 Coronavirus-Erkrankte in China. Die Coronavirus-Epidemie in China erlebte am Samstag den bisher höchsten Anstieg der Infektionen und Toten innerhalb eines Tages. Die Gesundheitskommission in Peking meldete einen Zuwachs um fast 2.000 auf bisher 11.791 Erkrankte. Die Zahl der Todesfälle kletterte um 46 auf 259. International verhängen immer mehr Länder Einreiseverbote für Besucher aus China, zum Beispiel die USA und Australien.

. Erstellt am 01. Februar 2020 (07:58)
Desinfektion nach dem Abtransport von Coronavirus-Toten in Provinz Hubei
APA/ag.

US-Gesundheitsminister Alex Azar erklärte, Nicht-US-Bürgern, die sich in den vergangenen zwei Wochen in China aufgehalten haben, werde die Einreise verboten. Ausnahmen gebe es für enge Familienmitglieder von US-Bürgern und Menschen mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung. Die Anweisung gilt ab 2. Februar. Ähnlich verhält sich Australien. Die Regierung verhängte ein Einreiseverbot für Reisende aus China. Von dem Verbot ausgenommen seien australische Staatsbürger und Menschen mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung sowie deren Angehörige, erklärte Premierminister Scott Morrison. Länder wie Italien, Singapur und die Mongolei haben ähnliche Maßnahmen ergriffen. Chinas Regierung bezeichnete beispielsweise das für die USA erlassene Einreiseverbot als unfreundlichen Akt.

Unterdessen führte die Rückholung deutscher Bürger aus dem chinesischen Seuchengebiet zu einem diplomatischen Eklat mit Russland. Russland habe der deutschen Luftwaffen-Maschine mit den 128 Rückkehrern aus Wuhan die zwingend benötigte Zwischenlandung in Moskau verwehrt, sagte der Kommandeur der Flugbereitschaft im Bundesverteidigungsministerium, Oberst Daniel Draken, der "Bild am Sonntag".

Der Airbus werde nun zum Auftanken in Finnlands Hauptstadt Helsinki zwischenlanden. "Russland hat uns zwar den Überflug genehmigt", sagte Draken. "Aber eine Landung an den Moskauer Flughäfen wurde mit Verweis auf mangelnde Kapazitäten am Boden verweigert." Nach Informationen der Zeitung hatte Russland den deutschen Behörden die Landung zuvor in Aussicht gestellt. Der Zwischenstopp auf dem Flug nach Frankfurt am Main ist notwendig, um den Regierungs-Airbus aufzutanken und die Piloten auszutauschen.

Erstmals meldete auch Spanien eine Infektion: Betroffen sei ein Deutscher auf der Kanareninsel La Gomera, der mit einem der in Deutschland infizierten Patienten in Kontakt gewesen sein soll, teilte die Regierung mit. Insgesamt waren fünf Deutsche in La Gomera getestet worden, die in Kontakt mit einem Mann gekommen sein sollen, bei dem in Deutschland das Virus nachgewiesen wurde.

In Österreich gibt es bisher keinen bestätigten Fall: Für einen siebenten Verdachtsfall in Wien gab es ebenso eine Entwarnung wie für einen Verdachtsfall in Kärnten. Alle vier Personen in Salzburg, die in den vergangenen Tagen im Uniklinikum unter Beobachtung gestanden sind, haben sich nicht mit dem Erreger infiziert. Das berichtete das Land Salzburg am Samstag. Auch ein Verdachtsfall in Oberösterreich bestätigte sich nicht. Weitere Verdachtsfälle wurden am Samstag aus Wien, Vorarlberg und Niederösterreich gemeldet.

Österreich gehe beim Thema Coronavirus in Absprache mit der WHO und den europäischen Gesundheitsbehörden einen sehr vorsichtigen und aufmerksamen Kurs ohne Panikmache, erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Von bisher 30 Tests bei Verdachtsfällen sei keiner positiv gewesen.

Die Organisation der Heimholung von sieben Österreichern aus dem chinesischen Epidemiegebiet läuft unterdessen auf Hochtouren. Sonntagfrüh soll jene Bundesheer-Transportmaschine von Linz-Hörsching nach Frankreich abfliegen, mit der die Österreicher von dort heimgeholt werden. "Am 2. Februar fliegt Frankreich EU-Bürger aus China aus. Darunter befinden sich auch sieben Österreicher. Das Außenministerium ersuchte das Verteidigungsministerium um Weitertransport der österreichischen Staatsbürger von Frankreich nach Österreich. Der Transport wird von der viermotorigen Transportmaschine C-130 Hercules der Luftstreitkräfte des Bundesheeres durchgeführt", hieß es seitens des Verteidigungsministeriums.

Die Crew werde von einem Sanitätsteam und zwei Experten des ABC-Abwehrzentrums begleitet. Der Sprecher des Außenministeriums, Peter Guschelbauer, sagte am Freitag: "Ein Botschaftsmitarbeiter ist nach Wuhan gereist, um die Österreicher zu betreuen." Dieser werde die Österreicher auch auf dem Flug nach Frankreich betreuen. Voraussetzung für die Rückkehr sei allerdings, dass die Reisenden gesund sind: "Es gibt vor dem Flugantritt in Wuhan einen Gesundheitscheck. Es können nur Gesunde mitfliegen. Nach unseren Erkenntnissen sind derzeit aber alle wohlauf", sagte der Außenamtssprecher.

Wegen der Lungenkrankheit ist China praktisch zum Stillstand gekommen. In der hart betroffenen Provinz Hubei wurden 45 Millionen Menschen abgeschottet. Alle Verkehrsverbindungen sind dort gekappt. Landesweit werden Überlandbusse gestoppt, Züge und Flüge reduziert. Die Ferien zum chinesischen Neujahrsfest wurden verlängert: Schulen, Universitäten und Kindergärten bleiben geschlossen, Fabriken stehen still und Büros sind verriegelt. Nach Ikea oder H&M schließt auch Apple bis mindestens 9. Februar seine Läden.