MilAk Wiener Neustadt: Brisante Vorwürfe

Erstellt am 29. November 2022 | 09:45
Lesezeit: 3 Min
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Die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt
Foto: Baldauf
Anonymes Schreiben sieht Nötigung und Folter bei Ausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Das Bundesheer spricht von einer „Standardausbildung“, die Staatsanwaltschaft ermittelt...
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Eine „Whistleblower-Meldung“ beschäftigt derzeit Bundesheer und Staatsanwaltschaft. In einem anonymen Rundschreiben, das auch der NÖN vorliegt, wird auf mehreren Seiten detailliert von einem „Machtmissbrauch“ bei der Ausbildung von MilAk-Fähnrichen gesprochen. So soll es unangekündigt im heurigen Februar zu einer Übung „Kriegsgefangeschaft“ gekommen sein, die so nicht im Lehrplan vorgesehen sei, so der Verfasser des Schreibens.

Dabei hätten die Fähnriche Erniedrigungen über sich ergehen lassen müssen. Bei einem simulierten „Verhör in Kriegsgefangenschaft“ hätten sich die männlichen und weiblichen „Gefangenen“ bis auf die Unterwäsche ausziehen müssen, zuvor seien ihnen persönliche Gegenstände – unter anderem den Frauen auch Anti-Babypille und Tampons – abgenommen worden. Dazu seien die Fähnriche beschimpft und sowohl körperlich als auch psychisch unter Druck gesetzt worden.

In dem Schreiben wird auch ausgeführt, dass ein ähnliches Szenario im August unter der Annahme einer „Geiselhaft“ wiederholt wurde. Auch die Covid-Richtlinien seien nicht eingehalten worden, worauf ein Cluster entstanden sei.

Lehrgangsleiter weiterhin im Dienst

Laut Staatsanwaltschafts-Sprecher Erich Habitzl wird derzeit gegen den Lehrgangsleiter neben Amtsmissbrauch, Nötigung und Folter auch wegen des Verdachts der Gefährdung der körperlichen Sicherheit, der Freiheitsentziehung sowie der gefährlichen Drohung ermittelt.

Im Raum stehe ebenfalls eine entwürdigende Behandlung gemäß Paragraf 35 Militärstrafgesetz. Ein Ermittlungsauftrag liege seit dem 9. November vor, wurde gegenüber der APA betont. Zwei Vorgesetzte des Lehrgangsleiters waren ebenfalls angezeigt worden. In diesen beiden Fällen seien keine Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Seitens der MilAk gab es auf NÖN-Anfrage kein Statement – man verwies auf Heeressprecher Michael Bauer. Er spricht von einer „Standardausbildung, die grundsätzlich so vorgesehen“ sei. Ob alles so wie im Lehrplan vorgesehen abgelaufen sei, müsse jetzt die Staatsanwaltschaft klären.

Das Bundesheer werde auf jeden Fall voll kooperieren und Amtshilfe leisten, so Bauer zur NÖN, etwa Dienstpläne zur Verfügung stellen. Ihm seien bisher keine Beschwerden über diese Art von Ausbildung bekannt, meint er weiters.

Der betroffene Lehrgangsleiter ist weiterhin im Dienst.